Verhaltens Regeln Pestilenz 1553
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Ein Kurtzer vnd nütz-
licher bericht wess sich die gesunden / vnd
krancken in der ferlichen zeytt der pestilentz
verhalten sollen.
Durch Johansen Sigismunden Goerlitzer / der Ertzney
Doctorem ordinirt und gestellet.
Anno M. D. Liij.
[2] WS: Diese Seite ist ohne Eintragungen [3] DEn Ersamen / Achtbaren / vnd Wolweisen / Burgermeister vnd Rathmannen der Koeniglichen Stadt Goerlitz / meinen gepietenden grossgoenstigen lieben Herren vnd foerderen / Entpiete ich Johans Sigemund der Ertzney Doctor etc. viel glueck vnd heils / sampt meinem gutwilligen dinsten allzeit vngespartes vleiss zuuorn.
Vnd thue hiermit Ewer Ers. W. meinen grossguenstigen lieben Herrn / den selben vnd gemeiner Stadt vnd den Einwohnern zum besten / diese meine Einfaltige vnd kurtze Instruction vnd Consilium / welche ich mit vleiss zusammen bracht / vnnd wie man sich sterbens zeiten allenthalben vorhalten solle / in truckt zum newem Jhare dienstlich / vnd trewer wolmeinunge / gantz willig / vor ehren vnd schencken / gantz dienstlich vnd mit allen vleiss bittende / dieselbe meine kleine vnnd geringe gabe / vnd geschenck von mir E. Ers. W. willigsten im bestem vnnd vorlieb guenstlich anzunemen / vnnd meinen einfalt hierinne im bestem vormercken. Denn worinnen ich einem Ersamen W. [5] Rathe meinen gepietenden lieben Herren / der gantzem gemeinen / als meinen grossguenstigen lieben Landisleuten jeder zeit gedienen vnd zu willen sein soll / erkenne ich mich schuldig. Bihn auch dasselbe nach hoechst meinem vormoegen zu thuen erboetigk / vnd gefliessen. Welche ich hiermit Gott dem Allmechtige in sein gnad / schutz vnd schirm treulich entpfehle. Geben Goerlitz am abende Andree / nach Christi vnsers lieben Herren geburt. Das Erste teil von der praeseruation / das
ist wie sich gesunden huetten vnd vorwahren
sollen / das sie nicht leichtlich inficiret vnd
vorgiefftet werdenn.
Es seint vierley weisen vnnd weg damit man pfleget zuuorhueten / das man in sterbens leuften nit leichtlich inficiret / vnd vorgiftet werde. Der Erste weg ist / das man vor allen dingen dahin trachte / das deine wonunge an einem solchen orte sein moege / da ein reine vnd gesunde Lufft sey / die mit keinem gifftigen dempffenn / beschmeisset vnnd vorunreyniget sey / Denn wen die Lufft rein vnd gesund ist / da du wohnest / darffstu dich deste weniger besorgen / das du vorgifftet werdest.
Der ander weg ist das du mitt allem vleiss / die oerter vnnd persohnen die vordechtig sind meidest. Der dritte / das du auch mit bequemen artzneien deinen leib vorsorges also / das du ihm anfange deinen leib wie sichs gebueret reinigen lassest / vnd darnach auch vleissig der stuecken / vnnd artzneyen gebrauchest / welche das gebluette vor faulnuessen bewaren / das es nicht leichtlich entzundet / vnnd vorgiftet werde / vnd die vornemesten glider der massen auch stercken vnd kreftigen / das sie der gieft deste bass wieder stehen moegen. Der vierd weg ist / das du dich mit essen vnd trincken[1] recht vorhaldest / auff das sich wieder bey dir boese vnd schedliche feuchtigkeiten nit ercugen / welche die giefft wie ein zunder zu emphahen geneiget vnd bereit sind. Von diesen vier stuecken / wollen wir etwas weitleuefftiger reden. [7] Vom ersten / das die luft deinens Hauses vnd gemachs rein vnd gesundt sey / kanstu auff Zweierley weyse zu wege brengen. Erstlichen so du inn gemechern / die empor vnd in der hoehe liegen / vnd wol geraum vnd weit sind / deine wonunge hast. Zum andern / so du auch die lufft deines gmachs des tages vber drey mahl / als fruehe / zur Wesperzeit / vnd auff den abendt mit einem lieblichen rauch vnd fewer reinigest / aenderst / vnd erfrischest / als mit wolrichenden Reuchkertzlin oder reuchkuechlin / der den gnugsam vor die Apoteck alhie vorordenet sind / oder man reuchere mit Weyrach / mit myrrehn / paradissholtz / sandet holtz / schwartzen thymian oder weyrach / oder wo du eines kleines vermoegen bist / mit wacholderbern oder spenen / Lorbernschalen / wermutten / rauten / durrem eichenlobe / vnd dergleichen stucken. Auch findt man allhie zu Goerlitz in der Apotheck vmb ein geringes gelt ein fein puluer / damitt man offtmals reuchen sol / Solcher rauch vorzeret alle giefftige