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Am Sterbe- (Jahrzeits-) Tage des Vaters oder der Mutter.
„Brenne Lämpchen mild und rein, Wenn der Gedanke an dich, du seliger Geist – meines geliebten Vaters – meiner geliebten Mutter – gar oft mein Herz beschäftigt, so durchzieht die Erinnerung an dich heute, an dem Jahrestage deines Scheidens aus diesem Leben, um so mehr mein ganzes Wesen mit Rührung und tiefer Wehmuth. Dieser Tag führt mich zurück in die Zeit, wo du gelebt und gewaltet hast hienieden, wo deine Liebe über mich gewacht mit aller Zärtlichkeit und Sorgfalt, wo ich an deinem Herzen Trost gefunden im Mißgeschick und Theilnahme und Mitgefühl in meinen Freuden. Mir ist es, als sehe ich dich vor mir, mit deinem liebestrahlenden Angesicht, mit den Blicken voll Zärtlichkeit, und deiner Stimme Ton durchzittert meine Seele, als ob er eben erst verklungen wäre. Gott hat dich von hinnen gerufen und mir ist nichts geblieben von deinem geliebten Wesen als dein theueres Gedächtniß und die frommen Ermahnungen und Lehren, die du im Leben mir ertheilt hast. Fromm und kindlich will ich sie im Herzen bewahren und an ihnen hängen; ich will sie schätzen als das theuerste mir von dir gebliebene Vermächtniß und sie beobachten und hüten, daß sie im Leben mir niemals verloren gehen. Das Andenken an dich und ein gottgefälliger Lebenswandel das ist das heilige Band |
Fanny Neuda: Stunden der Andacht. Wolf Pascheles, Prag 1858, Seite 127. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Neuda-Stunden_der_Andacht-1858.pdf/139&oldid=1983998 (Version vom 6.04.2013)