Seite:Die araner mundart.djvu/24

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
– 8 –

„heimat“, mir. dúthchus zu air. dúthoig und anderen.) Wo neben kontrahierten formen noch ursprünglichere vorkommen, da nehmen diese, die meist nicht reste eines älteren sprachbestandes, sondern durch die schrift veranlasste neubelebungen sind, die silbenbetonung der verkürzten an, z. b. brāhŕ̥, māhŕ̥, dauən etc., mit zweigipfliger betonung nach dem vorbilde von brāŕ̥, māŕ̥, daun etc.

Schwieriger ist es, die entstehung der zweigipfligen betonung in den wörtern zu erklären, die seit air. zeit keine lauteinbusse erlitten haben, wie bēsə, bĭō, ḱīx etc.

An einen ersatz für laute, die schon in voririscher zeit geschwunden sind, ist nicht zu denken; selbst ein auf den ersten blick nicht völlig unwahrscheinlicher zusammenhang der zweigipfligen betonung mit einem zum ersatz für einen geschwundenen konsonanten gedehnten e, wie in air. éc (vgl. kymr. angeu, korn. bret. ancou), air. scél (vgl. kymr. chwedl, korn. whethl, bret. quehezl) und anderen, ist wohl kaum anzunehmen, da verschiedene sehr gebräuchliche wörter mit ersatzdehnung stets eingipfliges ē aufweisen, wie ḱēd „hundert“, air. cét, kymr. cant, körn. cans, bret. kant, in ēǵn̥ „gewalt, zwang“, air. écen, kymr. angen; çēd „erster“, air. cét, kymr. cyntaf, bret. kint- kent-, korn. kyns, gall. cintu‑s etc., und andere.

Zweigipflige betonung scheint auf irischem gebiete vielmehr in allen fällen neueren ursprungs zu sein und auf verschiedene, mir noch nicht erkennbare ursachen zurückzugehn. Statt einer vollen erklärung muss ich mich daher mit einigen vermutungen begnügen.

Im allgemeinen scheint eine neigung vorzuliegen, betonte auslautende lange vokale und solche, denen ein stimmhafter konsonant, vor allem g, folgt, mit zweigipfliger exspiration zu sprechen. Vgl. die verwandte englische erscheinung, behandelt von Sweet, A Handbook of Phonetics, s. 59. In lehnwörtern aus dem englischen, wie rōpə, kōtə, ḱēv, rōgəŕə etc., ist die diphthongische aussprache der nächstverwandten mit zweigipfliger exspiration angepasst worden. In īxtr̥, ḱīx, ḱrīx, ḱēxtə hat der notwendige übergangslaut vom palatalen vokal zum gutturalen konsonanten die zweigipfligkeit veranlasst.

Empfohlene Zitierweise:

Franz Nikolaus Finck: Die araner mundart. N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1899, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_araner_mundart.djvu/24&oldid=1540242 (Version vom 23.04.2011)