faule breden / vnd feuchte dempffe / Damit die Lufft deines Hauses vnd gemachs worunreiniget ist. Soensten soltu im gemache wolrichende kreuter / blumen / vnnd fruchte liegen haben / so fehrn solcher geruch deinen Heupt nit entgegen ist / als da sind Lauaendel / Spica / Roßmarin / Rosenbletter / Maioran / Basilien / vnnd nelcken streuecher / vnnd der gleichen wolrichende ding / Im Sommer were gutt in die gemach zustrewen weyden pletter / eychenlaub / weinreben bletter / See blumen / Solche kreuter soll man sammlen / nach dem die sonne wol auffgangen / vnnd sich der thaw dauon verzeret hat / Gutt were es auch im gemache mit Rosen wasser odder schlechten wasser darunter essig vermenget were zu sprengen / Damit die lebhafftigen geistern vnd vornembsten gliedern vnsers leibess erquicket / gesterckt / vnd gekrefftiget werden. Des nachtes sol man die fenster des gemachs zu halden / fruhe aber [8] wenn die sonnen wol herauff kommen / vnnd ein schoen hell wetter draussen ist / Soll man die fenster des gemaches gen auffgange der sonnen oder Mitternacht oeffenen / auff das also die sonne mit ihrem hellenn scheyn / vnd strenen / die lufft deines gemaches rectificire / vnd reinige / vnd auff das auch der wind deine gemache durchgehe / vnd von dem vorhalten dicken / faulem vorschlossenem boesen lufft reinige. Wenn aber ein niebelich / truebe / odder regen wetter draussen ist / soltu die fenster deines gemaches nit auffsperren / sondern zuhalten / vnd dieweyl die lufft deines hauses mit reuchern aendern vnd rectificirn / wie vormeldet. Alhie sind in den gemachern die Caminen sehr zu loben. Nach dem die sonnen vntergegangen / ist nit gut auff der gassen spaciren zugehen / vmb vieler vrsach willen / welche zuerzelen / ich vmb kurtz willen vnterlasse. Vber diss haldts in deinem hause rein / vnnd vom allem gestanck sauber / der wegen ist nit gut zu solcher zeit in den heusern schweine zu halden / oder sonsten an stinckenden vnnd vnsaubern oerter / oder bey Missthauffen / vnd pfudeln zu wohnen. Es ist auch nit gut hund vnd katzen die nit gerne daheimen bleiben in heusern zu haben / denn sie brengen offtmals die gifft von nachbarn einem ins haus / wie ich solchs erfaren. Das ist das erste / wie man vor allem dingen des lufftes da man wonet / wol wahr nehmen sol auff das der selbe rein / frisch vnd gesundt sey. Der ander weg ist / das man die vordechtigen oerter vnnd personen die noch kranck / oder kranck gewesen sindt / so viel moeglich mit allen vleiss meide / also auch die oertter do viel volcks zusamen kompt hoechlichen fliehe / als da sind Badstuben / Byhrheuser Trinckstuben vnd der gleichen oerter.
[9] Der dritte weg ist / das man sich mit beqwemer artzney wie sichs gebueret zeitlich versorge / drumb soll man sich im anfange zu solcher fehrlicher zeit nach rad eines vorstendigen artzts bald reinigen vnnd purgiren lassen / es sey nu mit aderlassen / oder purgacionen / nach dem es deines leibes diposition / alter / vnd Complexion erfordert / weil aber zu solcher zeit / die aertzte nit allwege zubekommen / so verschlucke dieweil 1. quintlin[2] der pestilentz pillen / auff den abendt vor dem schlaffe / vnnd die nacht soltu nicht darauff schwitzen / vnnd nehisten tag hernach / auch nit baden / den selben abend wenn man die pillichen braucht soll man zeitlich vnnd wenig essen. Auff den dritten oder vierden tag hernach / wenn gut lassen ist / wo du Junck / Starck / vnnd bluttreich bist / so laß dir die Median[3] oder leber ader am rechten arme wo es im sommer ist / oder am lincken arme / wo es ihm Herbest oder Winters zeit ist / vnnd denn selbigen tag enthalt dich des weines / vnd halt dich sonsten wie einem adderlasser zustehet. Die Junckfrawen sollen die frawen adern dafuer oeffnen lassen / denn wenn der leib rein / vnd mit keinen boesen / vnd faulen faechten / vnd recrementis beladen ist / darff man nit sorge haben / das das bebluette leichtlich werde fahen / vnd vorgiftet werden / dieweil die zuneygung vnd geschickligkeit zu solcher gifft ihm gebluette weg genohmen / vnd nit vorhanden ist. Wenn nu der leib also gereinigt worden / als dan brauche mit vleiß die stucke / vnd antidota / vnd artzneien / die das gebluette vor faulnussen / vorwaren / darauß sich den boese / gifftige / toedliche / vnd