Seite:Storm Der Schimmelreiter.djvu/21

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Mal; dann ging er aus der Thür; er wußte nicht, was er dem Jungen antworten sollte.




Auch als zu Ende October die Deicharbeit vorbei war, blieb der Gang nordwärts[1] nach dem Haf hinaus für Hauke Haien die beste Unterhaltung; den Allerheiligentag, um den herum die Aequinoctialstürme zu tosen pflegen, von dem wir sagen, daß Friesland ihn wohl beklagen mag, erwartete er, wie heut’ die Kinder das Christfest. Stand eine Springfluth bevor, so konnte man sicher sein, er lag trotz Sturm und Wetter weit draußen am Deiche mutterseelenallein; und wenn die Möven gackerten, wenn die Wasser gegen den Deich tobten und beim Zurückrollen ganze Fetzen von der Grasdecke mit ins Meer hinabrissen, dann hätte man Hauke’s zorniges Lachen hören können. „Ihr könnt nichts Rechtes,“ schrie er in den Lärm hinaus, „sowie die Menschen auch nichts können!“ Und endlich, oft im Finstern, trabte er aus der weiten Oede den Deich entlang nach Hause, bis seine aufgeschossene Gestalt die niedrige Thür unter seines Vaters Rohrdach erreicht hatte und darunter durch in das kleine Zimmer schlüpfte.


  1. Vorlage: westwärts, s. Druckfehler S. 223.
Empfohlene Zitierweise:

Theodor Storm:Der Schimmelreiter. Berlin: Gebrüder Paetel, 1888, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Storm_Der_Schimmelreiter.djvu/21&oldid=2050396 (Version vom 14.08.2013)