Wolfgang Kirschenessers, pfarrherrn zu Frickenhofen, urgicht
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[353] Wolfgang Kirschenessers, pfarrherrn zu Frickenhofen, urgicht.
Vorbemerkungen.[355] Zu dem grossen Kontingent von Pfarrherren, welche teils durch Überzeugung, teils durch den Drang der Verhältnisse in den Strudel der Bauernbewegung hineingezogen wurden, gehört auch Wolfgang Kirschenesser, in den zeitgenössischen Berichten – so auch bei Herolt – gewöhnlich Kirschenbeisser genannt. Sein Pfarrdorf Frickenhofen und die Nachbardörfer, in denen zuerst das Feuer des Aufstandes aufloderte, liegen im Gebiet der ehemaligen Waibelhube (OA. Gaildorf S. 115), und es ist kaum zu bezweifeln, dass die Überlieferungen des alten Bauernstandes, die auf der Frickenhofer Höhe noch besonders lebendig sein mussten, zu dem schroffen und wilden Auftreten des Gaildorfer Haufens das Ihrige beigetragen haben. Kirschenesser1) wurde, nach seinen Angaben, die durchaus den Eindruck der Wahrheit machen, von den Bauern zum Anschluss genötigt. Dass er sich gegen ihr Andringen auf die heilige Zeit und auf die des priesterlichen Beistandes harrenden Weiber und Kinder beruft, lässt auf seine gewissenhafte Amtsführung ein günstiges Licht fallen. Freilich hatte er sonst und grundsätzlich den Bauern offenbar nichts entgegenzuhalten, stand also im allgemeinen auf dem Boden ihrer Bestrebungen. Von seinen näheren und entfernteren Kollegen waren ebenfalls beim Haufen der Pfarrer Held von Bühlerthann, welcher zum Rat des Haufens gehörte, und der Pfarrherr von Westheim. Im Pfarrhofe von Westheim ist Kirschenesser nach Hoffman (oben S. 343) von den Hallern ergriffen worden. Die Handschrift, aus der das Stück stammt, ist Band 1 der im Hallischen gemeinschaftlichen Archiv aufbewahrten zehn Bände
Her Wolffgang Kirschenesserr pfarher zu Frickenhoffen.[357] Uff obgemellten tage1) seind die obgenanten zwen2) auch aus bevelch ains rats uber her Wolffgang Kirschenessern ganngen und ine angefencklich mit worten angehallten. Sagt, es hab sich begeben, das er zu Spraitbach3) zum wein gewest und Wolff von Kirchhausen mit ime, und in des Banthelins4) haus gezert; seien etlich gesellen, nemlich Prendlins Hans von Alffdorff5) und ander mit irme von Enderpach6) und Hertikoven7), bey zehen, der heffner Weber Henszlin komen, die heten dis uffrur gemacht unnd zusamen uff ain acker heraus geloffen; unnd als sie ain weil beyainander gestanden, wer er an aim zaun gelaint, weren sie daher gelauffen, unnd wen sie gefunden, heten sie gefangen, und zu inen schweren mussen. Nachdem als er gefangen gewest, het er sie gepeten, sie solten ine dahaimen lassen, er wer ain armer priester und ietz ain haylige zeit, het auch vil kinderr, weyber daheim, die grosz uff der zeit giengen8). Uff das heten sie ine haim in sein haus gelassen, doch gesagt, er solt gedenncken, wann sie ime ain poten schicken, das er keme, sie wolten ime sunst haus und hoff verbrennen. Da wer er zu seinen pauern ganngen unnd sie gewarnt, sie solten luegen, was sie theten. Nun in der nacht weren die pawrn von Spreitbach in die dorff gefallen unnd die baurn gefangen, heten seiner baurn zwen, mit namen
