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| Herman Melville Übersetzt von Rudolph Garrigue: Vier Monate auf den Marquesas-Inseln oder ein Blick auf Polynesisches Leben 1. Theil |
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Ein unverzagter Missionair, der sich von dem schlechten Erfolge aller frühern Versuche, die Wilden zu gewinnen, nicht abschrecken ließ, und der sehr viel auf die Wirksamkeit des weiblichen Einflusses baute, brachte seine junge, schöne Frau unter sie, die erste weiße Frau, die je die Küste betreten hatte. Die Insulaner starrten anfänglich in stummer Bewunderung dieses Wunder an und schienen geneigt, es für eine neue Gottheit anzusehen. Nach kurzer Zeit aber, als sie mit dem reizenden Anblick vertraut und nach den Falten begierig geworden waren, die die schönen Formen umgaben, versuchten sie den heiligen kattunenen Schleier zu durchdringen, in welchen sie gehüllt war, und gingen bei der Befriedigung ihrer Neugier so weit, daß sie das Sittlichkeitsgefühl der Dame aufs Tiefste beleidigten. Als ihr Geschlecht bekannt war, verwandelte sich die Vergötterung in Verachtung, und der Schmach, mit der sie von den Wilden überhäuft wurde, war kein Ende, denn sie waren außer sich über den Betrug, der ihrer Meinung nach an ihnen verübt worden war. Zum Schrecken ihres liebenden Gatten wurden ihr die Kleider genommen |
Herman Melville Übersetzt von Rudolph Garrigue: Vier Monate auf den Marquesas-Inseln oder ein Blick auf Polynesisches Leben, 1. Theil. Gustav Mayer, Leipzig 1847, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Melville-Vier_Monate_auf_den_Marquesas-Inseln._Teil_1.djvu/20&oldid=1792993 (Version vom 13.04.2012)