Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Cüstrin
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Cüstrin /
Diese Churfürstliche Brandeburgische Vestung in der Neuen-Marck gelegen / ist in die Vierung / doch etwas überlängt / gebauet / und hat fünff Pasteyen / an jeder Eck eine / mit ihren Flügeln / und Casamaten / vnd die fünffte an der einen langen Seiten / da das Land am nächsten / zwischen beeden Eckpasteyen mitten innen / sampt einem Cavalier: An der andern langen seiten gegen der Oder / hat die lange Gerade Mauer etliche Absätz / an statt der Streichwehren zu gebrauchen. Und ist solche Vestung durchauß auff Pfälen und Röst in das Moraß gesetzt / von lauter gebackenen Steinen auffgemauret / inwendig unter dem Wall alles gewölbet / und hat seine sondere Schußlöcher. Solche gewölbte Wehren seynd mit sonderm Vortheil gebauet; dann sie nicht allein ihre Dampff-Löcher durch den Wall oben hinauß haben; [43] sondern seynd mehrertheils / und sonderlich bey der Pastey / da das Cavalier überzwerch auffstehet / gegen der Vestung hineinwerts offen / damit / da der Rauch oben nicht hinauß wolte / doch ein Weg / als den andern / sie / durch solch Mittel Lufft haben könten. Und seynd sonderlich die Mauren außwendig herumber mit guten Pfälen und Tüllen darhinder versehen / damit solch Gemäuer vor stätigem Anschlagen deß Wassers / so wol auch wegen der Verfrierung / und Eyßschämel verwahrt bleibe. So hat es auch in dieser Vestung 3. herrliche Zeughäuser / deren das eine bey die 700. Schuch lang / so unten mit munition / oben auf mit Getreyd / und Speck / die Keller aber mit Bier / versorget werden. Wann man von Mittag / oder von Franckfurt an der Oder (so 3. Meilen von hinnen gelegen) hieher reisen will / muß man über 37. Brucken / und deßhalben solcher Weg wol eine Maußfallen mag genandt werden. Und da man über das Moraß kompt / laufft zu nechst an der Vestung Cüstrin / der starcke Oderstrom fürüber. Wann man dann zum andern Thor wieder hinauß will / muß man zum wenigsten auch über 7. Brucken reisen / obwol der Moraß am selbigen Orth am schmälsten ist. Es ligt sonsten Cüstrin gar eben / hat einen herrlichen grossen Platz zur Musterung / hübsche Häuser in der Stadt / und ein feines Volck wie dann die Burgerschafft wol abgericht ist / und / neben den Soldaten / die Wachten versehen thut. Der schöne Fürstliche Pallast / so mit hübschen breiten Gräben umbgeben / hat inwendig zum Theil hübsche gemahlte Zimmer / einen grossen Saal / und sonderlich die Neuerbaute Churf. Zimmer. Man hat vor diesem in dem langen Zeughauß 150. grosse Stück Geschütz schön außgebutzt / und unter solchen 21. Carthaunen / doppel Carthaunen und Feldschlangen / alles von Metall gezehlet. So waren auch da etliche Feuermörser auf vier Rädern. Sonsten hatte auch die Vestung an andern Sachen / als 31. Handmülen / Rüstwägen / und dergleichen / keinen Mangel; und / sonders Zweifels noch. Und wird solche für unüberwindlich gehalten. Marggraff Hans von Brandeburg / der Anno 1571. gestorben / hat sie / nach dem sie über 200. Jahr hero eine Stadt gewesen / bevestiget: Von ihr setzet Johan Angel. à Werdenhagen in Antegressu part. 4. Rer. Hans. p. 373. folgende Verß: Ipsa licet cunctas adducat Thracia vires, Und diese Vestung ist auch in dem nächsten Teutschen Krieg erhalten worden: wiewol An. 1640. die Schwedische vor den Damm bey Cüstrin sich legten / und diese Vestung so hart ängstigten / daß sie viel für verloren hielten / wie in tomo