Item er hab itzo, als man ine gefanngen, bey 10 batzen bey ime khapt, die Thullenhans genommen. Es sey ime auch dhein heller an der beut worden. Die baurn heten silberin becher unnd kelch gehapt, die des apts zu Murhart gewest, heten die bauptleut genomen. Und zu Lorch ain eisens truchlin gefunden, wer ler gewest. So het man inen ir meszgwand, bucher und kelch wider geben. Es sey der bevelch nit gewest, Lorch und Stauffen an verprennen. Die baurn im dorff heten Lorch selbs verprennd. Darzu het er dem Bastlin wirt zu Elwanngen uff dem veld globt, wider den bund nicht mer zu thon, derhalben er sich nicht besorgt noch nit willens gwest zu ainichen bauren zuo ziehen. Sie heten dem Wirtenbergischen hauffen geschriben, sie solten zu inen komen, oder sie wolten zu inen hinab komen, und wer der pfarher von Dann in das Wurtenbergisch und Wurtzburgisch her gerihten. Was er auszgericht, wer ime nit wissend. Item es wer zu nachts ain baur von Hohenstauffen komen und gesagt, wie man in der nacht die puchsen, nemblich 6 karrenbuchszen unnd 20 hocken hinweg furen wolt. Wer ain hauff hinauff gezogen in mainung inen das geschutz zunemen, het man zu inen geschossen, da heten sie es gesturmbt, und inen doch nit
Item der pfarher von Biberszfeld2) het zweimale gepredigt zu Weltzhaim, so heten auch die baurn Herdegen von Hurhaim3) umb pulver unnd geschutz geschriben, der hett in ain feszlin ungeverlich mit 10 oder 12 lb[1] pulvers geschickt. Wolff von Rechberg4) het sich horen lassen, er wolt inen geschoss schicken, so sie des bedorfftenn. Item es seien ime 11 fl.[2] zu lone worden, als er hinweg gezogen. Schenck Gotzen5) unnd alle vertrage6) sey noch in der truhen, und haben ine die bawrn, der vogt von Dannenburg7) hab dieselben, copey gestellt. Schenck Gotz het inen nichzit geben, heten ime wol umb geschutz geschriben, hett er inen wider geschriben unnd gepeten, er sesz eben vor den von Hall, sie solten ime sein geschutz lassenn. Item Sebolt von Camperg, Schneiderhenslin von Stainbach und ainer von Kempten weren auch schreyber gewest. Er het sine itzo haim gehabt, het ine der pfarher von Westhaim unnder die burg gefuert und gesagt, es were ain bruderschafft alda. Sagt sie heten dem hauffen vor Wurtzburg und im Wirtenbergischen geschriben, sie wolten fur Hall, solten inen helffen, heten inen der hauff von Wurtzburg hilff zugesagt.
Unnd als man das geschutz hinab gefurt, wer er zu Elwangen gewest, heten dem pfarrher sein gaul und bitschir genomen und damit besigelt, were ain glock1), hett Jorg von Bebingen gehapt, unnd weren bey 20 rethen gewest. Der lang Weber under burg2) sey ain fennderich gewest. Der schmid von Biberszfeld, Ruck von Hutlingen3), Mulhanlin von Adelmaszfelden4), Hans Schlecht von Weltzhaim, Jorg Betz, Jorg von Bebingenn unnd ainer von Honhart5), wisz ine nit zu nennen, seyen hauptleut, Zuren Seitz von Sunthaim, schulthais Rollin von Hewbach profosz, uund ain hencker von Stutgarten da gewest. Item Jochim Schmid von Hutlingen unnd Heszman von Abszgemund6) seien auch fennderich gewesen. Schuchcontz sey der von Geilndorff fennderich gewesen, Melcher Binder von Betmar7) het sie, als der bunde komen, mundtlich gemant, zu dem hauffen im Wirttenbergischen lannde zu ziehen. Ler uffgezogen und ein gute weil hanngen lassenn.
