Seite:Die Haare der heiligen Fringilla.djvu/072

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selber gesagt hat. Und: Aßen Sie denn niemals Kuchen?

Die Prinzessin (schweigt und ist ganz Gußeisen.)

Der Herr: Die Hohenzollerin verträgt keinen Widerspruch. Wie schade! Sie hätte mir gewiß Besseres zu sagen gewußt, als dieser korrekte Frosch-Bourgeois. – Ach, es ist ein Elend! So verscherzt man sich durch unzeitige Wahrhaftigkeit die besten Gelegenheiten. Wozu eigentlich? Lüge ist ein Zeichen von Kultur und gesellschaftlicher Gesittung. Wahrhaftigkeit ist eine Tugend für Leute mit schlechtsitzenden Gehröcken.

Die kleine Eva aus Buchsbaum (über den Apfel weglächelnd): Jung, Jung, Jung, was bist du für’n Leimsieder! Umgekehrt wird’n Schuh draus: Die Wilden lügen, der Kulturmensch leistet sich zuweilen den Luxus der Wahrheit. Je näher der Natur, desto weiter weg von der fixen Idee, es wäre was Schönes und Braves, „wahr“ zu sein. Gotte doch! Und du willst Künstler sein? Und du hast eine Frau gehabt?

Empfohlene Zitierweise:

Otto Julius Bierbaum: Die Haare der heiligen Fringilla. München: Albert Langen, 1904, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Haare_der_heiligen_Fringilla.djvu/072&oldid=1167194 (Version vom 9.07.2010)