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Die Fresnel’sche Darstellung läuft auf die Behauptung hinaus, dass der Aether in dem sich bewegenden Körper in Ruhe bleibt, mit Ausnahme jenes Antheils, welcher an den Körpertheilchen verdichtet ist. Wenn man auf diesen verdichteten Aetheratmosphären besteht, kann jedes Theilchen mit seiner Atmosphäre als ein besonderer Körper betrachtet werden und dann läuft diese Darstellung einfach darauf hinaus, dass der Aether durch die Bewegung der Materie, welche er durchdringt, gar nicht afficirt wird.

Man wird sich erinnern, dass Fizeau[1] ein Lichtbündel, welches von einem im Brennpunkt einer Linse befindlichen Spalt ausging, in zwei parallele Strahlen spaltete. Diese gingen durch zwei parallele Röhren, fielen auf eine zweite Linse, wurden in ihrem Brennpunkt wieder vereinigt und fielen dort auf einen Planspiegel. Hier kreuzten sich die Strahlen, so dass jeder durch die andere Röhre zurückkehrte, und beide durch die erste Linse wieder im Brennpunkt, beim Spalt, vereinigt wurden. Eine planparallele Platte reflektirte dort einen Theil des Lichtes an eine Stelle, wo es mit Hilfe einer Lupe untersucht werden konnte.


  1. Es hat den Anschein, dass dieser Ausdruck genauer ist als der von Fresnel. Denn wenn die Theile des bewegten Mittels sich berühren würden, müsste die Lichtbewegung um den vollen Werth von \theta beschleunigt werden, d. h. der Factor müsste 1 sein, während \tfrac{n^{2}-1}{n^{2}} nie 1 sein kann. Der obige Ausdruck gibt jedoch dieses Resultat, wenn sich die Theilchen berühren: denn dann ist b = 0,\ x=\tfrac{n^{2}-1}{n^{2}}+\tfrac{1}{n^{2}}=1. Greifen wir auf Gl. 1 zurück und setzen a+b=l, so finden wir (n - 1)l = (\mu - 1)a. Aber für dieselbe Substanz sind \mu und a wahrscheinlich constant oder wenigstens nahezu. Daher ist (n-1)l constant. Clausius hat nun gezeigt, dass l=k\tfrac{\sigma}{\varrho}a, wenn k eine Constante, \sigma die Dichte des Moleküls, \varrho die Dichte der Substanz und a den Durchmesser der Wirkungssphäre bedeutet. \sigma und a sind wahrscheinlich nahezu constant, daher haben wir schliesslich \tfrac{n-1}{\varrho} = constant. Merkwürdig genug scheint für verschiedene Substanzen das Product (n - 1)l einem constanten Werth zuzustreben. Für 25 Gase und Dämpfe, deren Brechungsexponenten und mittlere Weglängen bekannt waren, war die äusserste Abweichung vom Mittelwerth aller (n - 1)l kleiner als 20%, wiewohl die Factoren im Verhältnis von 1 zu 13 variirten und wenn aus der Reihe die letzten 9 Dämpfe, bezüglich derer einige Unsicherheit herrschte, ausgeschieden werden, so sinkt die äusserste Abweichung vom Mittel auf 10% herab.

  2. Ann. de Ch. et de Ph. (3.) LVII. p. 385, 1859.
Empfohlene Zitierweise:

Albert Abraham Michelson & Edward Williams Morley: Einfluss der Bewegung des Mittels auf die Geschwindigkeit des Lichtes. Exners Repertorium der Physik, 23, München und Leipzig 1887, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:MichelsonMorleyFizeauDe.djvu/3&oldid=1852939 (Version vom 26.07.2012)