Seite:Keyserling Beate und Mareile.djvu/118
|
„Wie war die Nacht?“ fragte Mareile. „Ruhig,“ erwiderte Beate und schaute auf die Astern nieder; als sie dann aufblickte, mußte Mareile etwas Seltsames in Beates Zügen gelesen haben, denn ihre Augen wurden groß und rund vor erschrockenem Erstaunen, und dann hatte sie verstanden. Die beiden Frauen, die ihre Kindheit miteinander verlebt, kannten die Bedeutung eines jeden Zuckens auf dem Gesichte der andern. „Du mußt fort, Mareile, gleich fort von hier,“ sagte Beate scharf und kalt. Mareile breitete die Arme aus in einer großen, trauervollen Bewegung, wie nur sie sie wagen konnte; dann begann sie leise und schnell zu sprechen: „Ja, ich geh. Das ist dein Recht. Das mußte kommen. Das ist dein Recht. Aber sieh, das kannst du nicht verstehn, in meiner Art hab’ ich auch recht …“ |
Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/118&oldid=1183803 (Version vom 27.07.2010)