Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae: Passewalck
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Passewalck / Passewalck /
Diese Stadt ligt an den Gräntzen deß Pommerlands / zu welchem sie noch gehöret / zwischen Prentzlow / und Trogelow / an der Ucker / auff welchem Fluß auch die Burger ihre Wahren ins grosse Haff / und von dannen ferner in die See führen können; sub latit. 53. 29. et longit. 38. 30. hiesse vorzeiten Pozdewalck. Die Pommerische Chronicken beschreiben sie also / sagt Micraelius lib. 6. p. 598. daß sie groß umbgriffen sey / und weite Gassen / wie auch zwo Pfarrkirchen / als S. Marien / und S. Niclaß / nebenst der Kirchen zum H. Geist / und S. Jürgen / und ein Kloster habe / und daß das Volck drinn dem Fürsten getreu seye / und viel erlitten habe / damit sie bey dem Lande zu Pommern bleiben möchten; wie auch / daß sie ein gut Bier brauen / so Pasenelle heisset / und das man hin und wieder führet. Drumb schreibet auch Seccervitius von ihr: Fertile Paswalcum, succos cui traditigni Es ist ein Schöppenstul in dieser Stadt / wie auch eine Praepositur von zehen Pfarren. Hält 3. Märckte / als Donnerstags nach Invocavit / auff Exaudi / und Dionysij. Sie führet im Schilde 3. Greifsköpffe / und über dem Helm 3. Greiffsklauen. Das Gericht / oder Schöppenstul / führet auch zween Greiffsköpffe. Ist umbs 1128. und folgende etliche Jahr / zum Christlichen Glauben bekehrt worden / durch den Priester Stanißlaum / den der Bischoff Otto von Bamberg / der Pommern Apostel / so Anno 1139. gestorben / dahin geschicket hat; Als der alte Brandeburgische Stamm im Jahr 1322. abgienge / so hat sich Hertzog Otto von Stetin an Pasewalck / und die Uckermarck machen wollen / weil solche Oerther vorzeiten Pommerisch gewesen / und von Hertzog Barnimb dem Ersten / als ein Brautschatz der Marck gegeben waren. Aber da ward Hertzog Heinrich von Mechelenburg / den man den Löwen nennet / ??? fertig / und nam / als ein Eyd am Churfürst Waldemars von Brandeburg solche Oerther hinweg / und wolte sie für sich behalten. Das wolten nun die Hertzoge in Pommern Otto / und Wartislaus IV. nicht leiden / kamen mit einem ansehnlichen Heer wider die Mechelenburger auff den Platz / jageten sie aus Prentzlow / und Pasewalck / auch dem gantzen umbligenden Uckerlande / und brachten solche Oerther in ihre Gewalt. Folgends / als Käysers Ludovici IV. Sohn Ludwig die Marck bekam / wurden ihme diese Städte wieder zugestellet: Die aber Hertzog Barnimb aus Pommern / als sich ein Müller für den verstorbnen Churfürst Waldemar außgab / Anno 1345. wider eroberte. Da aber gedachter Müller gestorben / da haben sich Chur-Sachsen und Anhalt / als nächste Vettern / an die Marck gemacht / und unter andern auch Pasewal / und Prentzlow / eingenommen; deßwegen sich Hertzog Barnimb / mit Marggraf Ludwig dem Römer / in der Güte vertruge / und folgends im Jahr 1354. vor Pasewalck ruckte / und solche Stadt / die hinfort immerdar Pommerisch gebliben / gewanne. Es hat zwar in Ann. 1359. wider Streit geben / und hat sich besagter Marggraff für Pasewalck gelagert; ist aber von den Pommeren mit Macht von dannen gehoben / und endlich die Sach verglichen worden / daß Pasewalck / [79] nebenst Alt und Neu Torgelow / ewiglich den Hertzogen aus Pommern verbleiben solte / biß ihnen 13. tausend Marck lötiges Silbers erleget würden. Im Jahr 1445. unterstund sich Churfürst Friederich von Brandeburg / die Stadt Pasewalck / und das Schloß Torgelow / mit Gewalt an sich zu bringen; konte aber denen nichts angewinnen. Endlich wäre Pasewalck fast durch Verrätherey übergangen. Dann es waren 2. Einwohner daselbst auß der Marck bürtig / die Langshälse genant / die vergruben ihre Barschafft / und was ihnen lieb war / und zündeten eben umb die Zeit ihre Häuser an / da der Feind draussen stürmete. Da musten nun die Burger das Feuer löschen / die Fürsten aber / und Kriegsvolck / die Wäll und Mauren / verthedigen. Der Feind bekam im Anfang / da das Feuer fast 2. Gassen verzehret hatte / die Wälle ein; brach auch an dem Prentzlowischen Thor so hefftig / daß ers eröffnete / und zur Stadt hinein kam. Aber die Burger hatten mit der Zeit das Feur gedämpffet / und beyde Langhälse / als Verräther der Stadt / mit Weib und Kind ins Feuer geworffen / und kamen darauff ihren Fürsten / und Kriegsleuthen / so muthig zu hülffe / daß der Feind zuruck weichen / und die Belägerung auffheben muste. Hernach fielen die in der Besatzung zu Pasewalck / nebenst etlichen Burgern / auß / in die Uckermarck / und macheten allenthalben Beuthe. Da sie aber zuruck ziehen wolten / warteten ihnen die Prentzlowischen auff den Dienst / hatten auch etliche Stricke mit sich genommen / damit sie dieselbe binden wolten. Aber das Spiel wendete sich / und wurden von den Prentzlowern 200. mit ihren eigenen Stricken gebunden / und gefangen weggeführet / und die übrige in die Flucht geschlagen. An. 1468. belagerte der Churfürst von