Seite:Die erzwungene Heirath-Molière-Baudissin-1866.djvu/8

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Geronimo. Ihr habt um sie angehalten? –

Sganarelle. Ja. Der Contract soll heut Abend unterschrieben werden, und ich habe mein Wort gegeben.

Geronimo. Ei, dann verheirathet Euch in Gottes Namen. Ich sage kein Wort mehr.

Sganarelle. Ich sollte meinen Entschluß aufgeben? – Komme ich Euch denn vor, Herr Geronimo, wie Jemand, der nicht daran denken dürfte eine Frau zu nehmen? – Lassen wir mein Alter bei Seite, aber betrachten wir uns die Sache wie sie ist. Zeigt mir einmal einen Mann von dreißig Jahren, der frischer und kräftiger aussieht als ich? Habe ich nicht alle Bewegungen meines Körpers ganz so in der Gewalt wie immer, und seht Ihr mich je in der Kutsche fahren oder eine Sänfte benutzen? Habe ich nicht noch alle meine Zähne, und zwar die besten von der Welt? (Er zeigt seine Zähne.) Halte ich nicht täglich meine vier derben Mahlzeiten, und kann irgend Jemand eine bessere Verdauung haben als ich? (Er hustet.) Hem, hem, hem, hem. – Nun, was habt Ihr darauf zu sagen? –

Geronimo. Ihr habt ganz Recht, ich war im Irrthum. Ihr werdet sehr wohl thun, zu heirathen.

Sganarelle. Ich hatte früher immer nicht daran gewollt; aber jetzt finde ich die stärksten Gründe dafür. Abgesehen von dem Vergnügen, das mir bevorsteht, wenn eine hübsche Frau mich liebkosen und hätscheln und streicheln wird, so oft ich müde bin, – abgesehen davon, sage ich, überlege ich mir, daß, wenn ich bliebe wie ich bin,

Empfohlene Zitierweise:

Molière übersetzt von Wolf Graf von Baudissin: Die erzwungene Heirath. S. Hirzel, Leipzig 1866, Seite 312. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_erzwungene_Heirath-Moli%C3%A8re-Baudissin-1866.djvu/8&oldid=1852135 (Version vom 26.07.2012)