Seite:Keyserling Beate und Mareile.djvu/9

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„Ja, wenn du willst.“

„Sag, ist’s dort noch so – so – düster?“

„Düster – dort?“

„Na ja, für dich – natürlich – da sind’s die Kinderzimmer und so. Die Zimmer sind’s auch nicht. Ich glaube, es ist die Tante Seneïde.“

„Tante?“ rief Beate. „Aber Tante Seneïde ist doch wie – wie Mondschein im Ahnensaal.“

„So! ist das nicht unheimlich, wenn man so ist?“

„Ach nein!“ erklärte Beate. „Weißt du, wenn der Mond durch die oberen Fenster des Ahnensaals scheint, dann ist der Fußboden ganz voll von Lichtkringel. Als Kinder setzten Mareile und ich uns da mitten hinein. Tante Seneïde ging im Saale auf und ab und sagte ihre geistlichen Lieder her. Das war so echt Kaltinsch, und das gehört Tante.“

„So,“ meinte Günther, „als Knabe habe ich mich gefürchtet, wenn die Leute von der kranken Komtesse sprachen. Na, jetzt soll sie mir wie Mondschein im Ahnensaal sein. Komm!“


Empfohlene Zitierweise:

Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/9&oldid=1179353 (Version vom 22.07.2010)