St. Ottilien (Schnezler)
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St. Ottilien
In eurem Schatten ist mir wieder leicht, 5
Ich sitze wieder auf der alten Bank,Vor mir die Schale Milch zum Morgentrank, 10
Zum Himmelsfrieden aus dem Weltgewühle,Und nieder steig’ ich zu dem Wunderquell 15
Zurückversetzt bin ich in ferne Tage,Lebendig wird mir dieser Berge Sage. 20
Ringsum nur Wald, dicht von Gesträuch durchwundenIch höre keinen Laut, als nur ganz weit 25
Und eine holde Jungfrau stürzt hervor,Scheu wie ein Reh und bleich wie eine Lilie, 30
Die wunden Füße tragen mich nicht mehr;O rette mich vor dem verhaßten Freier 35
„Hier ist sie!“ ruft es roh von Mund zu Mund,„Das scheue Bräutchen kann nicht mehr entspringen!“ 40
Schließt sich der Felsen wieder vor der Rotte,
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Ein Jeder wäscht die trüben Augen klar,Und fühlt sich umgewandelt wunderbar; 50
Und strahlte durch die Träume meiner Kindheit,Wohl mancher Pilger wusch die Augen hier, 55
Und geht im Wald, auf dichtverwachsnen WegenDem morgenrothen Gipfel froh entgegen. A. Schzlr.
(Die Ottilien-Sage ist noch von Mehreren bearbeitet, u. A. von K. Simrock, Benedticte Raubert und Adolf Stöber. Siehe des Letzteren „Gedichte.“ Hannover, 1845. Hahn.) |
- ↑ Dieser Quelle wird eine augenheilende Kraft zugeschrieben.
