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IV. Bildung und Entstehung der Sage.
„Um alles menschlichen Sinnen Ungewöhnliche, was die Natur eines Landstrichs besitzt, oder wessen ihn die Geschichte gemahnt, sammelt sich ein Duft von Sage und Lied, wie sich die Ferne des Himmels blau anläßt und zarter, seiner Staub um Obst und Blumen setzt. Aus dem Zusammenleben und Zusammenwohnen mit Felsen, Seen, Trümmern, Bäumen, Pflanzen, entspringt bald eine Art von Verbindung, die sich auf die Eigentümlichkeit jedes dieser Gegenstände gründet und zu gewissen Stunden ihre Wunder zu vermehren berechtigt ist. Wie mächtig das dadurch entstehende Band sei, zeigt an natürlichen Menschen jenes herzzerreißende Heimweh.“ So heißt es in der Vorrede zu den Grimmschen Sagen. Wir haben da ein Doppeltes zu unterscheiden. Wird der Sagenstoff ungewöhnlichen Formen oder Vorgängen in der Natur (eigenartige Felsen, erratische Blöcke, Irrlichter, Gewitter usw.) und den allgemein menschlichen Zufällen entlehnt, so entsteht die mythische Sage, wird er aber den ganze Völker oder einzelne Volksgruppen berührenden geschichtlichen Ereignissen, in denen sich dann eine Kulturepoche widerspiegelt, entlehnt, so spricht man von der geschichtlichen Sage. Nur bei diesen letzteren ist also der Ursprung in der Geschichte zu suchen. Das ist auch von allen übrigen Sagen behauptet und dann angenommen, alle persönlichen Wesen der Sage seien wirkliche Personen gewesen und im Laufe der Zeit seien
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Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/32&oldid=1140007 (Version vom 12.06.2010)