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I. Zur Geschichte der Volkssagenforschung.

Die Volkssagenforschung hat eine verhältnismäßig noch sehr junge Geschichte, denn der Wert der Volkssage ist lange verkannt worden. Zwar finden sich in geographischen und Reisewerken etwa vom 14. und 15. Jahrhundert an allerlei „Kuriositäten“ aus dem Volksleben der besprochenen Landschaften und darunter auch allerlei Volkssagen; sie sind aber eben nur der Kuriosität halber mitgeteilt. Als Ende des 18. Jahrhunderts Herder und die Romantiker den absoluten Wert eines Teiles der volkstümlichen Überlieferungen und darunter der Sagen erkannten, als nun die Märchen, Sagen und Volkslieder nicht nur als curiosa, sondern als an sich wertvolle dichterische Erzeugnisse gesammelt wurden, als in jener Zeit die einzigartige und unübertreffliche nordische Sagenliteratur Islands und Norwegens in Deutschland zur tieferen Kenntnis und Wertung kam, als dann endlich die Brüder Grimm[1] 1816 und 1818 ihre zwei Bände deutscher Sagen herausgaben und dadurch in vorbildlicher Weise den Sammlern der volkstümlichen Sagen den Weg wiesen – da erblühte auch die Sagenliteratur des deutschen Volkes zu einer Höhe empor, die vordem wohl nie geahnt war und die heute noch mit Bewunderung erfüllen muß. Nur einen äußeren Beweis wollen wir hier kurz anführen, der aber in seinem Zahlenmaterial um so gewichtiger sein wird. Unten sind im Literaturnachweis reichlich 1000 verschiedene Titel angeführt. Von ihnen erschienen vor 1800 nicht einmal ein halbes Dutzend; im 1. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, also von 1801–1810 nur 3; im 2. Jahrzehnt schon 21;


  1. R. J. Labes, Die bleibende Bedeutung der Brüder Grimm f. d. Bildung der Jugend an den Märchen, Sagen … Progr. v. Rostock 1887.
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Karl Wehrhan: Die Sage. Wilhelm Heims, Leipzig 1908, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sage-Karl_Wehrhan-1908.djvu/9&oldid=1073650 (Version vom 13.04.2010)