pestilentzische febern ereugen / welche Antidota vond Alexipharmaca die vornehmbsten glieder vnsers leibes der massen auch stercken / kreftigen vnd armiren / das sie der giefft desto bass koennen vnd moegen widerstehen / welche auch ane das von art vnd ihrer eigenschafft der giefft zu wider sindt / der wegen soll man alle morgen [10] vnd alle abende / ehe man zu bette gehet meiner zucker kuechlin so ich vorordenet habe / eins oder drey oder mehr gebrauchen / vnd fruhe bey dreyen stunden darauff nuechtern bleiben / man mag auch woll an stadt solcher Zucker kuechlin der kuechlin Liberantis gebrauchen / welche warlich auch nit zuuorachten sind / oder man nehme des koestlichen Aquae vitae / welches ich mache vor giefft / welches ihn vielen sterben gerecht vnnd gut befunden ist / ein klein halb loeffelfoll / oder nim der pestilentz pillen yhr sieben / oder der Lattwerge von eihe genant / oder des Thyriacs oder Methridat / welchs man alle in der Apotecken findet mit vleiß vorordenet / als eyner hasel nuß groß / darauff bey vier oder fuenff stunden gefastet / Denn dis sind warlich in diesen fahl nit die geringsten / laß dir an diesen stuecken genuegen / vnd gaffe nicht noch andern seltzamen stuecken / Ich habe dir derhalben so viel stuecke benuehmet / auff das du nit teglich einerley brauchen darffest / sondern abzuwechseln habest / das sein die nathur nit gewone / vnd als dan nicht mehr als eine artzney / sondern viel mehr als eine speise annehme / Das arme gemeine volck / das solche stuecke nicht zu keuffen hat / das nehme dieweil piebenell wortzel / Tormentil yedes eyn halb lot / Entzian ein halb quentlin / sawerampffer bletter ein halb lott / Rauten / vnd Cardubenedict puluer yedes 1 quentlein / darauß machet ein rein puluer / nim desselbigen fru nuechtern so viel so seyn mit dreyen fingern heben odder fassen kanst / vor sich selbes oder jm Sawerampffer wasser. Oder nym bibenell / tormentill wortzel / und wermut gleich viel / mache ein puluer darauß / des nim als einer bonen groß nuechtern / vnd faste zwo oder drey stunden darauff / Oder nim außgeschelte welsche nuss koernen / wacholder boeren / gruene rauten bletter yedes gleich viel / vnd drey oder vier geschelter feigen / geuß einen gutten essig daran / zu reybs in einen
[11] reibe toepffe / wie eine salße / daruon nim des morgens nuechtern etwan ein halb loeffel foll / auch moegen arme leute eingemachten piebenel / vnd eingemachten sawrampffer gebrauchen. Wenn du aber nu ausgehen wolt / oder sonsten mit leuten zuthuen hast / so habe stetz im munde als einer erbes groß der Mundkuechlin vor boese lufft / welche man in der apoteck auch findt / lasse sie aufs leng sampste ihm munde zurschmiltzen / glaub mir es ist ein koestlich ding drumb / wie ich an vielen leuten vnd an mir selbst auch erfaren hab / An stad der Mundkuechlin mag man im munde haben vnd kewen ein stueckelin guttes zitwerß / oder Angelica / oder olatwortzel / Daneben sollen die reichen gutte poma ambre / oder bisen knoepff in henden tragen / vnd auff dem hertzen seine krafft seckelin oder hertzschildlen / die das hertz stercken / vnd vorgifft dienen stetz haben / vnd ihnen zurichten lassen / Reiche leute sollen auch am halse tragen auff plosser haut einen Jacyneten oder Sapfir / Denn solche steine sondern tugend vnd krafft haben wieder gifft / vnnd das hertz zu stercken. Arme leute sollen am halse tragen in einem hueltzer bisem apffel ein schwemlein das in rauten safft / der damit essige vormenget ist / genetzet sey / vnd oftemals dozurichen / vnd denn fast in die nasen loecher steichen / oder habe in der hand eine frisch raute / zu reib dieselbige mit den henden / vnd reuche da zu / desgleichen ist auch gut zurichen zu Paldrian wortzel / vnd Bibergail etc. Item nym Rosenwasser Baldriam wasser 1 gliches sechs lott / Rosen essig vier lott / Dorin zutreibe guttes Tiriacas ij. quintlin / solches wasser streich alwege wenn du außgehen must in die nasenloecher vnnd vnter die nasen / es ist ein gutt praeseruatiuum. Schwanger weyber sollen dafuer nemen Crausemyntz inn essig geweycht vnd dazu riechen / vnd sollen ym munde ein stuecklein Tormentill wuertzel haben[4] / ihn leib aber moegen sie gebrauchen[5] Tormentill wuertzel / Sawerampffer / Denn [12] die gemeinen praeseruatiuen