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fast regelmäßig von ihr in die Tiefe gezogen, wenn nicht gleich, so doch bei passender Gelegenheit. In einem dänischen Volksliede wird erzählt, wie Herr Oluf im Mondscheine reitet, um Hochzeitsgäste zu laden; da sieht er’s tanzen zu vieren und fünfen, und die schönste der Nixen, Erlkönigs Tochter, lädt ihn zum Tanze ein. Als er weiter reitet und sich mit seinem Geschäft entschuldigt, verspricht sie ihm allerlei schöne Sachen, wünscht ihm aber zuletzt Pestilenz und Krankheit und gibt ihm einen Schlag aufs Herz. Er erscheint bleich bei der Mutter, und als am Morgen die Braut mit der Hochzeitsschar erscheint, liegt Herr Oluf auf der Totenbahr.

Die Nixenweiber werden sehr häufig in Liebe zu schönen Menschen hingezogen, wenn sie auch stets voll sehnsüchtigen Heimwehs nach der kühlen blauen Flut bleiben, in die sie die Geliebten lieber hineinziehen, als daß sie ihnen ans trockene Land folgen. Der ganze Jammer eines geknickten Liebesglücks wird denn auch von der tief empfindenden deutschen Sage in diese Geschichten hineingelegt. Meistens kann nur ein gewaltsamer Tod dem Leide ein Ende machen. Die Kinder des unseligen Bündnisses haben beider Eltern Natur an sich, sind dabei aber immer wild und bösartig. Untreue des menschlichen Geliebten wird mit dem Tode bezahlt, sobald die Nixe seiner im Wasser habhaft werden kann, doch erscheint sie auch auf der Oberwelt, um ihr Rachewerk zu vollbringen.


Literatur: Wassermann. K. Blind, Germanische Wassergottheiten (Vossische Ztg. 1880. Sonntagsbeilage durch eine Reihe von Nummern). – Fleischer, Die Sage von wunderbaren Wassergeschöpfen und Wassergeistern (Europa 1883–1884). – Weineck, Der Goldwagen im Mochower See (Mitteil. d. niederlaus. Ges. f. Anthropol. u. Urgesch. III. 1887. S. 147–152). – H. Mose, [Wassergeister] aus der Gegend von Untersteiermark (Zeitschrift d. V. f. Volksk. IV. 1894. S. 451). – A. Bergmann, Der goldene Wagen von Belchensee (Jahrb. f. d. Gesch. Elsaß-Loth. XI, 18. 1895). – P. Drechsler, Sagen vom Wassermann aus d. Gegend von Katscher (Mitteil. d. schles. Ges. f. Volksk. I. 1895. S. 15, 56 f.) – A. Hauffen, Zur Kunde v. W. (Forschungen zur neueren Literaturgeschichte. Festgabe für Richard Heinzel. Weimar 1898. S. 70–91). – P. Drechsler, Der W. im schles. Volksglauben (Zeitschrift d. V. f. Volksk. XI. 1901. S. 201–207). – Kühnau, Wasserdämonen (Mitteil. d. Ges. f. schles. Volksk. IX. 1902. S. 19–22, 53, 87 f.) – Wahner, Weiteres vom W. in Oberschlesien (Ebda. X. 1903. S. 10–29, 54–59). –

Empfohlene Zitierweise:

Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/81&oldid=1144994 (Version vom 16.06.2010)