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der Sichel, die die einfältigen Menschen für ein Gespenst halten. Märchenstoffe benutzende Schriftsteller waren auch der Franzose François Rabelais (in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts) und der grosse englische Dichter Shakespeare. Das Märchen Die Wette auf die Treue der Gattin (Cymbeline) treffen wir auch bei Shakespeare.

Saxo Grammaticus bringt in seiner Geschichte Dänemarks (im 12:ten Jahrhundert) einige Volksmärchen vor, z. B. Die Flucht vor den Unholden, Die Prinzessin in der Erdhöhle (Mt. 870).

Märchen sind mitunter auch mit den alten abendländischen Epen verbunden. Unter den märchenartigen Erzählungen der griechischen Odyssee ist die Geschichte von dem einäugigen Riesen Polyphemos die bekannteste: Odysseus durchbohrt das Auge des Riesen und flieht aus der Höhle unter dem Bauche des Widders (Mt. 1137). Sie sowie die in der Odyssee damit verknüpfte Selbstepisode ist im Volke in vielen Gegenden Europas bekannt (Mt. 1135). Die Selbstepisode erscheint im Volksmunde auch einzeln. In der altnordischen Edda finden wir z. B. die Sage von der Grottemühle, deren Grundlage das Märchen Die Zaubermühle (Mt. 565) bildet. Dasselbe Märchen hat auch auf das im finnischen Kalevala vorkommende Sampolied Einfluss gehabt. Von anderen Märchenstoffen des Kalevala sei die Verfolgung in dem Liede vom Sonnenraube erwähnt, die aus dem Märchen Die magische Flucht (Mt. 313, 314) stammt.

Auch die Erzählungen des berühmtesten Werkes der Weltliteratur, der Bibel, haben hie und da Zusammenhang mit den Märchenstoffen, selten mit ganzen Märchen. Die Kindheitschicksale Moses’ (er wird in einem Korb im Wasser ausgesetzt, von wo Pharaos Tochter ihn rettet und zu ihrem Pflegling nimmt) erscheinen im Märchen Die Weissagung (Mt. 930, vgl. 461) auf einen armen Jungen bezogen, den der reiche Mann zu hindern versucht, sein Schwiegersohn zu werden. Die Grundlage des Buches

Empfohlene Zitierweise:

Antti Aarne: Übersicht der Märchenliteratur. Suomalaisen Tiedeakatemian Kustantama, Hamina 1914, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FFC14.djvu/23&oldid=1709394 (Version vom 29.10.2011)