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Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

bringt, 105 so sind die Sinnbilder für Himmel und Erde, wie unsere Darstellung gezeigt hat, nebeneinander gestellt, für den Himmel der Leuchter und für die irdischen Dinge, aus denen die Dünste aufsteigen, der zutreffend so genannte Räucheraltar. 106 Den Altar unter freiem Himmel aber nennt er gewöhnlich Opferaltar, da er, obwohl ihm die Verzehrung der Opfer obliegt, zugleich gewissermassen Hüter und Bewahrer der Opfer ist[1]. Mit diesem Namen deutet er nicht auf die zerstückelten Teile der geopferten Tiere hin, die ja durch Feuer verzehrt zu werden bestimmt sind, sondern auf die Gesinnung des Opfernden. 107 Opfert nämlich ein Verstockter und Ungerechter, so sind seine Opfer unwirksam und seine heiligen Handlungen unheilig, und seine Gebete sind missfällig und schliessen völliges Verderben nicht aus; denn auch wenn sie günstig auszufallen scheinen, bewirken sie nicht Erlösung von Sünden, sondern nur Erinnerung daran. 108 Opfert aber ein Frommer und Gerechter, so bleibt die Wirkung des Opfers unvertilgbar, auch wenn das Fleisch verzehrt ist, ja noch mehr, selbst wenn überhaupt kein Opfertier dargebracht wird. Denn gibt es ein wahrhaft heiliges Opfer ausser dem frommen Sinn einer gottgefälligen Seele? Ihre Dankbarkeit erlangt Unsterblichkeit und bleibt bei Gott wie auf einem Denkmal aufgezeichnet, zugleich mit Sonne und Mond und dem ganzen Weltall ewig bestehend.

109 (11.) Hierauf verfertigte der Künstler die heilige Kleidung für den künftigen Hohenpriester (2 Mos. cap. 28), die in ihrem Gewebe ein herrliches, wunderbares Gespinnst aufwies. Die gewebten Kleidungsstücke waren zweifacher Art, das Unterkleid und das sogenannte Schulterkleid. 110 Das Unterkleid war von einfacherer Art; es war nämlich ganz aus hyacinthfarbigem Stoff, ausser den untersten, den äussersten Saum bildenden Teilen, denn diese waren mit goldenen Granatäpfeln, Glöckchen und gestickten Blumen bunt verziert. 111 Dagegen das Schultergewand, eine sehr prächtige und


  1. Die etymologische Spielerei θυσιαστήριον = θυσίας τηρεῖν, die auch De spec. leg. I § 290 wiederkehrt, lässt sich in der deutschen Uebersetzung nicht wiedergeben, ebensowenig wie vorher das Wortspiel θυμιατήριον (Räucheraltar) und ἀναθυμιάσεις (das Aufsteigen der Dünste).
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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 322. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/025&oldid=1375606 (Version vom 12.12.2010)