Topographia Braunschweig Lüneburg: Eimbeck

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
 
Wechseln zu: Navigation, Suche
Topographia Germaniae
Eimbeck (heute: Einbeck)
<<<Vorheriger
Ehrenburg
Nächster>>>
Elbingeroda
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 77–79.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Einbeck in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[T28]
Eimbeck (Merian).jpg
[77]
Eimbeck.

Ist die Haupt-Statt deß Fürstenthumbs Grubenhagen / soll / wie Johannes Letznerus in seiner Dasselischen Chronick im 6. Buch am 2. Theil Cap. 1. schreibet / ihren Nahmen daher bekommen haben / weiln die vielen vnd nahmhafftigen Brunnquellen / Bäche vnd Flüsse / so gegen Auffgang der Sonnen auß dem Sollinger Walde / Ellfast / vnd andern vmbligenden hohen Gebürgen / herfliessen / neben vnd bey dieser Statt in eine Bach oder Beck (wie die Nieder-Sachsen reden) zusammen kommen / deren Vrsprung vnd Anfang ist dahero veranlasset / nach dem an dem Orte / woselbsten jetzo die Stifftskirche S. Alexandri stehet / eine Capelle in honorem deß heiligen Bluts gebawet gewesen / vnd alltägliche grosse vnd viele Wallfahrten von frembden Orten dahin gangen / hat man / damit die Frembden vnd Pilgere Herberge vnd Lebens-Vnterhaltung an Essen vnd Trincken finden möchten / daselbst zu bawen angefangen / vnd ist der Anfang dieser Statt die Münsterstrasse gewesen / die auch endlich biß an das Brodhauß außgeführet worden / Allermassen dann an dem Ort / woselbst jetzo das Brodhauß gebawet / ein Thor / welches das Speckthor genennet worden / gestanden / vnd ist damals Eimbeck ein Flecken gewesen / wie dann auch die Ruhe-Graffen zu Dassel / als welche die Eigenthumbs Herren damals dieser Statt gewesen / für dem Flecken Eimbeck / an dem Ort / da jetzo die Marckkirche vnd hoher Thurn stehen / eine Capellen in honorem D. Jacobi, vnd dabey ein Schloß gebawet / vnd findet sich Nachricht / daß allbereit Anno 797. die Ruhegraffen daselbst gewohnet.

Nachgehends ist nicht allein wegen Zulauffs der Wallbrüder vnd Pilgrimmen / sondern auch daß die benachbarte Dörffer / als Diedepen / Kunhausen / Beesen / vnd Oldendorff in die Statt gerücket / dieselbe zu erst nach dem Dideper vnd Osterthor / nachgehends auch auff der Newstatt derogestalt gebawet / daß endlich die Statt in ihrer Circumferentz / wie sie jetzo stehet / gebracht / zu erst mit einer Mauren / nachgehends auch mit den Wällen befestiget / vnd verwahret worden.

Die gegend anreichend / so ist dieselbe nach Norden werts nicht weit von einem fast hohen Berge / die Hueffe ins gemein genant / belegen / nach dem Osten ist das Fürstl. Ampthauß vnd alte Schloß Saltz der Helden / gegen Mittag das Fürstliche Ampthauß Rotenkirchen / gegen Abend aber das Stifft Hildesheimbsche Ampthauß Hundesrück / vnd das Fürstl. Schloß die Erichsburg genant / so mit Graben vnd Wällen vmbgeben.

Der Vmbkreiß der Statt ist so groß / daß man dieselbige in einer grossen Stunde auff dem Walle vmbher begehen kan / hat fünff Thore / nemblich das Oster / Oldendorper / [78] Bender / Hulderse / vnd Tiedeper Thor / Sie ist mit einem zimblichen hohen starcken Walle / gedoppelten Graben / vnd einer guten Maur / jedes Thor auch mit einem Ravelin versehen.

Bey der Statt fliessen her zween Bäche / so zwar an sich selber klein vnd geringe / können sich jedoch / wann starcke Regen fallen / oder der Schnee in dem Gebürge loß gehet / vnglaublich ergiessen / deren einer in dem nechstgelegenen Walde / dem Solling / der ander aber in dem Hilfe entspringet / von welchem jener die Ilmede / dieser aber das krumme Wasser genennet wird.

In der Statt sind drey Kirchen / die eine S. Jacobi genant / mitten in der Statt / an dem Marckte / die andere S. Mariae Magdalenae, auff der Newstatt / die dritte S. Alexandri, auff der Fürstl. Freyheit belegn ist.

Das Rahthauß stehet am Marckte / nicht weit von der Kirchen S. Jacobi.

Das Statt-Regiment belangend / ist dasselbe vor wenig Jahren folgender gestalt gefasset / es bestehet nemblich der gantze Raht in zwantzig Personen / nemblich zween Bürgermeistern / acht Cämmerern / vier Riedemeistern / zween Stattvoigten / vnd vier Richteherren / von welchen allemahl die helffte die Regimentsverwaltung haben / vnd alljährlich post Trium Regum abgewechselt werden.

Die gantze Bürgerschafft ist in gewisse Gilden vnd Zünfften vertheilet / deren dann zehen an der Zahl seynd.

