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Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

gegeben, und dass seine Gesetze vortrefflich, ja wahrhaft göttlich sind, denen nichts von dem, was erforderlich ist, mangelt, dafür ist das folgende der deutlichste Beweis. 13 Wenn man die Gesetze der anderen einer Betrachtung unterzieht, so wird man finden, dass sie aus sehr vielen Anlässen geändert worden sind, infolge von Kriegen oder auf Befehl von Alleinherrschern oder aus anderen unerwünschten Ursachen, die durch plötzliche Aenderungen des Geschickes hereinbrachen. Oft aber veranlasste auch übertriebenes Wohlleben infolge von Wohlhabenheit und reichem Ueberfluss Aufhebung der Gesetze, da die Menge ein „Zuviel des Guten“[1] nicht ertragen konnte, sondern aus Uebersättigung übermütig wurde; Uebermut aber ist der Feind des Gesetzes. 14 Dagegen ist Moses der einzige, dessen Gesetze von Dauer waren und unverändert und unerschüttert blieben, wie von der Natur selbst mit ihrem Siegel gezeichnet, und seit dem Tage, da sie aufgeschrieben worden sind, bis heute fortbestehen und, wie wir hoffen dürfen, auch für alle künftige Zeit bestehen und gewissermassen unsterblich sein werden, solange Sonne und Mond und der gesamte Himmel und das Weltall besteht[2]. 15 Trotz so vieler Wechselfälle des Volkes in Glück und Unglück wurde nichts, auch nicht [p. 137 M.] das geringste, an seinen Gesetzen geändert, denn alle hielten offenbar ihre Erhabenheit und Göttlichkeit in hohen Ehren[3]. 16 Was aber nicht Hunger oder Pest oder Krieg oder ein König oder ein Tyrann oder seelische oder körperliche Einwirkung durch Leid oder Bosheit oder sonst irgend ein von Gott gesandtes


  1. Vgl. Ueber Abraham § 134.
  2. Vgl. Josephus gegen Apion II § 277: „... wenn wir auch unsern Reichtum, unsere Städte und alles andere Gute verlieren, so bleibt uns doch das Gesetz als unsterblicher Besitz“. Evang. Matth. V 18: „Wahrlich ich sage euch, bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Jota oder ein Häkchen vom Gesetze vergehen“. Evang. Luk. XVI 17: „Leichter können Himmel und Erde vergehen, als dass ein Häkchen des Gesetzes fällt“.
  3. Vgl. Josephus gegen Apion I § 42: „In einem so langen Zeitraum, der bereits verstrichen ist, hat keiner gewagt etwas hinzuzufügen (zu den Gesetzen) oder etwas aufzuheben oder zu ändern; allen Juden ist der Glaube an den göttlichen Ursprung der Gesetze angeboren“.
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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 301. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/004&oldid=1372106 (Version vom 8.12.2010)