Brandenburg Pasewalck abermals vergebens. Was sich sonsten alhie zugetragen / der Teuffel sein Spiel da gehabt / und unter dem dritten Bischoff zu Cammin / Siegfrieden viel Manns und Weibspersonen sich selbst umbs Leben gebracht: Item wie sie ihren Pfarrer / Zabel Schunemann / im 1367. Jahr / verbrant / und darüber wol acht Jahr im Banne gesessen / und was sie von ihrem Pfarrer / Otto Döring / vor ungemach außgestanden / das ist anderstwo / und beym Cramero lib. 2. Hist. Eccl. c. 20. et 55. und lib. 3. c. 37. zu lesen. In dem nächsten Teutschen Krieg / hatte Pasewalck / die 3. Jahr über der Käyserlichen Einquartirung / alles / was begehret war / herauß gegeben / und war immittelst schon so verödet / daß kaum das dritte Theil möchte bewohnet werden. Es hätte die Städt schon über 147. tausend Reichsthaler zur ordinar Contribution hergereichet / und da der Obrist / Hanß Götze / noch etlich tausend Reichsthaler praetendirte / sandte er den Obrist Leutenant Winsen Anno 1630. mit 3. Compagnien hinein / ließ bey 18. Personen / und drunten einen Burgermeister / den Fürstlichen Richter / etliche Rathsherren / und den Apothecker / Samuel Lodern / mit grossem Heulen / und Weheklagen ihrer Weiber und Kinder / ins Lager nach Gartz führen / und in Ketten zusammen schlagen / und unter dem blossen Himmel etliche Wochen in Hunger / und zufallender Kranckheit / ligen / und gab die Stadt preiß zu plündern. Und ob ihr wol dadurch fast alle Mittel / etwas an Gelde aufzubringen / benommen waren / so bemühete sie sich doch ins Lager / an vicutalien, und andern Sachen zu führen / und sich damit auß fernerem Unglück außzuwickeln / und ward immer fort mit Tribulier-Soldaten solches zu thun angetrieben. Endlich kommen zwo Schwedische Compagnien an / solche Stadt zu besetzen / und in Schutz zunehmen; fangen auch / nebenst der Burgerschafft / an / die Wälle zu bessern / und sich / nach Gelegenheit deß Orths / besser zu verwahren. So bald solches in das Käyserliche Lager verkundschafftet / machten sich wol ihr dreytausend / unter Orbisten Götzen herbey / und weil so wenig Soldaten / und noch darzu ohne grobes Geschütz / drinnen waren / bemächtigten sie sich bald deß Walles / und der Thöre / und kamen ungeachtet deß Widerstandes / der von den Schwedischen Soldaten geschahe / in die Stadt / macheten alles nider / was sie im Gewehr funden / und mit der Flucht sich nicht davon machete. Ja es galt auch denen / die sich gar nicht wehreten / und wurden viel nidergehauet / die übrigen geprügelt / gemartert / und alles was sie auf der Welt hätten / herfür zu geben genöthiget / das Frauenvolck / ohne Ansehen einiges [80] Alters / und ohne Unterscheyd / geschändet / und hernach weggeführet / und nit ohn gewiß Geld wider loß gelassen. Endlich ward Feuer an vielen Orthen angeleget / und gieng also die feine Stadt / mit der schönen Marien-Kirchen / Schule / Rathhauß / und der Mühlen / im Rauche in die Lufft auff / und bliben nur etliche gar wenig Häuser am Prentzlowischen Thore / und etwan 2. Häuser bey / und an S. Niclauß-Kirche / bestehen. In Betrachtung dieser erbärmlichen Ruin / hat der König auß Schweden diese Stadt / mit einem Privilegio exemptionis an allen oneribus, so wol der Einquartierung / als Contribution / auff sechs Jahr befreyet. Gegen dem Außgang deß 1635. Jahrs / ward Pasewalck wieder mit Käyserlichen Volck starck beleget. Dann dieser Orth jedermann / als Neutral offen stunde / und lag Anno 36. ein Obrister Leutenant von den Schwedischen da / und weil er die Wacht nicht wol bestellet / ward er von den Marazinischen in grosser Stille übereilet. Dabey musten die armen Burger sich auch wol leiden / als die nicht allein gar außgeplündert / sondern ihrer etliche auch tödtlich verwundet / und geschlagen wurden. Unter andern ist zubeklagen / daß der Kunstreiche Orgelmacher / Paul Ludeman / Burger / und Gerichtsverwandter zu Pasewalck / der viel Kirchen in diesem / und umbligenden Ländern / mit seiner schönen Arbeit außgezieret hat / mit einer Kugel; da er sich an einem Orthe verkrochen / in der Hufft getroffen / und nach grossem Schmertzen / als ihn die Aertzte nicht wider zurechte bringen kunten / die Welt gesegnet hat. Anno 37. wurden die Schwedischen abermals alhie von den Käyserischen überfallen / und ein gantzes Regiment von 8. Compagnien verderbet / und was sich nicht unterstellen ließ / nidergemacht. Und muß die gute Stadt abermals darüber Haar lassen / und geplündert werden: also daß man von ihr mehrers sagen kan / daß sie gewesen / als daß sie noch seye. Und dieses ausgedachtem Micraelio. Siehe auch wie es alhie so erbärmlich hergangen / Baptistae Armat. Rettung der edlen Teutschen Hauptspraache / lit. C. v. vj. und Historischer Chronicken continuation, oder tom. 2. Theatri Europaei, fol. 216. Soll vorhin dergleichen gutes Geleut / als alhie gewesen / fast in Pommeren nicht gehabt haben. Anno 38. befanden sich wieder Schwedische an diesem Orth. |