Seite:Die Sage-Karl Wehrhan-1908.djvu/10

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im 3.= 41; im 4. = 78; im 5. = 87; im 6. = 109; im 7. = 115; im 8.= 110; im 9.= 186; im 10. = 165 und in der ersten Hälfte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts wiederum 79 Sagensammlungen. Während vor 1816, dem Erscheinungsjahr des epochemachenden Grimmschen Werkes, nur ca. 12 Sagensammlungen erschienen, waren es von 1816–1830 schon 56. Einen neuen Anstoß gab die Herausgabe der deutschen Mythologie von Grimm 1835, die in den Äußerungen des Volkslebens wertvolle Nachklänge und Überreste der Religion der alten Deutschen erkennen lehrte. Die Sagenliteratur schwoll dadurch mächtig an; in der ersten Hälfte des vierten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts erschienen nur 19, in der zweiten Hälfte mehr als das dreifache, nämlich 59 Sagensammlungen. Sie legten, angeregt durch Grimm, das Hauptgewicht auf die geschichtliche Beziehung zur deutschen Vergangenheit und gaben sich deshalb von vornherein gern als Beitrag zur deutschen Mythologie. Man schoß übers Ziel hinaus, sah vielfach in allem und jedem altgermanisches Gut, und darum geriet diese Art der Forschung bei ernsten Gelehrten bald als dilettantisch in Mißkredit. Gegen Ende der 50er und mehr noch vom Ende der 60er Jahre an machte sich deshalb in der Sagensammlung ein Stocken bemerkbar, das auch in unsern schon oben mitgeteilten Zahlen zum Ausdruck kommt. Die zweite Hälfte der 50er Jahre ergab nur 40 Werke der unten aufgeführten Sammlungen, während die erste Hälfte noch 69 hervorgebracht hatte. In den 70er Jahren hielt dieser Rückgang an.

Neuen Anstoß erhielt die Sagenforschung durch die tiefere Auffassung des Begriffs der Volkskunde als Erforschung und Darstellung des gesamten Volkslebens in seinen äußeren Bedingungen und seinen inneren geistigen Formen. Der Eifer der Sagenforscher und Sagensammler ist aufs neue erwacht, wie uns obige Zahlen ebenfalls zeigen, und heute läßt sich außer vielen anderen Publikationen eine ganze Reihe guter volkskundlicher Zeitschriften die Erhaltung, Sammlung und Pflege des Sagenschatzes angelegen sein.

Empfohlene Zitierweise:

Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/10&oldid=1073648 (Version vom 13.04.2010)