dienen nicht alle den Schwangern frawen / Sonsten habe ich vor Schwangere frawen eine Latwerge verordnet in der Apoteca / wo sie jemandes haben wil / der wirt sie jm wol zurichten lassen. Es haben sonsten etzliche geuebte vnnd erfaren aertzte / sonderlich / koestliche oele / vnnd pflaster / die von ynen heimlichen gehalten werden / vnnd jre secreta sind / zu praeseruiren / vnd die vornembsten glieder damit zu stercken vnd krefftigen / Dessgleichen haben sie auch feyne krafft waesserlein vnnd Aqua vitae / die da vorgiefft sonderlich dienen / vnnd mit kuenstlicher distillation zu gericht werden / welche offte vnd viel in sterbens leufften vorsucht sind / Also haben sie auch koestliche krefftige vnnd wolrichende Selblin vnd Waesserlin / welche mit ihren lieblichen geruch die spiritus vnd geister wunderlichen erquicken / vnd ergetzen / stercken / vnnd wider auffbringen. Welche stuecke / weil sie nit jederman machen vnd bereiten kahn / vnd dieweils auch tewer ding / vnd nit jedermans kauff / ist es one noth allhie dauon ferner meldung zu thuen. Der vierde weg ist / Wenn nu der leib also yhm anfang von den boesen vnd schedlichen feuchtigkeiten gereiniget / vnd mit krefftigen aertzneien vnd Antidoten vorsehen / vnd vorsorgt / das man sich daneben mit essen vnd trincken auch wol vnd rechtschaffen halte / auff das sich nit wieder im leibe boese vnd schedliche feuchten ereugen / Welche denn die giefft wie ein zunder leichtlich zu empfahen tuechtig / geschickt / vnd disponiert sind / Daneben soll man zu solcher zeit sich mit essen vnd trincken nit vberladen / alle sehr hitzige vnd gewoertzte speise meiden / als pfeffer / senff / krin vnd rettich / also alles rohes Obes / mich / Erbes / kraut / gereuchert fleisch vnd fische / starcke grobe weine / Malmasir / [13] Schweinen fleisch / vnd sehr feiste speise / alle hefftige bewegunge vnnd vbunge / dadurch das gebluette erhitzet wird / solche stuecke sind alle zumeiden / Man soll nit zu gleich auff eine maltzeit fleisch vnd fische / fische vnd kese / mich vnd wein / fische vnd eiher zusamen essen / diss sollen aber kuertzlich deine speise sein / Huener / kalpfleisch / schöpssen fleisch das gebe ist / allerley wald Voeglin / alles feder wildprat / one was sein wesen auff dem wasser hat / junge Hasen / Rehen wilprat / Von fischen / Hechtlin Kressen / Barmen / Eldritzen / Foren / Aschen / Perscken / ihn einem sawern bruehelein zugericht. Denn essig zur speise messig gebraucht ist gut zu solcher zeit / Haber getz / girstene greupelin/ weichgesotene vnd geruerte Eiher / Zum gebratens laß dir eine salbe zurichten vom Sawerampffer vnd essige / Ich habe auch ein seer fein puluer vor die Apoteca geordenet / welches man zur speyse vnnd auch zur eintuncke gebrauchen mag. Dein tranck sey ein lauter rein vnnd leicht bierlein / oder reiner leichter wein / oder Wermut wein / Ein jedes trinck jm hause alleine / vnd habe jm trincken liegen / oder hangen Cardubenedict samen / Olant wuertzel / Lorbern / Angelica / Zitwar. Reiche leute moegen auch dazu nehmen Einhorn etc. Sonsten huette man sich vor zorne / vnd aller schwermuettigkeit / vnd was die fraw Venus belanget / da soll man eine masse inne haltn / vnnd so du ja baden must / siehe zu dass du dich ja nicht zu sehre erhitzest. Sonst sey leichtsinnig vnnd mit bescheidenheit froelich / vnd ja nicht forchtsam / Quia imaginatio facit casum[6]. Wer nu also in einer reinen vnd gesunden lufft wonet / auch die krancken / vnd vordechtige oerter meidet / vnnd seinen leib von seinen vberfluessigkeiten / vnnd vnreinen feuchten / dorauß sich denn sehr gifftige vnnd toedliche feber erzeugen[7] / hatt [14] reinigen vnd purgiren lassen / vnd die Antidota vnd artzneien / welche die vornembsten glieder Membra principalia genandt / stercken / krefftigen / vnnd wieder giefft dienen / braucht / vnd daneben sich mit essen vnd trincken nicht wieder verterbet / vnd rechtschaffen helt / der wirt mit Gottes huelffe nicht leichtlich vorgifftet vnd kranck werden / vnnd ihm ob er auch kranck würde / wirt ihm mit Gottes huelffe desto leichter wieder auff geholffen werden. Diss sey genug gesaget was da belanget die praeseruation / vnnd wie man sich vorwahren vnd halten soll / auff das man nicht leichtlich inficiret vnnd vorgifftet werde.
