ADB:Paoli, Betty

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Artikel „Paoli, Betty“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 167–171, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Paoli,_Betty&oldid=2512652 (Version vom 24. April 2017, 11:10 Uhr UTC)
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Band 53 (1907), S. 167–171 (Quelle).
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Paoli *): Betty P., Deckname für Babette Elisabeth Glück, deutsch-österreichische Dichterin. Dieselbe wurde am 30. December 1814 in Wien geboren. Ihr Vater war Militärarzt und starb frühzeitig. Die zurückgebliebene Mutter hatte über ein ansehnliches Vermögen zu verfügen, verlor dasselbe aber durch ungünstige Spekulationen, als B. P. 15 Jahre alt war, welche bis dahin eine treffliche Erziehung genossen und namentlich bei dem Grammatiker Schmidt vorzügliche Sprachkenntnisse erlangt hatte. Dies befähigte nun allerdings das junge Mädchen, für ihren und ihrer Mutter Lebensunterhalt zu sorgen. Zu jener Zeit dichtete die P. auch ihre ersten Lieder. Um 1830 verließ sie mit der Mutter Wien, da sie die Erziehung eines Mädchens in Rußland zu übernehmen hatte und ihr dabei die Vergünstigung zu Theil wurde, die Mutter an der Seite haben zu dürfen. Aber es dauerte nicht lange, und Beide verließen, da die Mutter rastlose Unruhe bedrängte, fluchtartig diesen Posten. Zudem traf das Mädchen das Unglück, daß die Mutter damals starb und ihre Tochter schutzlos in einem kleinen galizischen Orte zurückließ. Zufällig fand sich für dieselbe eine Stelle als Erzieherin bei einer polnischen Familie, wo sie mehrere Jahre verblieb, wobei ihr wieder die errungenen Kenntnisse einer Reihe von europäischen Cultursprachen sehr zu statten kamen. Eine gewisse trübe Schwermuth hatte sie aber schon damals nicht verlassen, sie schrieb zu jener Zeit eine große Anzahl religiöser Gedichte. Im J. 1835 kehrte B. P. nach Wien zurück. Schon vorher, 1832–33, hatte sie in einem Prager Blatte verschiedene ihrer Gedichte veröffentlicht, damals aber wurden ihre neu entstandenen Poesien in der vortrefflichen „Wiener Zeitschrift“, die J. Witthauer herausgab, aufgenommen. Den Lebensunterhalt bestritt sie durch Stundengeben und Uebersetzungen, insbesondere aus dem Russischen. Im J. 1841 erschien ihr erster Band „Gedichte“, [168] welcher dem in seinen Poesien so manche Aehnlichkeit mit der P. aufweisenden Lenau „als Zeichen freudigster Anerkennung und innigster Bewunderung“ gewidmet war. 1845 konnte man schon die 2., vermehrte Auflage dieser Gedichtsammlung verzeichnen. Auf einer Reise nach Pest, die B. P., eine Existenz suchend, im J. 1841 unternahm, wurde sie dem angesehenen Hause des Wiener Philanthropen Josef Wertheimer empfohlen, wo sie als Gesellschafterin von dessen Gattin in Wien eine sichere, angenehme Stellung, erhielt. Da in jenem Hause die ersten Geister der Residenz verkehrten, lernte sie daselbst den von ihr besonders hoch geschätzten Grillparzer kennen, aber auch Adalbert Stifter, H. Lorm, Hammer-Purgstall, Ottilie v. Goethe, Feuchtersleben und verschiedene dramatische Künstler und Künstlerinnen, von denen namentlich die reizende Louise Neumann genannt sei. Als sie im Sommer 1842 mit dem Ehepaare Wertheimer in Baden bei Wien weilte, machte sie die Bekanntschaft Nikolaus Lenau’s, ihres dichterischen Ideals. Noch ist ein Besuch Betty Paoli’s bei der Familie Morpurgo in Triest aus jenem Jahre zu erwähnen.

