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| ohne alle wissenschaftliche Schulbildung[1] und im Denken nicht
geübt, daher die ermüdende Breite und Weitschweifigkeit seines Ausdrucks. Auch sein religiöses System, wenn man es so nennen darf, ist nicht originell, sondern in allen wesentlichen Punkten ganz dasselbe, was vor ihm Kabīr und andere schon auseinandergesezt hatten. Dass Nānak bei den älteren Bhagats in die Schule gegangen ist, geht schon aus dem einfachen Umstand hervor, dass ein nicht unbedeutender Auszug aus den Schriften von Kabīr, Ravidās, Trilōčan etc. dem Granth, gleichsam als loci probantes, einverleibt worden ist. An Schärfe und Kühnheit der Gedanken stehen diese Bhagats jedenfalls weit über Nānak und seinen Nachfolgern, und ihre Stanzen bilden eine wohlthuende Erholung gegen die langweiligen und trivialen Versificationen der Sikh Gurus, die den alten Knochen immer wieder aufs neue benagen. Was den Charakter Nānak’s betrifft, so war er, allen Anzeichen nach, mild, freundlich und mitleidig, und da er von einem heiligen Eifer beseelt war, das in den tiefsten Aberglauben versunkene Volk zur Verehrung des Einen höchsten Wesens zurückzurufen, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn der einfache, ungelehrte Faqīr in seinem grotesken Aufzug[2] die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich zog, der sich mit unerschütterlichem Selbstvertrauen für den wahren Guru erklärte, der die, welche sich seiner Leitung anvertrauen wollten, über den Ocean der individuellen Existenz hinüberzuführen versprach. Nānak’s eigene Worte, wie sie uns im Granth vorliegen, beweisen auf’s klarste, dass es ihm nicht in den Sinn gekommen ist,
Empfohlene Zitierweise: E. Trumpp: Nanak, der Stifter der Sikh-Religion., München 1876. Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Nanak_der_Stifter_der_Sikh-Religion.djvu/21&oldid=917615 (Version vom 24.11.2009) |