Nhu wollen wir auch ein wenig sagen vom an-
dern teil / wes sich die krancken vorhalt-
ten sollen.
[15]
Das Ander teil von der Curation / wie
man es mit Krancken hal-
ten vnd ihr pflegen soll.
WEnn yemandes inficirt odder vorgiefftet worden ist / welches du aus dem leichtlich kanst mercken / so dich ein Schawer / zittern / grawen / brechen / odder eine hitze / omacht / mit einem hefftigen wehtagen des heupts / odder so dichs sonsten vmb das hertz beginnet zu drucken oder stechen / odder dergleichen vngeschicklicheit ankompt / so lass dir flugs one verzug ye eher ye besser / eyne Ader oeffenen auff der seyten da dir wehe ist / odder da dir eyne pewle / blatter / odder flecken auffgefahren / vnd thue eyne gutte lasse / sonderlich wo du Junck / starck / vnnd blutreich bist / gutt were es ehe du dir lessest die ader schlahen / das du dir zuuor eynen stuel / mit einem stuel zepfflin zuwegen gebracht hettest / Wie man es mit dem ader lassen halten soll / wil ich am ende dieses tractetlins deutlich gnugsam anzeygen / Wo aber die person zu jung odder zu ald were (denn kindern vnter zwelff jaren / vnd alten leuten vber sechtzig jahren / vnd Schwangern weybern / sonderlich wenn sie vber die helffte sind / sol man nicht zu der ader lassen) setze ynen koeppelin[8] auff / an stad der Adern / also / so dichs vmb das heupt sticht odder was auffgefaren ist / so laß dir auff den halß koeppe setzen / Ereuget sich aber etwas vnter den armen / odder vmb die brust / so laß die koeppe auff die schuldern vnd lenden setzen / erzeyget sich aber et-
[16] was vmb die schoß odder diech / so setze die koeppe auff die knie Solch schrepffen odder koeppe setzen soll nit in eyner badstuben / sondern in eyner kleinen wirmen beim Offen so es zu winters zeyt ist geschehen / ist es aber ym Sommer / so laß die stad zuuor mit warmen tuechern wol reyben / biß sie wol warm werde / als dan laß die koeppe wie sich gebuehret setzen / vnd sie wol vnd tieff becken / auff das sie zimlich wol gehen moegen / Wenn nu die Ader also geschlagen / odder die koeppe gesatzt sind gewesen / als dan laß dir in der Apoteca das Schweys truencklin / von mir alda vorordenet holen / trincks warm aus / zuuor in einem heyssen wasser gewermet / lege dich in ein warm bette / decke dich feste zu / vnd schwitze darauff zwo odder drey stund / odder so lange als deine krefften woll / vnnd one schadden ertragen moegen / auch ist es sere gutt das man vnten an die fueß solen / dem krancken eynen heysen zigel / der in ein naß tuch gewickelt sey legest / Wo aber der schweiß nicht fort wil / so nim ein newbacken groschen brodt / das warm ist / schneyd es am rucken einer handtbreit auff / geuß einen gebranten wein darein / wickels in ein tuch / lege es also warm auff den bauch gleich auff den nabel / solch brod zeuhet die giefft mechtiglich an sich / Vnter dem schwitzen wende allen vleiß vor / das der krancke ja nit schlaffe / denn wo das geschehe / were grosse gefar da bey / vnd zu besorgen der krancke worde schwerlich wieder auffkommen / Denn man soll den ersten tag denn krancken so viel moeglich nit schlaffen lassen / Man sol auch dem krancken offtmals mit eynem gutten rosen wasser darunter ein rosen essig vormengdt sey / das angesichte bestreichen / vnnd ynen stetzs dazu richen lassen / denn solchs weret dem schlaffe nit ein wenig / Wo sichs aber zutruege das der krancke das schweiß trincklin wieder von sich breche / so laß inen den mund zuuorn mit sawer ampffer / oder weine wol ausspuelen / vnd gieb im flug [17] das Schweyßtruencklein anderweg wieder ein / vnd bind im die arme vnd fuesse ym diecken / vnd halt im ein gebehet brod das in essig genetzt vnd mit Neglin bestrewet sey / vor den mund / vnd gib yhm also dis Schweyßtruencklin so offte ein / biß es im bleib wo moeglich / Wer aber mein Aqua vitae / des ich ym ersten teil gedacht / hat / der neme desselben eynen loeffel fol / vnnd menge drunder guttes Thiriacs als einer Castanien groß / vnd ein vierteyl von eynem Kroen oeglin Nux vomica inn der Apoteca genant / klein gefeylet vnd zurieben / vnd trincks warm aus / vnnd schwitze drauff wie