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 XI

Manche, des Todes, entstand ruhig geordnete Regel,
weiterbezwingender Mensch, seit du im Jagen beharrst;
mehr doch als Falle und Netz, weiß ich dich, Streifen von Segel,
den man hinuntergehängt in den höhligen Karst.

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Leise ließ man dich ein, als wärst du ein Zeichen,

Frieden zu feiern. Doch dann: rang dich am Rande der Knecht,
– und, aus den Höhlen, die Nacht warf eine Handvoll von bleichen
taumelnden Tauben ins Licht … Aber auch das ist im Recht.

Fern von dem Schauenden sei jeglicher Hauch des Bedauerns,

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nicht nur vom Jäger allein, der, was sich zeitig erweist,

wachsam und handelnd vollzieht.

Töten ist eine Gestalt unseres wandernden Trauerns …
Rein ist im heiteren Geist,
was an uns selber geschieht.


Empfohlene Zitierweise:

Rainer Maria Rilke: Die Sonette an Orpheus. Insel-Verlag, Leipzig 1923, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Rilke_Die_Sonette_an_Orpheus_1923.djvu/44&oldid=1275804 (Version vom 18.10.2010)