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Das Inspektorhaus war unerträglich; voller Sonne, Fliegen, Suppengeruch. Mareile wanderte daher schon am Morgen, unter dem roten Sonnenschirm, über den Hof in das Schloß. Dort saß sie gern allein und müßig in der Bibliothek und sann, sann dem nach, was kommen mußte. Sie fühlte sich reich und müde, wie nach einer Ernte. Oh, sie hatte keine Eile! Die Erlebnisse des Lebens konnten noch ein wenig warten; jetzt wollte sie ruhen und ihre Schönheit fühlen, wie ein Rosenstock mit all seinen Knospen unbeweglich dasteht in der Mittagsonne, froh der Gewißheit des Blühens. Günther, nervös und unruhig durch die Zimmer wandernd, blieb in der Türe des Bibliothekzimmers stehen. „Sie sitzen hier so eigentümlich,“ sagte er zu Mareile. „So – so – als ob Sie bei etwas Angenehmem wachhielten, das eben eingeschlafen ist.“ „Das ist hübsch, was Sie da sagen,“ meinte Mareile. |
Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/75&oldid=1178772 (Version vom 22.07.2010)