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So können wir sagen, daß im Grunde genommen zwischen der Sage und beglaubigten Geschichte Beziehungen wohl sicher sind, doch liegen diese nicht so nahe, daß eine Ableitung aus der Geschichte greifbar ist, aber auch nicht so fern, daß man sie von vornherein ablehnen muß[2]. Die Sage wird aber dadurch nicht etwa weniger wertvoll, sie spielt vielmehr im geistigen Leben unseres Volkes eine Rolle, mit der gerechnet werden muß. Die Brüder Grimm sagen[3]: „Die Kinder glauben an die Wirklichkeit der Märchen, aber auch das Volk hat noch nicht ganz aufgehört, an seine Sagen zu glauben, und sein Verstand fordert nicht viel darin; sie werden ihm aus den angegebenen Unterlagen genug bewiesen, d. h. das unleugbar nahe und sichtliche Dasein der letzteren überwiegt noch den Zweifel über das damit verknüpfte Wunder. … daher auch von dem, was wirklich Geschichte heißt (und einmal hinter einen gewissen Kreis der Gegenwart und des von jedem Geschlechte Durchlebten tritt), dem Volke eigentlich nichts zugebracht werden kann, als was sich ihm auf dem Wege der Sage vermittelt; einer in Zeit und Raum zu weit entrückten Begebenheit, der dieses Erfordernis abgeht, bleibt es fremd oder es läßt sie bald wieder fallen.
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Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/52&oldid=1139955 (Version vom 12.06.2010)