Th. Jablonski: Allgemeines Lexicon: Vorbericht
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Vorbericht
Die Mode herrschet unter den Büchern nicht minder wie unter allen übrigen in dem menschlichen Umgange vorkommenden Dingen, und wer in den Buchladen nicht gar ein Fremdling ist, kan den Beweiß aus eigener Erfahrung hernehmen. Allein bey dem vor Händen habenden Werck zu bleiben, so ist genugsam bekannt, was für einen allgemeinen Beyfall und Belieben, die unterschiedlichen Lexica gefunden, so über mancherley besondere Wissenschafften, Künste und Handthierungen in Teutschland und anderswo verfertiget worden. Der bequeme [1] Gebrauch derselben, indem sie ohne Mühe finden lassen, was man suchet, hat sie angenehm gemacht, und der Nutz, weil sie in einer Kürtze lehren, was man zu wissen verlanget, hat ihren Gebrauch angepriesen.
Eben dieses hat auch zu gegenwärtigem Werck Anlaß gegeben, so daß der Verfasser der Mühe, sein Unternehmen zu rechtfertigen, sich wol überheben kan, und bloß von der Art und Weise, wie er dasselbe auszuführen ihm vorgesetzet, zum Dienst des geneigten Lesers, Nachricht zu geben, für nöthig erachtet.
Die Beschreibung der natürlichen Dinge ist man beflissen gewesen, also zu fassen, daß zuförderst das Wesen und die vornehmsten Eigenschafften eines jeden derselben kurtz und deutlich vorgestellet, so dann ihr bekannter, es sey gemeiner oder beson- [(2)] derer Nutz und Gebrauch angezeiget, folgends die dabey etwa beobachtete Seltenheiten nicht vorbey gelassen, und zuletzt eine lehrreiche Anmerckung oder geheime Deutung, wo sie statt gefunden, hinzugesetzet worden.
So viel die Wissenschafften betrifft, hat man die Theologie, imgleichen die Historie, Geographie und Genealogie, mit dem was dahin eigentlich gehöret, als welche besonderer Abhandlungen werth, und darin vorhin andere geschickte Männer ihren Fleiß der Welt rühmlich dargeleget, an die Seite gesetzet: bey den übrigen aber das Absehen dahin gerichtet, daß die Art und der Zweck derselben, und einer jeden besonders angedeutet, dasjenige, womit sie eigentlich umgehen, und wozu sie dienen, bemercket, die Mittel, wie sie zu erlernen, gezeiget, und also ein wo nicht ausführlicher doch gründlicher Begriff und Vorstellung davon gegeben werde.
Unter den Wörtern, so in dem täglichen Umgange unter allerley Weltgeschäfften, von Kriegs- und Friedens-Händeln, am Hof, bey der Armee, und in der Stadt, in Raths- Gerichts- und Kauf-Häusern, beym Land-Feld und Garten-Bau, bey der Seefahrt, ritterlichen und anderen Ubungen, u.s.w. so dann bey Künsten und Handwercken, oder auch in den Zeitungen, vorkommen, hat man insonderheit diejenigen herfür gezogen, da die Sache selbst eine Beschreib- oder Erläuterung erfordert, diejenigen aber, da es bloß auf die Bedeutung des Worts ankömmt, und die offt ohne Noth aus fremden Sprachen übernommen werden, den gemeinen Wörter-Büchern überlassen wollen. [(3)]
Wo ein Teutsches Wort auf Lateinisch oder Frantzösisch hat gegeben werden können, sind solche Benennungen hinzugesetzet worden, damit der Gebrauch des Buchs allgemeiner, und auch denen gedienet werde, die in solchen Sprachen etwas antreffen, darüber sie gerne unterrichtet wären.
Die Autoren, derer man sich bey Verfassung des Wercks vornemlich bedienet, hat man nicht nur an jedem Orte angezeiget, sondern auch ein besonderes Verzeichniß ihrer Wercke hie angehänget, damit diejenigen, so ein mehrers nachzulesen verlangen, so gleich sehen, wo sie ihr Genüge finden mögen. Um deswillen sind durchgehends gemeine Bücher, und die in jedermans Händen herum gehen, eingeführt, wiewol in dem Wercke selbst noch viele, so nicht in die Verzeichniß gekommen, angezogen worden.
Die Menge und Vielfältigkeit der Materien, und die Entlegenheit der Druckerey, so dem Verfasser nicht verstattet, weder das Werck auf einmal gantz beysammen zu sehen, noch auf den Druck selbst acht zu geben, haben ein und andere Fehler nach sich gezogen, die doch hoffentlich so beschaffen, daß sie einen aufmercksamen Leser nicht leicht irren, und er in Betrachtung der allgemeinen Fehlsamkeit, so der menschlichen Schwachheit anhänget, geneigt zu entschuldigen belieben wird, allermaßen ihn hierum geziemend zu ersuchen, man nicht umgehen sollen.
Man wird sich glücklich achten, wenn die geringschätzige Arbeit gewogene Leser wird angetroffen haben, und wünschet, daß sie vielen zum Dienst und Wohlgefallen seyn mögen.
[Bearbeiten] Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ WS: korrigiert aus beqveme