itzund droben vormeldet / diß ist eyne seer koestliche artzney / vnd an vielen leuten vorsucht / Wenn es aber gar arme leute sind / so sollen sie gebrauchen der Latwerge von ayge / odder den Thiriac vochsy / ein quentlin in Sawerampffer zutrieben / wo dich die kranckheyt mit hitze ankompt / odder in Cardubenedict wasser / oder Scabiosen wasser / wo dichs mit kelte ankompt / Andere halten den brauch vnd proceß / wenn einer kranck worden vnd ime noch nichts auff gefaren ist / das sie erstlichen den leib oeffenen entweder mit eynen stuel zepfflin / oder linden Clysterlin / darnach geben sie dem krancken bald ein / das den schweyß fordert / vnd lassen inen wol schwitzen / wo nu nach dem schweys sich etwas erzeyget odder auff feret / als dann lassen sie erstlichen eyne ader oeffenen / Warumb sie aber also in diesem falle procediren / haben sie auch ihre vrsachen / welche jtzund zuerzelen zu lang werden wollen / vnnd ist warlich auch nit eyne boese meynunge. Wenn nu der krancke noch notturfft geschwitzet / als dann lege ynen in ein ander rein new waschen / warm bette / allein sihe zu das sich der krancke nit zu hefftig bewege / vnd in eyne omacht falle / auch vorhuette / das nach dem schwitzen den krancken die kalte lufft nit beruere. Nach dem schwitzen labe vnnd erquicke deinen krancken wieder mit gutter vnd kraefftiger speyse / vnnd [18] noettige ynen / das er was zu sich neme von speysen / denn der Auicenna saget / wenn die krancken speyse zu sich nemen / das gutte hoffnunge da bey sey / das sie widder auff kommen werden / vnd gieb ime auch allerley gutte labungen / die sonderlich auch mit vor giefft dienen / Als meyner Zuckerkuechlin / welcher ich droben im ersten teyl auch gedacht habe / denn sie sind warlich in diesem falle seer gutt / also auch gib im eingemachten Citrinat / der kuechlin Liberantis / Eingemachter Borragen / vnnd Ochssenzungenbluemlin / eingemachte graß naeglin odder garten Nelcken / Manus Christi perlati das sind perlin kuechlin / Johannes boerlin / Saurach safft / inn den Apotecken Rob de Ribes / vnd Rob de Berberis genant / Also labe inen auch mit einen gersten wasser / darinne ein gold lemlin odder blechlin etlich mal abgestossen / oder abegeleschet sey / Deßgleichen floesse im auch zu zeyten mit ein / ein Cimmet rinden wasser / das da mit den aquis Cordialibus zugerichtet sey / auch gib yme von eyner sawren Pomerantzen / Granat oepffeln / oder von eynen Cappaun wasser das recht vnd kuestlich zugericht sey / Alhier solte man seine liebliche hertz waesserlin / vnd saecklin mit auffs hertz legen / vnd vmb die pulß adern schlagen / auch solte man feyne wolrichende knoespel / vnd feyne liebliche waesserlin zur hand haben / damit man den krancken vnter dem angesichte / vmb den mund vnd pulß adern offtmals bestriche / wie sich denn ein yglicher mit solchen stuecken in der zeyt wol wirt wissen zuuorsehen. Ich hette wol gerne etzliche angezeyget / so habe ich eylen mussen / Aber ein hertz wasser habe ich inn der Apoteca verordenet / wer seyn darff / der laß es im alda machen / darein netze eynen zwifach zindel / drucke inen ein wenig aus / halts schwischen den henden / biß ein wenig vberschlahe / als dan lege es auffs hertz das es die lincken brust vnd seyte zimlich beruere / Also sol- [19] tu den ersten tag mit deynem krancken procediren / Auff den folgenden morgen aber / wo der krancke hart im leibe ist / so gieb ym ein quentlin odder halb quentlin der pestilentz pillen / lasse[9] ynen bey drey stunden drauff nüchtern bleiben / vnd gieb vleissig achtunge drauff /das dein krancker ja nicht verharte im leibe / Wo diß geschehe / so hilff im mit pestilentz pillichen / odder stuel zepfflin / odder mit einem linden Clystirlin / Alhier solte man auch frue vnnd spatte seine weichtraencklin odder Digestiua nach gelegenheyt vnd art des febris eingeben / nach dem humor odder feuchte / die ein vrsach des febris ist / scharff / subtil / vnnd Cholerisch / zaehe / odder grob were / die von aygenschafft auch vor giefft mit dieneten / vnd die vornemesten glieder membra principalia genant stercketen / vnnd darnach auch den