Seite:PoincareKrise.djvu/10

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jedes Körnchen dieses Staubes behält seine Ursprünglichkeit und richtet sich nicht nach seinen Nachbarn; da aber die Mischung inniger und inniger wird, so erkennen unsere groben Sinne nur noch Einförmigkeit. Darum streben zum Beispiel die Temperaturen, sich auszugleichen, ohne daß es möglich wäre, sie auf den früheren Zustand zurückzuführen.

Ein Tropfen Wein fallt in ein Glas Wasser; wie auch das Gesetz der inneren Bewegungen der Flüssigkeit sein möge, wir sehen bald, daß sie sich mit einem gleichmäßigen rosa Ton färbt. Von diesem Augenblick an kann man das Gefäß schütteln, soviel man will; Wein und Wasser scheinen sich nicht mehr trennen zu können. Dies ist also das Bild der unumkehrbaren physikalischen Erscheinungen: ein Körnchen Gerste in einem Kornhaufen verstecken ist leicht, es dann wiederzufinden und herauszunehmen ist praktisch unmöglich. Das alles haben Maxwell und Boltzmann auseinandergesetzt; der aber, der es am klarsten gezeigt hat in einem Buch, das zu wenig gelesen wird, weil es etwas schwer zu lesen ist, ist Gibbs in seinen Prinzipien der statistischen Mechanik.

Für die, die sich auf diesen Standpunkt stellen, ist das Carnotsche Prinzip nur ein unvollkommenes, eine Art Zugeständnis an die Schwäche unserer Sinne; weil unsere Augen zu grob sind, unterscheiden wir die Elemente der Mischung nicht, weil unsere Hände zu grob sind, können wir sie nicht voneinander trennen. Der von Maxwell erdachte Dämon, der die Moleküle einzeln aussondern kann, würde die Welt leicht zum Rückwärtsgehen zwingen können. Kann sie von selbst zurückgehen? Das ist nicht unmöglich, es ist nur unendlich unwahrscheinlich. Es ist wahrscheinlich, daß wir lange auf das Zusammentreffen der Umstände warten müßten, die das Rückwärtslaufen erlauben würden; aber früher

Empfohlene Zitierweise:

Henri Poincaré: Der gegenwärtige Zustand und die Zukunft der mathematischen Physik. Der Wert der Wissenschaft, B. G. Teubner, Leipzig 1904/6, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PoincareKrise.djvu/10&oldid=1130480 (Version vom 2.06.2010)