Seite:Relativitaetsprinzip (Lorentz).djvu/32

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Systems beiträgt, und zwar um so mehr, je größer ihre Energie ist, liegt nichts Geheimnisvolles. Sie erklärt sich aus dem Druck, den die Strahlen auf die Wände ausüben und der, wenn die Hülle eine beschleunigte Bewegung nach rechts hat, gegen die linke Wand größer ist als gegen die rechte.

Es verdient die Aufmerksamkeit, daß im allgemeinen Theorem nur von gleichzeitigen Änderungen der Energie und der Masse die Rede ist. Die Frage ist, ob man die Beziehung, die zwischen diesen Änderungen besteht, auch auf die Werte selbst dieser beiden Größen ausbreiten, und also allgemein ansetzen darf, daß

M=\frac{\varepsilon}{c^{2}}\,

ist. Hier entsteht eine Schwierigkeit wegen des Vorkommens einer unbestimmten Konstante in der Energie.

Einem Elektron oder einem materiellen Punkte würde im Ruhezustand die Energie mc^2\, zuerkannt werden müssen, und zwar würde die Beziehung zwischen M und \varepsilon\, (im Gegensatz zu der Beziehung zwischen \Delta M\, und \Delta\varepsilon\,) nur dann eine tiefere Bedeutung haben, wenn der Wert mc^2\, etwas mehr wäre als eine beliebig angenommene unbestimmte Konstante, wenn sie aus einer Vorstellung über die Natur der Teilchen abgeleitet werden könnte. Bei einem vollkommen harten und unveränderlich kugelförmigen Atom kann von letzterem keine Rede sein.

Etwas anders verhält es sich mit einem Elektron; dieses ist, wenn es ruht, von einem elektrischen Felde umringt und vergegenwärtigt also eine gewisse Energie. Berechnet man diese, so bekommt man aber nicht mc^2\,. Für ein kugelförmiges Elektron mit gleichmäßiger Oberflächenladung ist ja nach (35)

m=\frac{e^{2}}{6\pi c^{2}R},\,

während für die Energie des Feldes gefunden wird[1]

\frac{e^{2}}{8\pi R}.\,

Besteht die Beziehung \varepsilon = Mc^2\,, so muß innerhalb des Elektrons noch eine andere Energie existieren. Es liegt auf der Hand, dabei an die Spannungen zu denken, welche nach der Voraussetzung Poincarés im Elektron den abstoßenden Kräften, welche die elektrischen Oberflächenladungen aufeinander ausüben, das Gleichgewicht halten.[2] Diese Spannungen nützen uns aber nicht, weil denselben eine potentielle Energie mit einer unbestimmten Konstante entspricht.


  1. Man findet diesen Ausdruck leicht mit Hilfe von (30) aus einer Betrachtung des elektrostatischen Feldes um das ruhende Elektron.
  2. Vgl. H. A. Lorentz, Theory of Electrons, S. 214.
Empfohlene Zitierweise:

Hendrik Antoon Lorentz: Das Relativitätsprinzip. B.G. Teubner, Leipzig und Berlin 1914, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Relativitaetsprinzip_(Lorentz).djvu/32&oldid=1499318 (Version vom 27.02.2011)