dritten odder vierden tag ein lynderunge geben / die allein den humorem vnd die feuchte aussfegete / die ein vrsach dieses febris were / vnd auch mitte vorgiefft dienete / Weil du aber zu solcher ferlicher zeyt nit leute haben kanst / die dir solches ordenen / vnd mit dir procediren wie man wol solte / So thue im dieweyl also / Auff den ersten tag procedire wie droben vormeldet / auff den folgenden tag aber / gieb dem krancken die pestilentz pillichen frue ein / wie droben vormeldet / darnach den tag vber gibe im solche Confortatiua / Sterckungen vnd Labsal ein die da das hertze vnnd vornemesten glieder stercken / der vnnatuerlichen hitze / giefft vnd feulnuessen im gebluette weren / als denn diese stuecke sind / der ich droben gnugsam gedacht habe / vnnd gib dem krancken teglich mit ein / ein wenig guttes Theriacs / oder der Latwerge vom eyge / in Sawerampffer wasser darunter ein essig vormenget sey / zutrieben / Auff den dritten tag gib dem krancken abermals solche labsall abendes vnd morgens wie gesagt / allein nach essens gib im abermals des schweyß truencklins [20] eyn / vnd laß inen eyne stunde darauff schwitzen / auff das er nit schwach werde / Also fare fort auff diese weyse wie jtzund vormeldet ist / diß dir Gott der Herre wieder auff hilfft / vnd mache dich ja nit zeytlich aus an die lufft / da laß dir gesaget sein. Allhier sind die dritten welche also procediren wie folget / Im anfange so bald ein mensch vorgiefftet / ehe yhm etwas auffgefaren ist / geben sie im eine purgation ein / vonn dem puluer praecipitato hierzu kuenstlich mit golde bereytet vnd eine Latwerge odder pillen daraus gemacht / welchs durch brechen vnd stuelgenge vnd schwitzen die giefft außtreibet. Oder purgiren den krancken mit einem puluer das aus dem gummi Euphorbio zugericht ist / vnd zeigen des auch vrsache an / warumb sie solchs thun vnd also procediren / Aber weil vnter diesen dreyen processen / der erste proceß gemeiniglich am besten gethan vnd befunden / vnd auch der sicherste ist / wollen wir bey dem ersten proceß bleiben vnd derwegen mit niemandes zancken / vnd einem jeglichem sein gutduncken / rationes vnd experientz vngetadelt vnd gut sein lassen. Wenn aber kleyne kinderlin kranck werden vnd anfahen zu hitzen vnd schawern / so floesse inen flugs ein / in einem Sawerampffer wasser ein wenig rechtschaffenens einhorns / wo du inen haben magest / wo nit / so nym dafuer / rechtschaffenes hirschhorns / das schwischen zwayen frawen tagen in der brunst gefallen ist / decke es als dan feste zu vnd laß darauff schwitzen / Die Ammen aber sollen gleichwol auch daneben etwas mit vnter gebrauchen dass vor giefft dienet / derer stuecken den droben gnugsam angezeyget sind / auff das die milch auch eine krafft widder giefft bekommen. Was aber das zeychen odder die bewlen / blattern etc. belanget / da soll diß im anfange deyne vornemeste intention vnd vorhaben sein / das du die giefft / so viel moeglich zum zeychen herzu zihest vnd lockest / darumb sollen arme leute eyne ausgehollerte zwibel / die mit Theriac vnd Saffran gefoellet / vnd in heysser
[21] asche gepratten vnnd im moerser zu eynem muß gestossen sey / warm aufflegen / vnd wenn sie kald wirt / so lege eyne andere widder auff / also auch die dritte vnd virde / Wer den Theriac zu keuffen nit vermag / der bind allein die zwippel gepratten vor sich mit eim wenig Saffran darauff ist auch nit boese / Item es ist auch sere gut das man vnter dem zeichen koeppe gebecket / sezen lesset / Wo du es nit also schaffen kanst / so bind fornen auff die hand da man den puls greifft / auff der seyten da das zeichen ist / knoblauch mit senff mele vermenget / vnd laß alda bey vi. odder vii. stunden lang liegen / biß dir eyne blase auffgefaren sey / Es ist sere gutt das man diß plaster auff das zeichen lege / welchs warlich in diesem falle gerecht vnd gut ist / Nim Sawerteyg als ein huener ayge groß zween ayers totter / Saltz ein zimlich teyl / vnd weiß lilgen wortzel auch ein gutt teyl / Saffran ein halb serupel / Leinsamen i. lot / vnnd eyne halbe gepratene Zwibel / stoß es zusamen in eynem moerser / mit scabiosen