Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/27

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Städte zu Boden stützen und viele [Männer] 85 im Kampfe verderben. Der Streit aber [wird] im Gleichgewichte gegeneinander [sein][1].

86 Aber wenn die Zeit zum zehnten Geschlechte der redenden Menschen kommt[2], 87 dann wird den Persern Knechtesjoch und Furcht beschieden sein; 88 aber des Scepters werden sich die Makedonier berühmen. 89 Es wird auch Theben hinterdrein schlimme Einnahme widerfahren. 90 Die Karier werden Tyros bewohnen; die Tyrier werden zu Grunde gehen. 91 Und ganz Samos wird der Sand unter Dünen verhüllen. 92 Delos ist nicht mehr sichtbar; unsichtbar ist Alles von Delos[3]. 93 Und Babylon, groß im Anblick, klein im Kampfe, 94 wird dastehen mit unnützen Erwartungen ummauert. 95 Baktra werden die Makedonier bewohnen, aber die von Baktra 96 und Susa werden alle fliehen zum hellenischen Lande.

97 Kommen wird den Nachkommen [die Zeit], wenn der Pyramos mit silbernen Strudeln, 98 Dünen vor sich hinschüttend, zur heiligen Insel gelangt[4]. 99 Und Sybaris(?)[5] wird fallen und Kyzikos, wenn die Erde durch Erschütterungen 100 heftig bewegt wird, und die Städte hinsinken. 101 Kommen wird auch den Rhodiern Unheil, zuletzt, aber am Größten[6].

102 Auch Makedonien hat nicht immer die Herrschaft, sondern vom Westen her 103 wird ein großer italischer Krieg erblühen, unter dem die 104 Welt den Italiern dienen wird, das Knechtesjoch tragend. 105 Karthago, auch dein Turm wird zur Erde das Knie senken. 106 Armes Laodikeia, dich wird einstmals das Erdbeben zu 107 Boden stürzend verwunden; wiederum aber wirst du dich ausrichten als Stadt mit breiten Straßen[7]. 108 Auch du, armes Korinth, wirst einstmals deine Einnahme sehen[8]. 109 O schönes Myra in Lykien, dich wird niemals die erschütterte Erde 110 feststehen lassen, sondern vornüber im Beben zur Erde fallend, 111 wirst du wünschen, in ein anderes Land, als Beisassin, zu entfliehen, 112 dann, wenn Pataras Getümmel in Gottlosigkeiten einst 113 mit Donnern und Erderschütterungen das dunkle Wasser ...[9].

114 Armenien, auch dich erwartet der Zwang der Knechtschaft. 115 Es wird auch für Solyma der böse Sturm des Krieges kommen[10] 116 von Italien her, und den großen Tempel Gottes wird er entleeren, 117 wenn sie, der Thorheit vertrauend, die Frömmigkeit 118 wegwerfen werden und ’schreckliche Mordthaten im Tempel vollbringen‘[11]. 119 Und dann wird von Italien der große König[12], wie ein ’Entlaufender‘[13], 120 fliehen, verschwunden, verschollen, über den Strom des Euphrat, 121 ’welcher einst‘[14] Blutschuld schrecklichen Mordes an der Mutter wagen wird 122 und vieles andere, der bösen Hand folgend. 123 Viele aber werden um den Thron[15] Roms den Boden mit Blut besudeln, 124 nachdem jener entlaufen ist jenseits des ’parthischen‘[16] Landes.

125 Nach Syrien aber wird ein Fürst Roms kommen, der, mit Feuer den Tempel 126 von Solyma verbrennend und viele Menschenmörder[17] zugleich, 127 das große, breitstraßige Land der Juden verderben wird.


  1. Der Peloponnesische Krieg ist gemeint.
  2. Andere Lesart: „aber wenn das Geschlecht der red. M. zum zehnten Alter (Geschlechte) kommt“.
  3. V. 91. 92, die hier durchaus keine passende Stelle haben, werden von Alex. nach 94, von Rzach nach 96 umgestellt. Vgl. übrigens III,363.
  4. Heidnischer, bereits dem Strabo bekannter Orakelspruch; s. Einltg. S. 179. Für „Insel“ giebt Str. „Kypros“.
  5. Für das in sehr alter Zeit zerstörte Sybaris ist Konjektur (Alex.) „Kibyra“ in Phrygien.
  6. Auch dies heidnischer Spruch, als solcher der Sibylla von Pausanias angeführt.
  7. Andere Lesart „als gegründete Stadt“; die gewöhnliche Lesart ist „wiederum aber wird es dich aufrichten als Stadt (Acc.) m. br. Str.“.
  8. In einem Teile der Hdschr. steht dieser Vers bereits nach 104 (so Rzach).
  9. V. 112 f. stehen nur in einem Teile der Hdschr.: das Verbum des zweiten Satzes ist verdorben.
  10. Auch dieser Vers steht nur in den Hdschr., die 112 f. geben.
  11. Alex.: Hdschr. sinnlos verdorben.
  12. Nero.
  13. Struve; Hdschr. sinnlos, soweit sie nicht, mit anderer LA., „wie ein Stern“ geben.
  14. Badt; Hdschr. „wann er“.
  15. Andere LA. „um das Heiligtum“.
  16. Alex.; Hdschr. verdorben.
  17. Hdschr. z. T. „morden wird“ und „mit dem Speer“ für „zugleich“. Vgl. 118.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 203. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/27&oldid=1972416 (Version vom 16.03.2013)