ADB:Höniger, Nikolaus

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Artikel „Höniger, Nikolaus“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 71–72, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:H%C3%B6niger,_Nikolaus&oldid=3478685 (Version vom 24. Februar 2019, 03:56 Uhr UTC)
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Band 13 (1881), S. 71–72 (Quelle).
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Höniger: Nikolaus H. (Honinger), Schriftsteller in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ueber sein Leben ist bis jetzt äußerst wenig bekannt worden und auch dieses läßt sich nur aus den Titeln, Vorreden und Dedicationen der von ihm verfaßten Bücher erschließen. Hiernach war er gebürtig von Königshofen an der Tauber in Franken und scheint sich in späteren Zeiten eine Zeitlang in Rottenburg a. d. Tauber aufgehalten zu haben. Wie seine Uebersetzungen lateinischer Schriften ins Deutsche sowie seine lexicographischen Arbeiten darthun, hatte er eine gelehrte Bildung erhalten, wie er sich denn auch in kleinen lateinischen Gedichten versuchte. Zuweilen nannte er sich auch anagrammatisch: Calonius Ghöneirus. Sein Geburts- und Todesjahr sind gänzlich unbekannt. Unter seinen Schriften, die fast alle bei Henric Petri zu Basel in Druck erschienen, ist seine mit Holzschnitten versehene neue Uebersetzung der Geiler’schen Predigten über das Narrenschiff (1574) am bekanntesten geworden und erfreute sich vielleicht auch deshalb einer guten Aufnahme, weil das Buch, wie fast alle aus jener Officin hervorgegangenen Drucke (vgl. Stockmeyer, Basler Buchdruckergesch. S. 136 ff.) durch Schönheit der Typen und gutes Papier sich auszeichnete. Diese nach der ersten echten Ausgabe von 1494 überarbeiteten Predigten führen den Titel „Weltspiegel oder Narrenschiff“ und sind dem Abte Silberstein von Wettingen gewidmet. Am Ende des Buches sagt H., der Leser solle nicht etwa denken, als wenn er (H.) sich allein für klug hielte und nicht unter die Narren wolle gezählt werden, denn er müsse bekennen, daß auch er schon heftig mit der Narrenkolbe sei geschlagen worden. Im J. 1573 ließ er gleichfalls mit Holzschnitten ausgestattet in zwei Theilen erscheinen: „Der Hoffhaltung des Türckhischen Kaysers Beschreibung bis auff diß M.D.LXXVII. jar.“ Der erste Theil dieser türkischen Geschichten ist den Bürgermeistern, dem Rathe und der Bürgerschaft der Reichsstadt Rothenburg a. d. Tauber und zwar deshalb dedicirt „dieweilen das Regiment der weitberühmten Stadt, die an Schönheit und Gelegenheit des Orts der heil. Stadt Jerusalem jederzeit verglichen wird, ganz christlich und ordentlich angerichtet ist“. In demselben Jahre lieferte er zwei weitere Werke, eine deutsche Uebersetzung der Descriptio belli Juoniae unter dem Titel „Walachische Kriegs Beschreibung“ (Freytag, Anal. 515) und der „Historia de ingressu Polon. in Walachiam“ sowie einen „Spigel deß Weltl. Röm. Bapsts … deßgleichen von jhrem lästerlichen Leben vnd Mord“. Als Lexicograph gab er 1584 gemeinschaftlich mit Jac. Cellarius ein „Dictionarium graeco-latinum“ heraus. Eine weitere Schrift, die er 1585 jedoch ohne Druckort und unter dem Namen „Calonius Ghöneirus“ veröffentlichte, ist ein Wiederabdruck der zuerst 1543 erschienenen Chronik des Sebastian Franck und sein letztes mir bekannt gewordenes Buch ist betitelt: „Ergründunge deß Tridentinischen Conciliums“ (Basel 1587).

[72] Jöcher II, 1692. Clessius, Elenchus II, 197, 243. Sinceri Neue Nachrichten I, 295–96. Baumgarten, Nachrichten VI, 119. Flögel, Kom. Liter. III, 117–18. 131–36. Zarncke, Narrenschiff XCIII. Weller, Annalen II, 304.