Zedler:Vorrede 1

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Vorrede 2

Band: 1 (1732), Spalte: . (Scan)

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Vorrede über das Universal-Lexicon.
§. 1. Es unternimmet der Verleger dieses Universal-Lexici ein Werck / daran noch kein anderer / weder in Teutschland, noch ausserhalb in andern Reichen und Staaten, sich wagen dürfen. Dahero ihme, als Anfänger und Urheber desselben / die Ehre und der Vorzug davon auch billig gebühret. Und wie er den Anfang in dem ersten Folianten / innerhalb Jahres Frist / nach überwundenen unsäglichen Hindernissen / die abgönstige und eigennützige Leute ihme gemachet / ans Licht gestellet: so hat man um so viel weniger zu zweiffeln / daß nun / unter dessen unermüdetem Fleiß und milder Aufwendung aller Kosten / er mit Fortsetzung und Endigung desselben / um so viel leichter zum Stande und einem gesegnetem Ende kommen werde. Dann nunmehro das gantze Werck / zur Ehre und Nutzen der Teutschen, mit Kayserl. und Königl. allergnädigstem Schutz / als einer vesten Burg bewahret; daß sich niemand weiter unterfangen mag / weder die Arbeit, noch den Druck, noch auch den Verkauff davon / aus irgend einem Vorwand / zu hindern. Benebenst hat der Verleger nun alle Mitarbeiter / an diesem grossem und weitläufftigem Bau / zusammen gebracht und in seinem Sold stehen; deren ieder sein Werckzeug / an Büchern und Schrifften, darnach dergestalt eingerichtet; daß ihme nunmehro die Fortsetzung leichter und geläuffiger werden muß / als der Anfang desselben gewesen.
Dieses Universal-Lexicon hat seines gleichen nicht.

Der Anfang schwerer, als das Ende.
§. 2. Das gantze Werck führet den Nahmen eines Universal-Lexicons; den man / mehr dem heutigen Gebrauch zu gefallen / der Sache gegeben; da hingegen die Wichtigkeit und Weitläufftigkeit derselben ein bessers Wort billig verdienete. Dann andere Bücher, welche / nach dem Alphabet / jedoch nur eine Art, von so vielerley Artickeln, die alhier beysammen, ausmachen / prangen mit weit mächtigern Nahmen; die man / zu solchem Ende / theils von den Griechen, oder den Lateinern erborgen müssen / um denselben ein besonderes Ansehen in dem Titel zu machen. Sie heissen THEATRA; THESAVRI [2] POLIANTHEAE; BIBLIOTHECAE; MVSEA; ARMAMENTARIA; FORA; ARCHIVA; PALATIA; PROMTVARIA; PANDECTAE; SPECVLA; POLYMATHIAE; ARISTARCHI; CRITICI; ADVERSARIA; und so weiter. Welche also von Schauplätzen; Schaubühnen; Schatzkammern; Rüst- und Bücherkammern; Zeughäusern; Gärten; Märckten; Messen; Archiven; Pallästen; Speisekammern; Alles in allem; Spiegeln; Vielaugen; Säälen u.s.w. genommen / und folglich mehr Aufsehen erwecken / als das schlechte Wörtgen LEXICON oder Wörterbuch.
Der Nahme LEXICON ist nach der heutigen Weise genommen.

Dahingegen kleinere Bücher grössere Titul führen.
§. 3. Dann in der That kommet ΛΕΞΙΚΟΝ von ΛΕΞΙΣ oder Wort, und heisset nur ein VOCABVLARIVM, DICTIONARIVM oder Wörter-Buch. Und sollte man sich fast wundern; wie dieses an sich schlechte Wort / in dem Gehör der heutigen Gelehrten / so viel Platz und Annehmlichkeit finden mögen; daß jetzund fast alles / was nach alphabetischer Ordnung eingerichtet / diesen Namen LEXICON vor an führet. Man findet in den Buchläden, 1) ausser denen vielen Historischen Lexiconen / oder / wie sie die Frantzosen in ihrer Sprache genennet / Dictionairen / 2) Biblische 3) Theologische 4) Juristische 5) Medicinische 6) Philosophische 7) Mathematische 8) Staats- 9) Zeitungs- 10) Antiquitäten- 11) Heiligen- 12) Schul- 13) Adels- 14) Kunst- oder Handwercks- 15) Natur- 16) Gelehrte 17) Geographische 18) Haußhaltungs- 19) Frauenzimmer- und endlich auch 20) Diebs- und Spitzbuben-Lexica. Daraus denn ieder den Brauch und Mißbrauch dieses Worts leichtlich erkennen / und / wann es also fortwähren sollte / zum Voraus sehen wird; daß endlich die gantze Gelahrtheit sich in die Lexica verstecken werde.
Denn LEXICON oder LEXICVS heisset ein Wörterbuch.

