Wintermärchen
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[12] Wintermärchen.
Auf dem Baum vor meinem Fenster
Saß im rauhen Winterhauch
Eine Drossel, und ich fragte:
„Warum wanderst du nicht auch?
Brausen über Flur und Feld,
Da dir winkt im fernen Süden
Eine sonnenschöne Welt?“
Antwort gab sie leisen Tones:
Die mit Zeiten und Geschicken
Wechseln ihren leichten Sinn.
Da die wandern nach der Sonne
Ruhelos von Land zu Land,
In der eignen Brust gekannt.
Mir erglüht’s mit ew’gem Strahle
– Ob auch Nacht auf Erden zieht –,
Sing’ ich unter Flockenschauern
[13] Wundersamer Trost in Schmerzen!
Doch nur jene kennen ihn,
Die in Nacht und Sturm beharren
Und vor keinem Winter fliehn.
Deine Wange zwar ist bleich;
Doch es schaut dein Blick nach innen
In das ew’ge Sonnenreich.
Laß uns hier gemeinsam wohnen,
Singen wir von dürrem Aste
Jenem Glanz der Ewigkeit.“
