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Das Leben unsres Nächsten muß uns ein unverletzliches Heiligthum sein. Doch nicht nur sein Leben allein, sondern auch alles Das, was sein Leben verschönert und beglückt, darf von uns nicht verletzt und gefährdet werden. Nicht immer bedarf es des Schwertes und des Dolches um den Menschen ins Herz zu treffen. Das tückische, verläumderische Wort wird oft zum giftigen Pfeil, der uns eben so schmerzlich und tödtlich ins Leben greift. Der geistige Mord ist nicht minder verderbenbringend, als der Todtschlag einer mörderischen Hand, und nicht weniger strafbar in Gottes Augen.
Das heiligste Gut, der kostbarste Schatz zweier Gatten ist die eheliche Liebe und Treue. Wer möchte mit frevelnder Hand diese Krone zerstören, diesen Kranz zerreißen, in sträflichem Leichtsinn diese zarten Blüthen zertreten, die den ehelichen Garten zieren! Vor den Pforten dieses Edens hat Gott in seiner Huld gleich einem Cherub mit flammendem Schwerte sein göttliches Gebot hingestellt: „Du sollst nicht die Ehe brechen;” damit jeder leichtsinnige Gedanke, jedes sündige Gefühl erschreckend davor zurückbebe und zitternd entweiche.
Laß dir nimmer einfallen das Eigenthum deines Nächsten an dich zu reißen. Ob er seinen Besitz durch Fleiß und Thätigkeit errungen, ob ihn Gottes Segen allein, ohne sein eigenes Hinzuthun reich gemacht, nimmer laß dich bedünken, deine Hand daran zu legen. Der Diebstahl, welchen Namen, welche Gestalt er auch annimmt: Gewalt, Trug, List, er bleibt sich immer gleich. Auf welche Art immer du des Nächsten Gut an dich ziehst, es wird dir |
Fanny Neuda: Stunden der Andacht. Wolf Pascheles, Prag 1858, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Neuda-Stunden_der_Andacht-1858.pdf/46&oldid=1869397 (Version vom 30.08.2012)