Sagt sie heten Awlen, Camberg, die drew Aelfingen8) und andere schlosser auch ainnemen wollen, so die botschafft, das man die Wirtenbergischen bawrn geschlagen, nit komen were. Der pfarher von Westen9) sey nit in rethen gesessen, noch kain pfaff dan der vogt unnd pfarher von Dann. Man soll Jacob Muller10) fragen, was lust er zu inen gehabt,
Und gesagt, das ime weiters nit wissend, bitt nochmaln uffs hochst, die sach eigentlich zu erfaren. Darnach uff sambsztage in vigilia pentecostes1) seien Herman Buschler und Hainrich Schultheis wider uber den gemelten gefangen geschickt worden, der ist abermals mit reden hefftig angehalten.
Sagt, als man zu Lorch gewest und hinwege wollen ziehen, hab man umbschlagen und bey leib und gut verpieten lassen, das kainer das closter annbrenne. In dem wer Jorg von Bebingen und das geschutz noch darinnen gewest, unnd sunst iren sechs man. Het Jorg von Bebingen gesagt, sie solten herab zu der gemeind gien und luegen, das sie das closter nit anprendten; het einer under denselben sechsen gesagt, er, Jorg von Bebingen, solt sich hinausmachen, oder sie wolten ine erstechen unnd das closter must verprennd werden. Mitlerzeit hett das bawhaus angefanngen unnd pronnen, het Jorg von Bebingen etlich gesellen genomen und das geschutz mit den leuten heraus ziehen mussen, und wer eylends der kirchen zugeloffen, das sacrament und heilthumb2) genomen und hinab in das dorff getragen, dan es under dem hauffen ain gros murmeln gewest, das man es verprenndt. Solchs hett Jorg von Bebingen dem hauffen nachvolgennds dermassen angezaigt unnd furgehalten. Item er moge wol den brief schennckh Jorgen und schenckh Wilhalmen3) geschriben [haben], die rethe haben ime denselben also angeben, sei Binderhans ir hauptman unnd seins bedunckens Leonhart Hainer und Cristan bede auch darbey gewest. Unnd als man ain gemeinde zu Lorch gehalten, het Jorg von Bebingen anzaigt, die von Gemunde heten botschafft thon, sie wolten ain fendlin nach dem anndern durchlassen. Als sie aber komen, het man nit ain durchlassen wollen, weren sie gen Mutlangen4)
Als sie des erstmale von einander gezogen, heten sie zuvor ainhelliglich zusamen globen unnd schweren müssen, das dheiner under zwen den anndern nit lassen wollt; wa einem etwas von seiner herschafft widerfuer, wolten sie ainannder retten. Nachdem wer den Kochentalischen und Waibelhubischen2) bawrn gepoten worden floszholtz zu sthelen, des sie nit thon wollen und die auffrur wider gemacht, dan sie uff dem Gemunder walde alhe haim zogen und mit iren heren zu gutem friden gewest, das sie nit mer heraus komen weren. Also manten sie den Gmunder hauffen, wider zu inen gen Geilndorff zu ziehen, legen also daselbst unnd wolten, ire heren solten komen unnd hulden unnd die armen bey den 12 artickel pleiben lassen, unnd wer ir anschlag gewest, so der under und alle hauffen zusamen kemen, wolten sie Gemund, Awlen, Eszlingen, Backenaw, Heilpronn unnd wa sie im Wirtembergischen lannde nit gehuldigt, und zuletzst fur Hall ziehen, das sie alle hulden sollten. Alsz aber die von Halle zum hauffen komen, wolt man sie wider zu gnaden auffnemen. Er sey der zeit, als man dem poten den brieve wider geben, nit bey dem hauffen gewest, het aber seither darvon horen sagenn, die Hellischen baurn heten gemacht, das man fur Hall ziehen wollen, unnd wer Heintz Leidig offt zu den hauptleuten geloffen. Was er aber gehandelt oder gethon, wist er nit. Sie weren auch willens, sich alein uff die berg zu legern und in die heuser zu schiessen und die strassen, damit man nichts zufuren mocht, zu widerlegern. Unnd heten es alein aus der ursach gethon, das sie gemaint, es solt zu ainer newen reformacion komen sein. Der Wurtzburgisch hauff het den hauffen geschriben, das ain ieder hauff zwen oder drey man gen Hailnpronn schicken, wolten sie ratschlagen, wes sie sich halten solten. Item die bawrn heten den munchen das closter zu Murhart umb 300 fl. verkaufft, aber inen wer nichts darumb worden, weren auch willens, den abt zu Lorch nit mer ainkomen ze lassen.