Aber die heutige LEXICA handeln von unzählichen Sachen.
§. 4. Inzwischen ist denen Alten dieser Nahme LEXICON sowol / als auch diese Art / zu schreiben / fast unbekant gewesen. Dann selbsten Henricus STEPHANVS, da er sein mächtig grosses Griechisches Wörter-Buch verfertigen lassen / in keinen Griechischen alten Schriften / die er doch meistens alle / zu diesem Behuf / durchlesen und ausziehen lassen / das Wort LEXICON finden können. Dahero er auch lieber solches THESAVRVM LINGVAE GRAECAE heissen / als mit dem so neuem Wort LEXICON benennen wollen. Ohngeachtet er in seinem Lateinischem Wörter-Buch den Nahmen DICTIONARIVM behalten; welches Wort aber gleichwol auch bey den alten und reinen Lateinern nicht anzutreffen. Weßwegen das Frantzösische Wort Dictionaire des MORERY; BAYLE; MENAGE u. a. dem jüngern Münchs-Latein gleichfalls zuzuschreiben. Welche diese Wörter bald in masculino, bald in neutro gebrauchet / und DICTIONARIVS (liber) oder DICTIONARIVM (uerbum) auch / aus eben dem Verstande / VOCABULARIVS und VOCABULARIVM geschrieben haben. Da nun weder die Griechische noch die Lateinische reine alte Sprache ein Wort gehabt / welches ein Wörterbuch mit eins ausdrücken mögen; so haben die folgende Zeiten / diese Armuth zu ersetzen / eine billige Ursache genommen / und die Wörter LEXICON, DICTIONARIVM u.s.w. eingeführet. Welches auch die vernünftigen Römer sich nicht entgegen seyn lassen / ihre Sprache dadurch wortreicher zu machen.
LEXICON ist kein gutes Wort.

