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Hier stellen wir unsere erste Forderung und bitten: ein klein wenig bescheidener! Wir leugnen nicht, daß Israel die Erkenntnis des persönlichen, einigen Gottes durch das Alterthum wie eine heilige Flamme getragen hat, bis Christus kam und den vollkommeneren Glauben, den reicheren Gottesbegriff und die höhere Wahrheit brachte. Aber es ist doch eine historische Thatsache, daß das Volk Israel immer und immer in den gröbsten Götzendienst zurückfiel, daß Gott nur durch die Sendung gewaltiger Persönlichkeiten den Abfall auf kurze Zeit dämpfen konnte. Israels Verdienst ist es wahrlich nicht, daß die Lehre von dem einigen Gott der Welt erhalten blieb, sondern Gottes Gnade. Ebenso ist es unzweifelhaft, daß die Gedanken der Religionsfreiheit, der Toleranz in dem modernen Sinne nicht zu dem Charakter des Alten Testaments gehören. Wer den Sabbath brach, wurde gesteinigt; die Baalspriester wurden geschlachtet. Es gehörte dies zu der Eigenthümlichkeit der gesetzlichen Anstalt; wir sind fern davon, dem Alten Testament daraus einen Vorwurf zu machen. Aber es ist doch durchaus irrig, wenn die Juden Ideen, die ihrer Religion in der historischen Form gänzlich unbekannt sind, für sich in Anspruch nehmen. Dabei wissen sie, daß sie eine Priesterkaste hatten – gewiß das Gegentheil der Gleichheit – daß sie die Sclaverei übten – gewiß das Gegentheil der Freiheit – daß sie die Vielweiberei pflegten – gewiß das Gegentheil idealen Familienlebens. Erst das germanisch-christliche Leben hat diesen Mißständen abgeholfen. Es ist |
Adolf Stoecker: Das moderne Judenthum in Deutschland (Erste Rede). Wiegandt und Grieben, Berlin 1880, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Stoecker_Zwei_Reden.djvu/8&oldid=1423335 (Version vom 20.01.2011)