Seite:Relativitaetsprinzip (Lorentz).djvu/23

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daß die Zeit, welche verläuft zwischen dem Moment, in dem ein von P ausgegangenes Signal die Sonne trifft, und dem Moment, in dem das erstfolgende von Q ausgegangene Signal die Sonne trifft, länger ist als die Zeit, welche dann noch verläuft, bevor wieder ein von P ausgegangenes Signal die Sonne erreicht. Der Unterschied dieser Zeitintervalle würde einen Effekt der ersten Größenordnung darstellen, und er würde auch existieren, wenn die Zeiten auf einer Uhr abgelesen werden, die der Beobachter auf der Sonne bei sich hat und die seine Bewegung mitmacht. Letzteres trifft zu, welchen Einfluß die Bewegung auch auf den Gang der Uhr haben möge.

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Das Relativitätsprinzip postuliert, daß der auf der Sonne sich befindende Beobachter die sukzessiven, abwechselnd von P und von Q ausgesandten Lichtsignale mit gleichen Zeitintervallen aufeinanderfolgen sieht. Daß wir zu einem anderen Schluß kamen, liegt daran, daß wir bei der Beschreibung mit Hilfe eines Koordinatensystems, in dem das ganze Sonnensystem nach rechts geht, der vom Relativitätsprinzip geforderten Änderung des Newtonschen Gravitationsgesetzes keine Rechnung getragen haben. Diese Änderung hebt den obengenannten Unterschied wieder auf, und zwar dadurch, daß die Zeitintervalle, in denen der Planet einen halben Umlauf vollbringt, erst von P nach Q, dann von Q nach P, nicht mehr einander gleich sind. Man darf sich nicht vorstellen, wie das Maxwell stillschweigend tat, daß die Bewegung des Planeten relativ zum genannten Koordinatensystem aus einer gleichmäßigen Kreisbewegung verbunden mit einer gleichmäßigen Translation bestehe. Sie wird von verwickelterer Natur.

Hier ergibt sich also wieder ein Mittel zur Prüfung des Relativitätsprinzips, insoweit es die Gravitation betrifft. Burton[1] hat, indem er sich auf den Standpunkt Maxwells stellte, Pläne gemacht zu versuchen, aus dergleichen Beobachtungen die Geschwindigkeit des Sonnensystems relativ zum Äther abzuleiten. Er hat aber im voraus eine Schätzung des wahrscheinlichen Fehlers gemacht, welcher der aus jenen Beobachtungen abgeleiteten Geschwindigkeit relativ zum Äther eventuell zuzuschreiben sein wird, und findet diesen von derselben Größenordnung wie die relativen Geschwindigkeiten der Himmelskörper, was also die Entscheidung wieder erschwert. Man kann nur sagen, daß,


  1. C. V. Burton, The Sun’s motion with respect to the aether. Phil. Mag. (6) 19 (1910), S. 417. Vgl. auch H. A. Lorentz, am S. 19 zitierten Ort, W. de Sitter am S. 20 zitierten Ort.
Empfohlene Zitierweise:

Hendrik Antoon Lorentz: Das Relativitätsprinzip. B.G. Teubner, Leipzig und Berlin 1914, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Relativitaetsprinzip_(Lorentz).djvu/23&oldid=1474764 (Version vom 22.02.2011)