wasser wie ein muß / vnd lege eswol warm auff. Oder nym junge Hanen odder Tauben / beropffe sie am hindern / bereyb sie zuuor mit ein wenig saltze / halt sie also mit den hindern auf dz zeichen / halt inen bißweil den schnabel zu / vnd laß inen wider lufft / wenn eynes stirbet / so nim ein anders / dz thu so lange biß keynes neh stirbet / Wie man nun ferner procediren / die pewlen oeffenen / reinigen vnd heylen / vnd mit eynen jglichen zeichen in sonderheyt vmbgehen soll / das wil ich den wund aertzten / die hierzu vorordenet sind befolen haben / Denn wenn man solchs gruontlich handeln vnd tractiren wold / so muste man ein sonderlich buechlin dauon schreyben / Was aber das schneyden / etzen / vnd brennen belanget / das weys ich nicht sonderlich zu loben / denn ich habe nit sonderlich viel guttes / das darauß erfolget hette erfaren / So habe ich auch meyne vrsachen derwegen ich es nit sonderlich gross loben kan / Solche artzneyen gehoeren vor starcke / vnnd harte leute / vnnd sonderlich vor die [22] wage helfe vnd kriges leuten / dorum wollen wir dasselbe den feld scherern befoelen / vnd damit zu frieden sein. Alhter will ich auch trewlich geraten haben / dam man mit dem zu heylen ja nit eyle / Vnd wenn es nu zuheylen will / das man stetzs etwas mit zu brauche / das vor giefft diene vnd das hertz stercke / auff das man nit widder vmschlahe / vnd das letzste erger werde / wid- der das erste. Nu wollen wir auch sagen wie man
es mit dem Aderlassen halten soll / wie ichs
droben verheyschen habe.
Ein kuertzer vnd klarer bericht wie man es
mit dem Ader lassen bey den krancken
halten soll.
In Summa / allwege auff der seyten do die beule / blotter / oder flecke / auffgefaren / oder do das groeste drucken oder stecheu ist / sol man die Ader oeffenen / vnd ein weit loch machen / damit das vor giffte dicke gebluette desto baß mag herauß gehen. Wenn sich nu eine beule / odder blotter / odder flecken / odder sonst ein weetage vmb das heupt / als hinder den ohren / oder am kihnne / odder halse ereuget / so lasse die heupt / odder Median Ader / am Ellebogen / odder auff der handt bey dem daumen vnnd zeige finger oeffenen / auff der seiten da der wetagen oder beule ist / wie droben auch vormeldet. Feret aber etwas auff vnter den achseln oder armen / so schlag die Leber oder Median ader / oder oeffene die ader auff der hand zwischen dem golt vnd kleinesten finger.
Ists bey dem gemechte / so oeffene die Brand ader / oder die [23] frawen ader / oder die ader auff dem fuße zwischen der grossen zehe / vnd nehisten dobey. Ist es aber auswendig an der huffte / so laß ausswendig bey dem knoechel / die Sciatica oder Gicht ader / oder laß die ader auff dem fusse bey der kleinesten zehe oeffenen. Wo aber viel beulen weren auffgefaren / so sol man sich nach der groesten peulen oder platter mitdem ader lassen richten. Wenn aber einem das feber oder hitze anstoesset / vnd man an keinen ort sonderlichen schmertzen / stechen / flecken / peul oder blotter befindet / so laß die Saphenen odder frawen adern oeffenen. Also soll man es auch mit den erwachsenen Junckfrawen halten etc. Das aber etzliche ehe sie zur ader lassen nahe vnter dem zeichen / einen laßkopff vngepuckt setzen lassen / ist recht vnd wol gethan / denn damitte vorhuettet man / das die beule nicht leichtlich vorschwindet vnd die giefft widder zurucke hieneyn vnd zurucke trette. Solches sey kurtzlich gesaget / wie sich die gesunden vnd krancken in sterbens leufften vorhalten sollen. Ich zweiffele auch nicht / wo man sich solcher mittel in Gottes fuerchte / inn einem rechtschaffenen glauben / mit besserung des lebens / vnnd mit ernsten anruffen Gotten namen gebrauchen wirt / Got der Va ter aller gnaden werde vns seinen Goetlichen segen darzu geben
das also viel leute sollen errettet werden / Auff das solches
geschehe / das helffe vns Gott der himlische Vater
mit seinen gnaden / vmb vnsers lieben Herren
vnd seligmachers willen Jesu Christi /
A M E N.
Gedruckt zu Breslaw / durch Crispinum
Scharffenberg.
[Bearbeiten] Anmerkungen (Wikisource)
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