Sondern in den neuen Zeiten gemachet.
§. 5. Doch der Einwurf / in der Neuigkeit des Wortes LEXICON, ist noch zu beantworten. Weil der bekannte Auszugmacher von Griechischen Büchern / so im IX. Jahrhundert nach Christi Geburt gelebet / PHOTIUS, uns zwölf Griechische [3] von ihm so genannte / LEXICA anzeiget. Und zwar von verschiedenen Gattungen: deren einige nur die Wörter, andere aber auch die Sachen selbsten erkläret. Mithin daraus zur Gnüge erhellet / daß der Nahme LEXICON so wohl / als dergleichen Bücher selbsten nicht ungebräuchlich gewesen. Nur es gehören alle diese Lexiconschreiber in das 11. und folgende Jahrhundert, da die Griechische Sprach nicht mehr in ihrer Lauterkeit geredet worden / mithin derjenige / wer diese lernen wollen / der alten Griechischen Historienschreiber; Poeten; Redner; Weltweisen; u.a.d. Bücher nöthig gehabt / darzu dann dergleichen LEXICA GRAECA den Weg bahnen müssen.
Wann das Wort LEXIKON aufgekommen?
§. 6. Und bey dieser Gelegenheit kan man die Ursachen leichtlich finden / warum zu den Zeiten / da die Sprachen lebendig, das ist / in mündlichem Gebrauch seyn / man keine stumme Lehrer oder LEXICON nöthig gehabt habe. So / daß deswegen alle die Griechische LEXICA, die PHOTIVS gelesen und in eine Anzeige oder Auszug bringen wollen / in Ansehung der reinen Griechischen Bücher, gantz neu seyn / und in das 11. Jahrhundert auch weiter herunter fallen. Dahero auch bey den Römern kein Lateinisches Wörter-Buch zu den Zeiten anzutreffen / als die Lateinische Sprache in der vollkommenen Reinlichkeit im Reden und Schreiben gestanden. Denn was VARRO; Verrius FLACCVS; FESTVS; NONIVS u. a. in den ersten und alten Zeiten des guten Lateins / geschrieben / solches kommet auf etymologien oder Wörter-Quellen / oder auch den Gebrauch der veralteten Nahmen an / welches hieher nicht gehörig. Dahingegen uns sehr damit gedienet wäre; wann / an statt des heutigen brauchbaren NIZOLII / zu Tullii Zeiten / sich ein Römer die Mühe genommen hätte / ein Lateinisches Wörter-Buch, oder von Lateinischen Redens-Arten zu schreiben. Gleichwie aber die Menschen nur auf ihre Zeiten insgemein zu sehen pflegen; auf die künftige aber gar wenige oder wol gar keine Absicht zu nehmen / sich die Mühe geben: also läßt sich die Ursache / daß sie solches unterlassen / gar leichtlich errathen. Dann sie vermeinten / die Lateinische Sprache und Redens-Arten würde man lieber von geübten Zungen hören; als durch mühsames Schreiben und Lesen sich bekannt machen. Sie glaubten nimmer / daß eine Zeit kommen würde / in welcher das gute Latein aussterben / und nirgends mehr / als in geschriebenen Büchern / übrig bleiben würde. Welcher letzteren man gleichwol erst / bey dem Abgang der ersteren / vonnöthen. Und deswegen fehlet es an alten Lateinischen Wörter-Büchern sowol / als auch an alten Lateinischen Sprach-Büchern und Grammaticis.
Warum in den alten Zeiten keine LEXICA vorhanden?
§. 7. Und man kan die Ursachen nicht weniger / aus dem Zustand unserer Zeiten / erreichen. Wir reden, lehren und schreiben in unserer Teutschen Mutter-Sprache. Wir erheben denjenigen absonderlich / der rein, wohl und deutlich schreibet. Wir wollen / daß diejenige / so uns lieb seyn / sich zeitlich daran gewehnen. Wir geben den Preußischen und Chur-Sächsischen Cantzeleyen vornemlich den Vorzug; daß selbige / für andern in Teutschland / eine gute / reine und beschnittene Feder haben. Wir bewundern / daß auch / in den heutigen Zeiten / an andern hohen Orten / da die Schreibarth, vordem / etwas rauher ausgesehen / solche nunmehro viel artiger und angenehmer werde. Und gleichwol haben wir noch kein vollständiges Teutsches Wörterbuch, keine wohl eingerichtete Teutsche Sprachkunst. Und diejenige, die wir etwa noch haben / sind in wenigem [4] Gebrauch. SCHOTTELII seine Teutsche Gesetze, die doch sehr irrig und mager / sind endlich einmal wieder aufgeleget: aber seine Teutsche Grammatica und Wörterbuch bleiben liegen. Und der Verleger des so genannten Spathen hat darüber geklaget / daß dessen Teutsches Wörterbuch, daran dieser Mann gleichwohl viele Arbeit gewendet / zum Ladenhüter worden. Auch was / ausser diesem / andere in solcher Kunst gethan / solche sehen diejenigen / die sich von der Teutschen Sprach / in der Kirchen und in den Cantzeleyen, ernähren / fast mit Verachtung an. Und dieses alles aus dem Vorurtheil; daß der tägliche Gebrauch allein der beste und eigene Meister seyn solle.
Warum wir noch jetzo kein Teutsches Wörterbuch haben? oder achten?
§. 8. Die Frantzosen und Italiäner sind allein diejenigen / welche anders Sinnes worden. Denn diese haben gantze Sprach-Gesellschaften zu dem Ende angestellet / um in ihrer Muttersprache vollständige und geschickte Wörterbücher zu haben / dadurch auch diese Völcker den Vorzug erlanget; daß diese Sprachen von auswärtigen häuffiger erlernet und höher gehalten werden. Da doch beyde Sprachen an sich in der grössesten Barbarey und einem Mischmasch und Gemenge aus dem Lateinischen und alt-teutschen Zungen- und Mund-Arten bestehen / und wenig geschicktes haben / lauter und rein zu werden. Im Gegentheil aber das Teutsche seine eigene Namen und Wörter hat / welche durch die Sprachkunst, viel leichter in die grösseste Vollkommenheit und Wohllaut zu setzen. Wann sich nur die Teutschen so viel Mühe / als jene Fremde geben wollten / durch Wörterbücher / und andere Hülfsmittel / ihre Reden in ein vernünftiges und beständiges Geschicke zu setzen / und was selbige aus Unverstand / übler Gewohnheit und Ubermuth / von fremden Sprachen / ohne Noth / angenommen und eingemenget / auszumustern.
Dahingegen hierunter den Frantzosen und Italiänern der Vorzug zu lassen.
§. 9. Dem sey aber / wie ihm wolle / so sind doch auch die ältesten LEXICA in der Griechischen Sprache sowol / als in der Lateinischen / vor keine blosse Wörterbücher zu halten / weil selbige allerhand Lebens-Beschreibungen und andere zur Gelehrsamkeit dienliche Sachen mit einmengen / welche denen heutigen so genannten REALLEXICIS, in gewisser Maaß / gleich seyn. Von dieser Gattung benennet uns nicht allein PHOTIVS einige / die er selbsten gelesen: sondern es mögen uns auch HESYCHIVS; HARPOCRATION; SVIDAS; POLLVX und andere / die noch jetzo im öffentlichem Druck sind / zum Muster dienen. Und in der Lateinischen Sprache haben VARRO; FESTVS; FLACCVS; MARCELLVS; ISIDORVS, die unser fleißiger DIONYSIVS GOTHOFREDVS zusammen drucken lassen / es gleichfalls nicht allein bey denen Wörtern bewenden lassen; sondern / aus dem Alterthum und fast allen Wissenschaften / hier und dar etwas mit angebracht / welches den Wehrt derselben noch jetzo vermehret.
Alle Wissenschaften in LEXICA zu bringen.