Die gemeine Statt Schule / so in anno 1610. von grund auff / von lauteren Steinen in die höhe geführet / vnd auff der Newstatt / nahe bey der Kirchen daselbst / ist gar ein schön Gebäwde / vnd werden zu Informirung der lieben Jugend / nebenst einem Rectore, noch fünff andere Collegen vom Rahte vnterhalten.

Der Einwohner dieser Statt vornehmste Nahrung / ist vor Jahren in dem Brauwerck bestanden / gestalt das Eimbeckische Bier damals in grossem Werth gehalten / vnd weit vnd breit verfohren worden / hat aber nunmehr / vnter anderm / auch nachdem der Bröyhan auffkommen / mercklichen Abgang genommen. Nebenst dem nehren sich auch die vornehmen alten Geschlechter ihrer Feldgüter vnd Ackerbawes / Es liget aber die der Statt vnd Bürgerschafft zuständige Länderey theils nahe / theils ferne davon / vnd ist auch deß Boden Gütigkeit in einem Felde viel besser vnd außträglicher / als in dem andern / Ist vor diesem / wegen vieler vor der Statt belegener fruchtbarer Gärten / wie dieselbe noch in gutem Stande / vnd mit allerhand herrlichen Bäumen besetzet gewesen / (so aber bey den leidigen Kriegesjahren gar verwüstet / alle Bäume abgehawen worden) gar ein lustiger Ort gewesen. Die übrige Bürgerschafft treibet auch durch Kauffmanschafft / allerley Handwercke / vnd sonsten / gleich in andern Stätten geschicht / ihre Nahrung.

Sonsten seyn dieser Statt auch verschiedene Vnglücksfälle / insonderheit durch entstandene Fewersbrunsten zugestossen / gestalt dann dieselbe durch einen darzu erkaufften Mordbrenner / in anno 1540. an vnterschiedenen vielen Orten angeleget / vnd totaliter eingeäschert worden / vnd ein mehrers nicht / als ein klein Häußlein / nicht weit von dem Walle / in welchem ein vnsinniger Mensch gesessen / stehen blieben.

Anno 1549. ist sie aber eins halb in die Asche geleget worden.

Im Jahr 1632. bey dem letzten Kriegswesen / ist der General Graff von Pappenheim / mit seiner bey sich habenden Armee / vor die Statt gerücket / vnd weil sie sich mit gnugsamer Besatzung bey zeiten nicht versehen gehabt / hat er sich derselben / durch getroffenen Accord / bemächtiget / vnd seine Besatzung hinein geleget / welche über ein halb Jahr darin verblieben / endlich aber außgezogen / vnd die Statt verlassen. Als aber im Jahr 1641. die Keyserl. Armee / vnterm Commando deß Herrn Ertzhertzogen Leopold Wilhelmen zu Oesterreich / vnd Grafen Piccolomini / dabey auch die Chur-Bäyerische Armee / vnter dem General Wahl gewesen / sich den Hertzogthümbern Braunschweig Lüneburg [79] genähert / haben hochbemeltes Herrn Ertzhertzogen Fürstl. Durchl. die Statt Eimbeck am 7. Octobris berannt / mit Approchen vnd Batterien vmbgeben / mit Stücken hefftig beschossen / ihr das Mühl- vnd Brunnenwasser genommen / vnd sie mit Sturm vnd Fewr hart angegriffen. Wiewol sich nun die Bürgerschafft / vnd darin gelegene Soldaten / anfangs zur Wehr gesetzet / vnd dem Feinde guten Widerstand gethan / so ist doch darauff erfolget / daß der General Piccolomini den 12. ejusdem, über 80. brennende Fewrkugln vnd Granaten in die Statt / an verschiedene Oerter werffen lassen / die eine solche Fewrsbrunst verursachet / daß über die 300. Gebäwde / worunter 200. Wohnhäuser / zu grunde abgebrant / vnd in die Asche gelegt worden. Als nun dadurch bey männiglichen grosse Bestürtzung entstanden / haben deß Herrn Ertzhertzogen Hochfürstl. Durchl. folgenden Tags einen Trompeter an den Commendanten / Gottfried Friederichen von Gürtschen / Majorn / geschicket / vnd denselben zum Accord vnd Vbergab / mit Bedrohung / auff den widrigen fall die Statt ferner einzuäschern / vnd keines Menschen darin zu verschonen / anermahnet. Da dann der Commendant vnd Bürgerschafft sothaner Gewalt vnd Fewreinwerffens weiter zu widerstehen / sich nicht getrawet / sondern der Commendant vmb Stillstand der Waffen / vnd Geissel angesuchet / worinn ihm auch gewillfahret / der Accord geschlossen / die Keyserl. Völcker ein- vnd die Fürstl. Braunschweig-Lüneburgische Besatzung herauß gezogen / vnd nacher Hameln convoyiret worden / worselbst der gewesene Commendant vor das Kriegsrecht gestellet / vnd weil befunden / daß er seine Schuldigkeit nicht gnugsam erwiesen / auff Erkantnuß / vnd gefelletes Vrthel deß Kriegsrechts / enthauptet worden. Im Jahr 1643. ist die Keyserliche Besatzung / auff getroffenen Vergleich / auß der Statt Eimbeck wieder abgezogen / vnd dieselbe in ihres Landesfürsten Hände dadurch wieder gerahten.


Persönliche Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge