Seite:Flach Der deutsche Professor.djvu/043

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gedruckte Arbeit keine besondere wissenschaftliche Bedeutung haben sollte. Endlich unterliegt die gedruckte Arbeit – selbst wenn sie nicht in den Buchhandel kommt – einer gewissen öffentlichen Controlle, und es braucht gar nicht daran erinnert zu werden, wie oft es in den letzten Jahren vorgekommen ist, dass einzelne Canditaten versucht haben, mit fremden Arbeiten oder Uebersetzungen fremdländischer ihren Doctor in Deutschland zu machen, was weit schneller entdeckt wird, vorausgesetzt, dass das Versehen in der Facultät vorgekommen ist, wenn einer grösseren Zahl von Lesern die Arbeit zur Verfügung steht. Zu bemerken ist, dass nach einer preussischen Verfügung vom 7. März 1877 nur derjenige nichtpreussische Doctortitel officielle Geltung hat, der auf Grund mündlichen Examens und gedruckter Dissertation erlangt ist. Beispielsweise würde also der Doctortitel der philosophischen Facultät in Tübingen keine Geltung haben, wenn nicht Druck der Dissertation erfolgt wäre.

Es ist daher kein Zufall, dass Facultäten, welche geringere Anforderungen stellen, ganz besonders aber keinen Druckzwang ausüben, sehr bald einen gewissen Ruf bekommen, von Candidaten aus allen Provinzen überschwemmt und selbst von Ausländern, wie Rumänen, Siebenbürgen, Griechen, Asiaten und andern Völkerschaften mit Vorliebe aufgesucht werden, die durch den Ruf der Milde sich angezogen fühlen. Oftmals kommen die Candidaten aus weiter
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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/043&oldid=1255723 (Version vom 16.10.2010)