Weise der Griechen
Römer
§. 10. Und weil diese Weise einmal unter denen Gelehrten aufgekommen; bey Erklärung der Wörter / auch in die Erklärung der Sachen auszulaufen: so hat man endlich das Wort LEXICON fahren lassen / und dafür ein anderes Wort GLOSSA oder GLOSSATOR gebrauchet; gleich als wenn solches von mehrerern und reichern Bedeutungen seyn solte. Und alle diese / welche nur jemahls dergleichen Glossaria entweder in Griechischer oder Lateinischer Sprache geschrieben / hat der belesene und gelehrte du FRESNE benennet / und nach solcher [5] Weise / sich dieses Namens in seinen glossariis medii aeui Graecitatis & Latinitatis gleichfalls bedienet. Obschon das Wort an sich nicht eben das Geschicke hat / die Sache selbsten auszudrucken. Dann GLOSSA heisset eigentlich nur eine besondere Mund-Art in einer Sprache. So wie in der Griechischen die Athenienser eine andere Ausrede / als die Jonier / und beyde anderst / als die Aeolier und Doriser gehabt haben. Und wie das Niederteutsche von dem Hochteutschen unterschieden. Wer nun diese glossas oder Mund-Arten erklärete; der hiesse Glossator oder Glossographus ein Glossenmacher. Nur / von den verschiedenen Mundarten der Völcker / sind endlich dergleichen Ausleger auch so gar auf die Wörter einzeler Schreiber gefallen. Weil doch auch unter diesen / wie jedweder seine eigene Hand; also auch seine eigene Redens- und Schreib-Art hält / derer ihre Erläuterung die Glossatores auch über sich genommen. Und wie diese über die alten Griechen den HOMERVM; HESIODVM; HIPPOCRATEM u. a. aufkommen: so haben sich nachhero dergleichen GLOSSATORES auch über die H. Schrift und das Römische Gesetz-Buch gemachet / und jeder sein Heyl in der Dolmetschung ihrer Redens-Arten versuchen wollen. Dahero dann viererley Glossenmacher entstanden. Die erstere / welche bey Erklärung der besondern Mund-Arten geblieben; die andere, welche die Wörter selbsten und deren Bedeutung gewiesen; und dieses entweder überhaupt oder über einen besondern Schriftsteller; die dritte die zugleich in Sachen ausgelauffen / und vieles von Wissenschaften unter das Alphabet gezogen; und die vierde / welche sich um die Worte gar nicht; sondern vielmehr um die Erklärung der Schrifften und Sätze bekümmert / und ihre Einfälle dabey überschwänglich groß gemachet / und in eine ungeheure Weitläufftigkeit aufgeschwellet haben. So daß endlich aus der nützlichen Bedeutung des Wortes glossa; glossema; glossator; glossographus, ein schimpflicher Verstand und Gebrauch der Sprichwörter entstanden: es sind Glossen, d. i. Träume, Gewäsche, verkehrte Deutungen und Auslegungen.
LEXICA verkehren sich in GLOSSAS.
§. 11. Und es scheinet / daß die Rechtsgelehrte deswegen / an statt des nunmehro den Juristen verächtlichen Wortes GLOSSA, andere Namen / von Paratitlis oder Commentariis gesuchet; die H. Schriftgelehrte dafür eine besondere Wissenschaft aufgebracht, die Sie ἐξἠγεσιν oder Exegesin nennen. Die Weltweise und Wörtergelehrte ihre Erklärungen SCHOLIEN und sich selbsten Scholiasten oder auch CRITICOS geheissen und das Wort GLOSSA damit so wie zu Grabe getragen. Jedoch weil auch dieses ein Stück der Gelehrsamkeit worden; die Schriften der Halbgelehrten in den mittlern Zeiten zu verstehen: so sind die GLOSSARIA dergestalt wiederum aufgekommen / daß man dieselbe vor die Erklärung der unbeholfenen Wörter mittler Halbgelehrter Zeiten hält; obgleich die Verfasser an sich / noch so gelehrte und geschickte Männer gewesen.
Neue Auslegernahmen von den Juristen,
Theologen,
Philosophen

