Seite:Stoecker Zwei Reden.djvu/11

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Ehre, Macht und Genuß verspricht .... Daher dieser wahnsinnige Spekulationsgeist und dieses Streben, schnell reich zu werden auf Kosten Anderer. In allen Gebieten der Kunst ist Ebbe. Wir haben weder Dichter noch Maler, weder Bildhauer noch Musiker, noch Schauspieler von origineller und bleibender Bedeutung; was noch davon übrig ist, stirbt allmählig hin, ohne ersetzt zu werden. Woher sollten sie kommen in einer materialistischen, des geistigen Schwungs beraubten Welt? Das sind die Folgen des Atheismus und Materialismus, wie sie unbestreitbare Geschichte und Erfahrung uns erweisen?“

Die reformerische israelitische Wochenschrift findet es doch der Mühe werth, ihren Lesern den Vers vorzulegen:

Ueberall, wo es gilt zu sehen und zu hören,
Scheint die Zahl der Juden sich täglich zu mehren.
In Promenaden, Theatern, Concerten und Bällen,
Siehst du meist Juden in allen Fällen.
Willst du wo mehr Christen als Juden sehn,
Mußt du Freitag Abend in die neue Synagoge gehen.

„Ganz sicher ist es, daß in Berlin nicht ein Viertel, wahrscheinlich, daß kaum ein Zehntel der jüdischen Gymnasiasten und Realschüler, wenn sie über 13 Jahre alt sind, ein Wort von Religionslehre hören.“ Die Moralität bleibt auf den Satz beschränkt: „was das Strafgesetz nicht verbietet, oder der Strafrichter nicht erreichen kann, ist erlaubt, nützlich, klug.“ Diese jüdischen Stimmen datiren vom Jahre 1871; es ist heute noch viel schlechter geworden. Die Juden bekämpfen unseren Glauben, aber sie wissen ganz gut, daß der Mensch ohne Religion nicht sein kann. „Es wird so – heißt es bei einem Reformer – jenes edle Geschlecht erzogen, welches schon in den Kinderschuhen nach Lust und Geld, Geld und Lust lechzt und dann vom Jünglingsalter an dem goldenen Kalbe dient, buchstäblich als einzigen Gott den Mammon hat – Israels Namen und Gedächtniß dem Spotte, dem einzig verdienten Spott und Haß, preisgiebt. Erziehet weiter Juden ohne Judenthum, und Ihr

Empfohlene Zitierweise:

Adolf Stoecker: Das moderne Judenthum in Deutschland (Erste Rede). Wiegandt und Grieben, Berlin 1880, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Stoecker_Zwei_Reden.djvu/11&oldid=1423321 (Version vom 20.01.2011)