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’er Ruhm niederlegte, 149 lauernd mit diesen Bösen gegen ein widriges Volk. 150 ’Und‘[1] den gottgeschaffenen Tempel nahm er ein und verbrannte die Bürger, 151 ’die zum Tempel‘[2] hineingingen, die ’ich‘ mit Recht gepriesen ’habe‘[3]; 152 denn als dieser erschien, wurde die ’ganze‘[4] Schöpfung erschüttert, 153 und Könige kamen um, und die, bei denen die Herrschaft blieb, 154 ’vernichteten‘[5] die große Stadt und das gerechte Volk.

155 Aber wenn vom vierten Jahre ab ein großer Stern hervorleuchtet, 156 welcher die ganze Erde allein vernichten wird der Ehre wegen, 157 ’welche sie‘[6] im Anfange dem meerbewohnenden Poseidon gaben; 158 es wird aber kommen vom Himmel herab ein großer Stern in die schreckliche Salzflut 159 und wird verbrennen das tiefe Meer und Babylon selbst 160 und das Land Italiens, um dessentwillen umkamen 161 viele Heilige [und] Gläubige der Hebräer und ’das‘ wahrhaftige ’Volk‘[7].

162 Du wirst sein, nachdem du unter den sterblichen Übeln [die größten] Übel erduldet hast; 163 aber du wirst völlig verlassen ganze lange Zeiten für dich allein (?) bleiben. 164 Du wirst sein, aber du wirst für lange Zeiten völlig verlassen bleiben[8], 165 deinen Boden hassend, weil du nach Giftmischerei verlangt hast; 166 Ehebruch [ist] bei dir und ruchlose Vermischung mit Knaben 167 und frevelhafte mit Weibern, schlechte Stadt, unselige vor allen[9]. 168 Wehe, wehe, in allem schändliche Stadt der latinischen Erde, 169 rasende, an Ottern dich freuende! Als Witwe wirst du am Ufer sitzen, 170 und der Fluß Tiberis wird dich, ’seine‘[10] Gemahlin, beweinen, 171 ’die du‘[11] ein blutgieriges Herz hast und einen gottlosen Sinn. 172 Nicht hast du erkannt, was Gott vermag und was er zu Wege bringt, 173 sondern du sprachst: die Einzige bin ich, und niemand wird mich zerstören! 174 Nun aber wird dich und alle die Deinigen der ewig seiende Gott verderben, 175 und nicht mehr wird von dir ein Zeichen sein in jenem Lande, 176 wie vor Alters, als der große Gott deine Ehren fand. 177 ’Bleibe‘[12], Ruchlose, allein, und mit flammendem Feuer dich vermischend 178 nimm den tartarischen ruchlosen Ort im Hades als Wohnung ein!

179 Jetzt aber, o Ägypten, bejammere ich wieder dein Unheil. 180 Memphis, erste Urheberin der Mühen, ’du wirst‘ angefüllt ’sein von Toten‘[13]; 181 in dir werden die Pyramiden eine schamlose Stimme ertönen lassen. 182 Python[14], die du vor Alters mit Recht Doppelstadt genannt wurdest, 183 schweige in Ewigkeiten, damit du aufhörest vom Elend. 184 Frevlerin (?)[15], Schatzhaus böser Leiden, vieljammernde Mänade, 185 die du Schreckliches erduldet hast, thränenreiche, du wirst Witwe bleiben alle Zeit. 186 Viele Jahre warst du es, die allein die Welt beherrschte.

187 Aber wenn Barke ein weißes Gewand 188 über schmutzigem anlegt, möchte ich weder sein, noch geboren werden[16].

189 O Thebe, wo ist deine große Kraft? Ein wilder Mann 190 wird das Volk verderben; du aber wirst dunkle Kleider nehmen 191 und klagen, Unselige, allein, und alles bezahlen, 192 was


  1. Castalio; Hdschr. „in“.
  2. Alex.; „die Leute, die“ Hdschr. („und die L., die“ nach Rzach).
  3. Alex.; Hdschr. in dritter Person.
  4. Alex.; fehlt in den Hdschr. (unmetrisch).
  5. Alex. (leichte Änderung); Hdschr. sinnlos.
  6. Opsopoeus; „sie selbst“ Hdschr.
  7. Rzach; Hdschr. „der ... Tempel“.
  8. Entweder 163 oder 164 muß getilgt werden (Alex.). In 164 „du wirst bleiben“ Alex.; „sie wird bl.“ Hdschr.
  9. Für „uns. v. a.“ Clemens im Citat „in allem schändliche“; es ist klar, daß in dem benutzten Texte V. 168 fehlte.
  10. Alex.; Hdschr. „und deine“.
  11. Castalio; Hdschr. „und nicht (hast) du“.
  12. Castalio; Hdschr. „allein“ (Fem. od. Neutr.).
  13. „du wirst sein“ Rzach; Hdschr. meist „und dich“; „von Toten“ Alex.; Hdschr. „von der Sehne“.
  14. Rzach möchte dies (unter gewaltsamer Korrektur) auf das ägyptische Theben beziehen (δίπολις Doppelstadt = Διόσπολις Theben).
  15. Wörtlich „Frevelmut“. Appellativ, als beschimpfende Bezeichnung für ein Konkretum auch 231 gebraucht.
  16. „möchte“ u. s. w. ist homerische Redensart (Odyss. 18, 79).
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/33&oldid=1972422 (Version vom 16.03.2013)