Theodor Körner’s erstes Gedicht
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[639] Theodor Körner’s erstes Gedicht. Das Bild des männlich-kühnen fromm-vertrauensvollen Freiheitskämpfers, Theodor Körner’s Bild, wurde uns in den ersten Stunden des 26. August auf die erhebendste Weise durch die eigenen Worte des einzigen Dichterhelden vorgeführt. „Ahnungsgrauend“ sehen wir ihn mit hehrer Heldenbegeisterung „der ersehnten Freiheit Seligkeit“, dem Tode, entgegeneilen. Dem Heldentode gelten seine letzten dichterischen Herzensergießungen. Eigenthümlich – auch des Knaben erstes dichterisches Wort ist „an den Tod“ gerichtet, an den Tod, der ihm in den frühen Jugendtagen oft nahe getreten. Des Knaben Theodor Lehrer, Candidat Körner, durfte nach langer Unterbrechung, die Krankheit veranlaßt hatte, seinem lieben, noch nicht zwölf Jahre alten Schüler auf’s Neue Unterricht ertheilen. Eine recht zeitgemäße Aufgabe dünkte dem Lehrer die zu sein, Theodor aufzufordern, die Gedanken niederzuschreiben, welche ihn während so schwerer Krankheit beschäftiget hätten. Der kaum genesene, sich seiner Gesundheit erfreuende Knabe löste die Aufgabe mit leichtem Sinne und keckem Uebermuthe in dichterischer Weise, wohl angeregt durch viele Gedichte, die im Elternhause an seinem Ohr vorübergegangen waren. Er dichtete, wie Kinder dichten, die den Reim als das einzige Merkmal des Gedichtes kennen. An den Todt! 5
Auf Erden gefällt mir es noch sehr,Das versichre ich Dir, auf meine Ehr. 10
Und man zum Fallen kömt aus den Stehen.Hier kann man doch Leckerbissen bekommen, 15
Mir gefällt’s auf Erden besser,Denn dort oben ist es feuchter und nässer, 20
Dazu soll mich niemand verführen,Daß ich so mein Erdenloß 25
Ich trink noch nicht das Todten Glas,Ich empfele mich Ihnen also Herr Vielfraß.
Dr. Herm. Langer.
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