Seite:Relativitaetsprinzip (Lorentz).djvu/17
|
Eine dieser Hypothesen ist folgende:[1] Ein Elektron wird, wenn es sich relativ zum Beobachter A bewegt, für diesen dieselbe Kontraktion erleiden wie der in der ersten Vorlesung betrachtete bewegte Stab [vgl. (20)]. Das Elektron, im ruhenden Zustande als Kugel vorausgesetzt, wird also für A bei der Bewegung in ein Umdrehungsellipsoid übergehen, das in der Richtung der Bewegung verkürzt ist. Falls die Geschwindigkeit des Lichtes erreicht werden sollte (was aber in der Relativitätstheorie als unmöglich erachtet wird), so würde das Elektron sogar zu einer platten Scheibe zusammengedrängt sein. Setzt man auch für die Dynamik des Elektrons das Relativitätsprinzip in den Vordergrund, so kann man sagen, daß diese Ergebnisse enthalten sind in dem Resultate, das bei der Behandlung des bewegten Stabes erhalten ist. Die Kräfte, welche die Gestalt des Elektrons bestimmen, müssen solcher Art sein, daß bei der Bewegung diese Formänderung stattfindet. Weil die Natur dieser Kräfte uns unbekannt ist, so verbietet nichts, diese Annahme zu machen. Wie ist nun das elektromagnetische Feld um das bewegte Elektron? Was ist die Bewegungsgröße? Wenn das Elektron im Ruhezustand eine Kugel ist mit dem Halbmesser R und mit einer gleichmäßig über die Oberfläche verteilten Ladung e, dann ist die Bewegungsgröße bei der Geschwindigkeit v ein Vektor, der die Richtung der Geschwindigkeit hat, und dessen Größe bestimmt wird durch[2]
Dies ist eine sehr wichtige Beziehung. Sie bestimmt die ganze Bewegungsgröße, weil wir allen Grund haben uns vorzustellen, daß die Elektronen keine gewöhnliche Materie enthalten. Zur Abkürzung ist in (34) die Größe m eingeführt worden. Dieselbe wird gegeben durch
|
Hendrik Antoon Lorentz: Das Relativitätsprinzip. B.G. Teubner, Leipzig und Berlin 1914, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Relativitaetsprinzip_(Lorentz).djvu/17&oldid=1474750 (Version vom 22.02.2011)