Neue Bedeutung der GLOSSARIEN.
§. 12. Gleichwie nun aus dem / was bishero erwiesen / zur Gnüge erhellet / warum der Urheber dieses Werck LEXICON genennet: so ist nunmehro auch die Ursache anzuzeigen / warum dasselbe / durch das Beywort VNIVERSAL sich von andern bisherigen LEXICIS unterscheide und ausnehme. Man hat auch dieses Wort nicht so wohl dem reinen Latein zu gefallen; sondern gleichfalls deßwegen erwählet, weil der heutige Gebrauch desselben üblicher ist / als andere [6] dergleichen Wörter / die gleiche Bedeutung haben. Die THEOLOGI bedienen sich dessen / indem sie aus denen Universalisten und Particularisten besondere Hauffen machen. Die Rechtsgelehrte theilen ihre Wissenschaft in Iurisprudentiam uniuersalem, die der Natur nach / allen Menschen gemein und particularem, welche in diesem oder jenem Staat ins besondere eingeführet. Die MEDICI haben über der Panacea oder Universal-Medicin einen mächtigen Streit. Da nun solches Wort gäng und gäbe; so hatt man solches lieber / als andere nehmen wollen / die gleiches heissen. Als General-LEXICON oder Griechisch LEXICON CATHOLICVM / ein allgemeines LEXICON, welchen letztern Beynahmen aber man deßwegen vor unfüglich gehalten; damit nicht Teutsch und Latein in einem Buch-Titel zusammen kommen mögten.
Warum es ein Universal-Lexicon heisse?
§. 13. Die hohe Schulen, da allerhand Wissenschaften gelehret und getrieben werden / nennet man deswegen VNIVERSITAETEN und ihre Lehren heissen STVDIVM VNIVERSALE. Und gleichwol mag man von unserm VNIVERSAL-LEXICON sagen: daß dessen Gräntzen viel weiter, als die Academische Wissenschaften / so viel derer auch nur seyn mögen / reichen. Der Leser findet alhier / nach alphabetischer Ordnung / nicht allein was zur THEOLOGIE; IVRISPRVDENZ; MEDICIN; PHILOSOPHIE; HISTORIE; MATHESI u. a. Dingen / welche auf hohen Schulen getrieben werden / gehörig: sondern auch viele Hof-Cantzeley-Jagd-Forst-Kriegs- und Friedens-Sachen; wie nicht minder dasjenige / was die Künstler und Handwercker, auch Hauswirthe und Kaufleute im Gebrauch / woran insgemein auf hohen Schulen nicht gedacht zu werden pfleget.
Gehet über der Universitäten ihre Wissenschafften.
Persönliche Werkzeuge