Seite:Zur Thermodynamik bewegter Systeme (Fortsetzung).djvu/8

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Ich habe in früheren, bereits mehrfach zitierten Arbeiten Energieinhalt und scheinbare Masse eines bewegten Hohlraumes zu berechnen versucht. Ich ging dabei von der Annahme einer (nach allen Richtungen) isotropen Verteilung der wahren Strahlung aus. Ein sich dabei ergebender scheinbarer Widerspruch mit dem zweiten Hauptsatze konnte durch zwei verschiedene Hypothesen gelöst werden. Entweder durch die Annahme einer Änderung des Emissionsvermögens des schwarzen Körpers oder durch die Hypothese einer Änderung der Dimensionen der Materie infolge der Bewegung. Ich habe mich auf das Studium der letzteren Hypothese beschränkt, jedoch ausdrücklich auch die Möglichkeit der ersteren Annahme hervorgehoben.[1] Die Isotropie der Verteilung der wahren Strahlung nahm ich an, damit die gegenseitige Zustrahlung zweier Elemente einander gleich sei. Stellt man sich, wie ich es tat, auf den Standpunkt der Lorentz’schen Kontraktionshypothese, so muß diese Annahme natürlich so modifiziert werden, daß die Isotropie der wahren Strahlung auf das verkürzte System Bezug hat. Ich habe diese Modifikation angedeutet,[2] mich jedoch darauf beschränkt, zu erwähnen, daß das von der Geschwindigkeit unabhängige Glied der scheinbaren Masse dadurch nicht berührt wird. Es geschah dies aus dem Grunde, daß mir damals kein Weg zur Berechnung des Emissionsvermögens des schwarzen Körpers als Funktion der Geschwindigkeit bekannt war, ich mich also auf das erste Glied der betreffenden Entwicklungen beschränken mußte. Diese Lücke ist seither durch die Arbeit des Herrn v. Mosengeil ausgefüllt worden. Dadurch und durch den glücklichen Gedanken desselben Autors, eine Änderung der Temperatur mit der Geschwindigkeit anzunehmen, ist es möglich geworden, die Vorgänge im bewegten Hohlraum eindeutig festzustellen. Ich habe dies im § 9 der vorliegenden Arbeit, vom Begriffe der wahren Strahlung ausgehend, getan; man kommt dann auch so zu denselben Resultaten wie Herr v. Mosengeil.

  1. Wenn also Herr v. Mosengeil am Schlusse seiner Arbeit sagt, ich hätte die Dimensionsänderung für nötig gehalten, so beruht dies auf einem Mißverständnis.
  2. Ann. d. Phys. (4), 15, p. 350 (1904).
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Hasenöhrl: Zur Thermodynamik bewegter Systeme (Fortsetzung). Wien: Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, 1908, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zur_Thermodynamik_bewegter_Systeme_(Fortsetzung).djvu/8&oldid=1503571 (Version vom 4.03.2011)