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Also zwei Schwierigkeiten:

  1. Können wir die psychologische Zeit, die qualitativ ist, in eine quantitative Zeit umwandeln?
  2. Können wir Begebenheiten, die sich in verschiedenen Welten ereignen, auf das gleiche Maß zurückführen?
III.

Die erste Schwierigkeit hat man seit langem erkannt; sie war der Gegenstand vieler Untersuchungen, und man kann sagen, daß die Frage entschieden ist.

Wir haben keine direkte Empfindung für die Gleichheit zweier Zeiträume. Wer diese Empfindung zu haben glaubt, ist durch eine Illusion in die Irre geführt.

Wenn ich sage, von zwölf bis ein Uhr ist die gleiche Zeit vergangen wie von zwei bis drei Uhr, was hat diese Behauptung für einen Sinn?

Die geringste Überlegung zeigt, daß sie an sich gar keinen Sinn hat. Sie kann nur den haben, den ich ihr durch eine Erklärung geben will, die unzweifelhaft einen gewissen Grad von Willkür zuläßt.

Die Psychologen hätten sich mit dieser Erklärung zufrieden geben können, die Physiker, die Astronomen können es nicht. Wir wollen sehen, wie sie sich geholfen haben.

Zum Messen der Zeit bedienen sie sich des Pendels, und sie nehmen durch Definition an, daß alle Schwingungen dieses Pendels von gleicher Dauer sind. Das ist aber nichts als eine erste Annäherung. Die Temperatur, der Widerstand der Luft, der atmosphärische Druck verursachen Schwankungen im Gang des Pendels. Könnte man diesen Störungen entgehen, so würde man eine sehr viel größere Annäherung haben, aber es wäre doch nur eine Annäherung. Neue, bis jetzt unbeachtete Ursachen, elektrische, magnetische oder was es sonst sei, würden kleine Abweichungen herbeiführen.

Empfohlene Zitierweise:

Henri Poincaré: Das Maß der Zeit. Der Wert der Wissenschaft, B. G. Teubner, Leipzig 1898/1906, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PoincareMass.djvu/3&oldid=1033659 (Version vom 28.02.2010)