Unnd wann sie den Wolffen zu Lorch gehapt, heten sie ine hingericht. Die bauren heten auch gesagt, als Hailpronn wider gefallen, wann sie hinein kemen, wolten sie in recht thon. Item als die baurn das erstmal abzogen, het schenck Wilhalm zu ime, Kirschenesser, gesagt, der pfaff hat gehanndelt, das er esz sein lebtag soll geniessen, ine Kirschenesser meinende, und man soll an ime, deszgleichen an Kaiszer Melcher (?) unnd dem vogt zu Gailndorff1) erfarn, wes er sich gehallten. Bitt daruff durch Gots willen, man soll ime den kopff abbawen, damit er der marter entledigt, dan er wisz nichts mer zu sagen. Ler auffgezogen unnd aber ain gute weil hangen lassen.
Sagt, er het von Murhart gantz nichts gepracht, dan ain buchlin, wer das narrenschiffe2); het er ainem baurn genomen, der wolt es zerrissen haben. In Lorch het er ain paredt verloren, het man ime gestolen. Des er gesucht, und under dem bett ain wallstecken3) mit aim messer gefunden; het er genomen und denselben sein bruders knecht von Gemunde geben. Item ain kupfferin kannten, het er umb 1 batzen kaufft und dieselben unnserm hauptman Jacob Mullern geschenckt. So heten ime die hauptleut das decret geben, wer itzo in Jorgen Betzen von Mutlangen haus verpronnen, und ain gemalts tuchlin, hab unser hauptman itzo. Item er hab unsern hauptman umb ain deckin gepeten, so hett er hauptman unnd Hasellienlin von Merklingen ieder ain kussin genomen. Deszgleichen het ime Jacob Müller ain gemalts tuch von des abts betlach geben, unnd hab mit sein, Jacob Mullers, wiszen ain alts külbeckin4) genomen. Jorg von Bebingen het inn Haimprandt des vogts zu Geilndorff haus etlich seiden genomen, die wer in sein haus komen, aber itzo wider hinweg.
Dem pfarher von Tann sey ain sessell mit mesz1) knopffen worden, derselb were alweg oberster, was er in hiesz, must er thon. Bat daruff abermals, man solt ime den kopff abhawen, damit er nit dermasz gemartert wurde, dan er uff sein letzst ende nichts mer wisz zu sagen. Das nam er uff das allerhochst. Also ist abgeschiden und ime gesagt, er soll sich bedennckenn, wan man wider kome, das er die warhait anzaige. Darnach uff freytag nach dem achtennden corporis Christi2) anno ut supra ist obgenannter her Wolffgang Kirschenesser enthaupt unnd mit dem schwert gericht worden, inhalt der urthail, so hernach an dem zwolfften plat geschriben stät. Dieses Urteil, auf Bl. 40 b verzeichnet, lautet folgendermassen: Urtaile.
Die armen, so hie steen gefangen und gepunden, mit namen Wolffgang Kirschenesser pfarrer zu Frickenhofen, Michel Kling der Sichelschmid, burger alhie, Semelhans von Newenstain unnd Veyt Lanng von Geiszlingen, haben wider ordnung Gotes, Romisch kayserlich maiestat, das hailig reiche, den loblichen punde in Schwaben, auch andere ire hern, mit der thate unnd uffrurigen worten vor anndern gehandelt. Darumb haben die richter unnd räthe uff ihr aide unnd freyhait sage erkennt, das sie den tode verschuldt, unnd das man sie hinaus furenn unnd mit dem schwert richten solle, so lannge bisz sie von dem leben zum tode gepracht werden. Actum freytags nach dem achtenden corporis Christi anno 1525. Anmerkungen (Wikisource) |
