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und Gegenwirkung. Es ist innig mit dem Vorbeigehenden verbunden, und es scheint wohl, als ob der Sturz des einen auch den des anderen nach sich ziehen müßte. Auch dürfen wir uns nicht wundern, hier dieselben Schwierigkeiten wiederzufinden.

Ich habe schon weiter oben gezeigt, daß die neuen Theorien dieses Prinzip preisgeben würden.

Die elektrischen Erscheinungen entstehen nach der Theorie von Lorentz aus der Ortsveränderung kleiner geladener Teilchen, Elektronen genannt, die in ein Mittel geworfen werden, das wir Äther nennen. Die Bewegungen dieser Elektronen bringen Störungen in dem angrenzenden Äther hervor; diese Störungen verbreiten sich nach allen Seiten hin mit der Geschwindigkeit des Lichtes, und andere Elektronen, die anfangs in Ruhe waren, werden ihrerseits in Bewegung gesetzt, wenn die Störung die Teile des Äthers erreicht, die sie umgeben. Die Elektronen wirken also aufeinander, aber es ist keine direkte Wirkung, sie vollzieht sich durch die Vermittelung des Äthers. Kann es unter diesen Umständen einen Ausgleich zwischen Wirkung und Gegenwirkung geben, wenigstens für einen Beobachter, der nur von den Bewegungen des Stoffes Kunde erhält, das heißt von den Elektronen, dem aber die des Äthers, die er nicht sehen kann, unbekannt bleiben? Augenscheinlich nicht. Wenn die Ausgleichung selbst genau wäre, so würde sie nicht gleichzeitig sein. Die Störung breitet sich mit endlicher Schnelligkeit aus, sie erreicht also das zweite Elektron erst, wenn das erste längst wieder in Ruhe gekommen ist. Dieses zweite Elektron erleidet also nach einiger Verzögerung die Wirkung des ersten, aber es wird sicher in diesem Augenblick keine Gegenwirkung auf dieses ausüben, da sich in der Umgebung des ersten Elektrons nichts mehr rührt.

Die Untersuchung der Tatsachen erlaubt uns, noch

Empfohlene Zitierweise:

Henri Poincaré: Der gegenwärtige Zustand und die Zukunft der mathematischen Physik. Der Wert der Wissenschaft, B. G. Teubner, Leipzig 1904/6, Seite 144. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PoincareKrise.djvu/16&oldid=1130471 (Version vom 2.06.2010)