Seite:Neuda-Stunden der Andacht-1858.pdf/133
|
Gib, Allvater, daß ich nie mehr das freudige Vertrauen in dich verliere, daß mich nie mein Muth und meine Zuversicht verlasse, wenn auch die Schwäche des Körpers und die Gebrechlichkeit des Alters auf mich hereinstürmen sollten. Stärke mich, daß ich, so lange ich lebe, im Stande sei, alle meine Pflichten und Obliegenheiten genügend zu erfüllen, daß ich in meinen alten Tagen meiner Umgebung nicht zur Last falle; durch einen reizbaren und mürrischen Sinn ihnen nicht zum Anstoß und zum Aergerniß werde, und durch eine langwierige Krankheit nicht ihre Geduld erschöpfe. Gib, daß ich durch menschenfreundliche Thaten meine letzten Lebensschritte bezeichne, und mit heiterm Bewußtsein dem großen Ruf entgegenharre, der mich hinüberfordert zu dir ins ewige Lichtreich des Jenseits. Amen. Gebet auf der Reise.
„Der Ewige behütet deinen Ausgang Gott, mein Herr, dir befehle ich meine Wege. Wo ich wandle, wo ich bin, bin ich in deinem Schutz und Schirm; ob in dem trauten Kreise der Meinen, oder in der unheimlichen Fremde, – ich zage und bange nicht, denn ich vertraue auf dich! Der du das Vöglein schützest auf seinem Wanderflug und es führest über unbekannte Meere und Welttheile zum ersehnten Ziel, mögest du auch mich, die ich kindlich flehend Herz und Auge zu dir erhebe, huldvoll in deine gnadenvolle Obhut nehmen! Möge deine Liebe mir meine Wege ebnen, mich bewahren vor Bosheit und Hinterlist, mich gnädig führen an meiner Reise Ziel, mir hilfreich beistehen zur Erreichung meines Zweckes, zur Erfüllung und Verwirklichung meiner Pläne und Entwürfe. |
Fanny Neuda: Stunden der Andacht. Wolf Pascheles, Prag 1858, Seite 121. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Neuda-Stunden_der_Andacht-1858.pdf/133&oldid=1980590 (Version vom 31.03.2013)