Seite:Die erzwungene Heirath-Molière-Baudissin-1866.djvu/7

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Sganarelle. Wer, ich? – Das kann nicht sein.

Geronimo. Verzeiht; die Rechnung ist richtig. Und deshalb will ich Euch freimüthig und als Euer wahrer Freund sagen, wie ich’s Euch habe versprechen müssen, – daß das Heirathen nichts für Euch ist. Ich sehe es an als eine Sache, die junge Leute recht reiflich überlegen müssen, ehe sie daran gehen; aber Männer in Eurem Alter sollen gar nicht daran denken; und wenn schon behauptet wird, es sei an und für sich die größte Thorheit zu heirathen, so giebt es wohl nichts Gewagteres, als diese Thorheit zu einer Zeit zu begehen, wo man vernünftiger sein sollte. Auf mein Wort, ich sage Euch meine Meinung rund heraus. Ich rathe Euch, an keine Heirath zu denken; und würde es sehr lächerlich finden, wenn Ihr, der so lange in Freiheit gelebt hat, Euch jetzt die schwerste aller Ketten aufladen wolltet.

Sganarelle. Und ich dagegen, ich sage Euch, daß ich entschlossen bin, eine Frau zu nehmen, und daß ich mich durchaus nicht lächerlich machen werde, wenn ich das Mädchen heirathe, um das ich mich jetzt bewerbe.

Geronimo. O, das ist etwas Anderes. Das hattet Ihr mir nicht gesagt.

Sganarelle. Das Mädchen gefällt mir, und ich liebe es von ganzem Herzen.

Geronimo. Ihr liebt sie von ganzem Herzen?

Sganarelle. Versteht sich; und habe bei ihrem Vater um sie angehalten.

Empfohlene Zitierweise:

Molière übersetzt von Wolf Graf von Baudissin: Die erzwungene Heirath. S. Hirzel, Leipzig 1866, Seite 311. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_erzwungene_Heirath-Moli%C3%A8re-Baudissin-1866.djvu/7&oldid=1852134 (Version vom 26.07.2012)