ADB:Fischer von Erlach, Johann Bernhard

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Artikel „Fischer v. Erlachen, Johann Bernhard“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 82–83, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fischer_von_Erlach,_Johann_Bernhard&oldid=3439450 (Version vom 15. Oktober 2018, 13:23 Uhr UTC)
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Fischer: Johann Bernhard F. v. Erlachen, Architekt, wurde im J. 1650 zu Prag geboren, erhielt eine treffliche Erziehung und widmete sich nach zurückgelegten Gymnasial- und Universitätsstudien dem Fache der Baukunst, für welches er schon in früher Jugend ein entschiedenes Talent gezeigt hatte. In Rom, wohin sich F. in seinem 20. Jahre begab, eignete er sich die damals durch Bernini und Borromini zur Geltung gebrachten Formen des Barokstyls an und verpflanzte dieselben nach Wien, wo er sich um 1675 häuslich niederließ und 1724 starb. Eine ungemeine Leichtigkeit im Entwerfen und ein nicht abzusprechender [83] Sinn für Großartigkeit verschafften ihm hier eine solche Anerkennung, wie sie wenigen Künstlern in so hohem Grade zu Theil geworden. F. wurde in den Adelstand erhoben, zum kaiserlichen Rath und Oberlandbaumeister ernannt und entwickelte in dieser Stellung eine Thätigkeit, welche sich über alle Theile der österreichischen Monarchie ausbreitete. Neben mehr als zweihundert Bauten, welche unter seiner persönlichen Leitung ausgeführt wurden, hat er wenigstens für eben so viele die Pläne gefertigt und war außerdem als Vorstand des Baudepartementes ununterbrochen in Anspruch genommen. Seine umfassendsten Werke befinden sich in Wien, obenan die berühmte Kirche des heiligen Carolus Borromäus, ein gewaltiger Kuppelbau mit korinthischem Portikus und zwei nebenan stehenden säulenartigen Rundthürmen, ferner die Hofbibliothek, das Reichskanzleigebäude, die Reitschule und viele große Paläste. Unter den außerhalb Wien hergestellten Baudenkmalen zeichnen sich aus das kaiserliche Schloß Schönbrunn, die Universitätskirche in Salzburg, die Pfarrkirche zu Haindorf unweit Friedland in Böhmen und das Palais des Grafen Clam-Gallas in Prag. Wenn F. in seinen frühesten Werken den Einfluß Borromini’s vorwalten läßt und die abenteuerliche Formgebung dieses Meisters nur allzusehr befolgt, wußte er sich nach und nach von dieser Manier frei zu machen, indem er sich der römischen Hochrenaissance näherte. In dieser Weise sind das Schloß Schönbrunn, die Kirche in Haindorf und der Clam’sche Palast ausgeführt: letzterer Bau, 1718 vollendet, darf namentlich als sein Meisterwerk und zugleich als eine der vorzüglichsten Schöpfungen der Renaissance in Deutschland anerkannt werden. Zwei mit Giganten ausgestattete Prachtthore zeichnen die Hauptfronte aus, darüber erheben sich zierliche Balkone, dreitheilige Fenster und geschmackvolle Attiken. Dieses Werk ist oft copirt, aber nie erreicht worden: vor allen gelten die Gigantenthore und der zwar kleine, aber höchst gefällig angeordnete Hof heute noch als unübertroffene Muster derartiger Anlagen. Dabei verstand es der Meister, wie kein zweiter, alle Unregelmäßigkeiten des Terrains zu bewältigen und dem irregulärsten Bauplatze eine harmonische Anlage abzugewinnen. Auch als Schriftsteller und Kupferstecher war F. v. E. thätig, indem er unter dem Titel: „Entwürfe historischer Baukunst etc.“ eine Sammlung von Abbildungen verschiedener Denkmale des Alterthums und späterer Zeit veröffentlichte, auch mehrere Platten eigenhändig radirte oder mit dem Grabstichel ausführte. Unter den deutschen Baumeistern dieser Periode behauptet er unbestritten den ersten Rang, indem ihm nur Andreas Schlüter zur Seite gestellt werden könnte, welchen jedoch F. in Bezug auf Erfindungsgabe und constructive Kenntnisse bei weitem übertrifft. In Anerkennung der großen Verdienste, welche dieser Künstler sich um die Verschönerung der Stadt Wien erworben, wurde daselbst vor einigen Jahren sein Standbild in den neuen Anlagen neben dem des edlen Rechtslehrers Sonnenfels aufgestellt.

Auch sein Sohn, Joseph Emanuel F. v. E., Hofbaumeister des Kaisers Karl VI., war ein vielseitig gebildeter Architekt und Mechaniker, welcher viele der von seinem Vater begonnenen Bauten vollendete, das Innere der Karl-Borromäuskirche ausstattete und sich zugleich durch den ganz nach eigenen Plänen ausgeführten fürstlich Schwarzenberg’schen Sommerpalast in Wien als genialer Künstler bewährte. Er starb nach dem Wiener Todtenprotocoll als k. k. Kammerrath und Architect am 28. Juni 1742, 47 Jahre alt.

Dobrowsky, Böhmische Litteratur. Füßli, Allgemeines Künstlerlexikon und Supplemente. Förster, Geschichte der deutschen Kunst, III. 52.