quarto Theatri Europaei fol. 249. col. 1. stehet. Demnach uns von vertrauter Hand auch eine andere Beschreibung jetztgedachter Vestung zukommen / haben wir solche dem günstigen Leser gleichfals hiemit communiciren wollen. Cüstrin ist vor etlich hundert Jahren ein Städtlein gewesen / wie solches ihre alte Privilegien beweisen / hat zur Vorstadt ein Fischerdorff / der Kietz genandt / gehabt / und ist diß Städtlein und Kietz / eben in dem Ecke / da der Oderstrom und die Fischreiche Warte zusammen fliessen / gelegen gewesen. Als nun Marggraf Hans zu Brandenburg auß den Kriegen / darin er dem Käyser und Könige von Hispanien Carolo V. gedienet / kommen / hat er bey sich bedacht wie viel in Kriegszeit an den Strömen gelegen / wie sie Freund und Feind zu seinem Vortheil gebrauchen könne / und derhalben die Vestung anno 1537. an / und den Kietz über die Oder geleget. Sie ist erst von Erden auffgebauet worden / weil aber die erdene Wercke / wegen des grossen Gewässers / so alda Jährlich in die neun Monat zu verharren / und nur im Sommer zufallen / ja auch offt im Sommer / ehe man sichs [44] versiehet / zu ergiessen pflegt / grossen Schaden erlitten / hat er endlich alles von aussen mit Mauersteinen mauren lassen / die Fundament so starck angeleget / daß die Brustwehren oben in die 15. und 16. Werckschuch dick seynd: der Bolwercke gegen das Land seynd fünffe / alle groß und hoch gebauet / daß sie mit Leitern unmüglich oder schwerlich zu besteigen. Gegen die Oder seynd tenaillen; die Bollwerck haben rund umb contramines, und seynd mit Casamatten versehen; auff zween Bollwercken stehen hohe gemaurte Cavallier, oder Katzen / insonderheit auff dem einen nach der Neuen-Marck / ist das Cavallier so groß / daß noch eines darauff gebauet / auch in zimlicher Grösse / also daß auff dem Bollwerck vier Streichen übereinander kommen / nemlich die erste auß der Casamatten, die ander vom Wall / die dritte von der untern Katzen / und die vierdte von der Obern Katzen / und auff zween Bollwercken seynd zween Windmühlen gebauet / die auch schwerlich von weitem zu verderben seyn; sonst seynd auch auf allen Spitzen der Bollwercke Pulver Thürne; die Graben seind alle lebendig Wasser / dann auff einer Seiten fleusset die Oder / in welcher man eigentlich das Wartewasser vom Oderwasser unterscheiden kan / dann an der Vestung ist das Wartewasser schwartz / und an dem andern Ufer das Oderwasser gelblicht weiß. Auf der andern Seite ist die Warte zwiefältig / im Winter / wann die Graben einmal geeyset seynd / so frieren sie nicht leichtlich wieder zu; die Oder hat trübsandigen Grund und die Warte ist morastig / scheinet bißweilen untieff / weil die Oder jeweils etwas Sand außwirffet auff den Moraß / aber wann man mit einer Stangen darein sticht / so befindt man das Gegenspiel / das Wasser ist unmüglich zu benehmen. Man kan bey truckener Zeit und kleinem Wasser bißweilen etliche Brücken umbfahren / wann man in die Vestung will / aber ins gemein muß man von Franckfurt her / über einen Tham / der drey vierthel Meilen lang ist / und 36. grosse und kleine Brücken biß an die Vestung hat / ziehen; Nach der Neu-Märckischen Seiten zu / ist der Tham nicht so lang / und seynd auf demselben biß an die Vestung nur sieben Brücken; die lange Brücke über die Oder ist 400. Schritt lang / dafür lieget auch eine gute wolerbaute Schantze / so gegen der Vestung offen / und Churfürst George Wilhelm bauen lassen; sonsten seynd auch umb die Vestung gute Aussenwercke / alles mit Thoren / Zugbrücken / Schlagbäumen und corps-des-gardes wol versehen. Die Wiesen herumb lauffen mit grossem Wasser gantz über / und gegen das Sternbergische Land / ist in die anderthalb Meilen breit / Wasser / Moraß / Schilf und Gesträuche / und von der Seiten zu der Vestung nicht zugelangen. Inwendig hat sie drey stattliche Zeughäuser / derer das gröste in die dreyhundert Schritt lang ist und seynd solche alle gantz voll grosser und kleiner Stücke und Feuer-Mörsel / Kugel und dergleichen / was zum Feld zugehöret / haben noch zween Bödemen über sich / die sind mit Mußqueten / Röhren / langen Spiessen / Handmühlen und dergleichen versehen; und obwol bey wehrendem langen Kriege die Zeughäuser auff die Helffte ledig worden / so hat doch dieser regierender Churfürst Friderich Wilhelm solches alles wieder ersetzet / und erfüllet / wie auch alle zerfallen Wercke / Gebäude und Schellungen repariren / und noch mehr darzu bauen lassen. Es seynd auch drinnen drey grosse lange / von etlichen Gaden hoch / Kornbödeme / die auch mit allerhand Getreyde wol versehen seynd / will geschweigen deß Holtzgewölbes / Speckhauses / Werckhauses / darin die affuyten zun Stücken und Stückenräder gemachet werden / Zeugschmiede / stadtlich Gewölbe / Schiffmühlen / Mengde der Schiffe / Gießhauses und dergleichen. Auch hat immer eine starcke Quarnison von 1000. wolgeübten Soldaten / darunter Zeugwarter und Büchsenmeisten (ohne die Bürgerschafft) gerechnet / darinnen gelegen / derer Obrister und Gouverneur in die 13. Jahr gewesen Conrad von Burgsdorf / Churf. Durchl. Ober-Cammerherr / weil Er aber meistentheils bey Ihr. Churfürstl. Durchl. ist / seynd in seinem Abwesen alda der Obriste Lieutenant / Balthaser von der Marwitz / der Obriste Wachtmeister Jacob Holst / und andere Hauptleuthe und Befehlichshaber bey ihnen / so alte und erfahrne Kriegsleute seyn / die dann sampt ihren Vorfahren die Vestung also bewahret / daß [45] nechst GOttes Hülffe sie in keines Feindes Gewalt gerathen / sondern biß auff diese Stunde dem Churfürsten von Brandenburg verblieben. Ob zwar der König von Schweden sich Anno 1631. gestellet / als wolte er sie belägern / hat er doch davon abgelassen; Seynd auch sonsten viel Anschläge / so darauf gemacht / alle vergeblich gewesen. Ist also die Vestung wegen Gelegenheit deß Orths wol gelegen / mit Wällen / Mauren / Graben / Gebäuden / Geschütz / Munition, Proviant / und dergleichen / auch mit Soldaten wol versehen / darauß auch die andern Vestungen / als Peitze / Spandau / Driesen / Oberberg und alle feste Oerther / mit Stücken und Munition, ja die gantze Armee / so Ihr, Churfürstl. Durchl. in wehrendem Kriege gehalten / versorget worden. Dann hat sie auch ein wolgebautes Fürstliches Schloß / so inwendig einen gevierdten Platz / und außwendig gegen der Stadt / einen gefütterten doch nassen Graben hat / der halbe Theil deß Schlosses / so das alte Gebäude ist / hat Marggraf Hans / das ander neue Theil Churfürst Joachim Friderich gebauet / es seynd auch zween Kirchen drinnen / die gröste bey dem Schlosse ist fein gebauet / und in derselben ein Fürstlich Begräbnuß / die ander ist klein / und stehet am Wall. Die Häuser seynd zimlich wol gebauet / insonderheit aber ist der Marckt schön und groß / dergleichen nicht viel in der Chur-Brandenburg vorhanden. Ausser dem Rath und der Bürgerschaft ist die Neu-Märckische Regierung drinnen gelegen / auch die Neu-Märckische Ampts-Kammer in derselben zu finden. |