1843 erschien der P. zweite Gedichtsammlung: „Nach dem Gewitter“. Dasselbe Jahr sollte für ihr weiteres Leben bedeutsam werden, denn sie wurde von der Fürstin Marianne Schwarzenberg, der Wittwe des Marschalls Karl v. Schwarzenberg, als Gesellschaftsdame aufgenommen. Dieser durch Herzens- und Geisteseigenschaften ausgezeichneten Fürstin blieb B. P. in Dankbarkeit und Verehrung ergeben bis zu deren Tod. Auch Adalbert Stifter verkehrt in der Fürstin Hause, und damals traf er öfter mit der P. zusammen. In seinem Roman „Nachsommer“ hat Stifter später sowohl die Fürstin wie auch die P. als charakteristische Gestalten gezeichnet und die bezüglichen Stellen daraus können ganz wohl als Beiträge zur Lebensgeschichte Betty Paoli’s der damaligen Zeit gelten. Als Gesellschafterin, ja gewissermaßen als Freundin der Fürstin begleitete sie diese auch auf Reisen und hatte mit derselben Paris, Helgoland, Berlin besucht und dabei eine Zahl interessanter persönlicher Bekanntschaften gemacht, so unter anderen auch jene Ludmilla Assing’s und Varnhagen v. Ense’s. Auf das tiefste berührte die Dichterin der Tod der Fürstin im März 1848, welcher sie ein bleibendes hochverehrendes Andenken bewahrte. Obgleich sich die Söhne der Fürstin, Karl und Friedrich, um die, nun wieder unsichern Lebensverhältnissen Preisgegebene bemühten, war sie doch genöthigt, sich ihre Existenz durch eigene (journalistische) Thätigkeit, durch Unterrichtsstunden in Stilistik und Litteraturgeschichte u. s. w. zu sichern. Zunächst unternahm B. P. noch einige Reisen, so nach Italien, wo sie Venedig berührte, und nach Frankreich, wo sie drei Monate in Paris zubrachte und mit den hervorragendsten Künstlern und Schriftstellern daselbst verkehrte, namentlich diente ihr Ary Scheffer als freundlicher Cicerone, und im Hause von Julius Janin wurde sie überaus liebenswürdig aufgenommen. Später kam die P. nach Dresden und sodann nach München, wo sie sich freute, mit Künstlern wie Pecht, Cornelius, Wilhelm Kaulbach verkehren zu können. In Dresden verlebte die Dichterin eine Zeit bei der Frau v. Sahr-Einsiedel, und als sie 1852 nach Wien zurückgekehrt war, fand sie besondere freundliche Aufnahme im Hause der Frau v. Bagréef-Speransky, der Gattin eines verbannten russischen Würdenträgers, woselbst Dichter, Künstler, Gelehrte und Staatsmänner verkehrten und B. P. durch ihre geistige Bedeutung wie überhaupt in den Wiener Salons damals zu den bemerkenswerthesten Erscheinungen gehörte. Besonders beachtenswerth erscheint ihre journalistische Thätigkeit aus jener Zeit als Referentin für bildende Kunst und Theaterreferentin des Burgtheaters für den „Wiener Lloyd“, welchen zu jener Zeit E. Warrens herausgab. [169] Damals war sie auch zu Director Laube und seiner Gattin in freundliche Beziehungen getreten und ebenso zu den hervorragenden berühmten Mitgliedern des Theaters, wie Rettichs, Anschütz, La Roche, Gabillon u. A. Gleichzeitig übersetzte sie unter dem Namen „Branitz“ für Laube eine Anzahl französischer Stücke, welche er seinem Repertoire einverleibte. Mit dem Künstler-Ehepaare Gabillon hatte die P. ein besonders freundschaftliches Bündniß geschlossen, das bis zu dem Lebensende der Dichterin währte und sich überaus herzlich gestaltete. Sie übertrug ihre innige Zuneigung auch auf die Tochter des Paares, Helene Gabillon, verehelichte Frau Dr. Bettelheim in Wien, und konnte sogar deren drei Kinder unter ihren zärtlichen Augen noch aufwachsen sehen. „Im Jahre 1855“, schreibt Marie v. Ebner-Eschenbach, die vieljährige Freundin Betty Paoli’s, „ließ der gute Stern der Dichterin sie finden, was wohl die Erfüllung des Traumes eines jeden Schaffenden ist: alle Annehmlichkeiten, alles Behagen des Familienlebens, ohne eine seiner Verpflichtungen. Durch fast 40 Jahre hat sie im Frieden des Hauses von Fleischel-Marxow, unter hochbegabten, edlen Menschen gelebt: frei und geschützt“. Frau Ida v. Fleischl war ihr eine Freundin geworden. Unter ihren Augen ist B. P. denn auch in der Nacht vom 4. zum 5. Juli 1894, während eines Aufenthaltes in Baden, gestorben.

Von den Gedichtsammlungen, welche B. P. veröffentlichte, sind, außer den schon früher angeführten, noch zu nennen: „Romancero“ (1845), „Neue Gedichte“ (1850), „Lyrisches und Episches“ (1856), „Neueste Gedichte“ (1869). Eine Auswahl, welche zugleich den Nachlaß umfaßt, hat im J. 1895, nach dem Tode der Dichterin, Dr. Anton Bettelheim herausgegeben. Von den übrigen novellistischen und anderen Schriften der P. sind noch zu nennen: die drei Bände Novellen „Die Welt und mein Auge“ (1844), „Wiens Gemäldegallerien“ (Wien 1865), „Julie Rettich, Lebens- und Charakterbild“ (1866), „Grillparzer und seine Werke“ (1875). – Zwei Erzählungen Betty Paoli’s hat Dr. A. Bettelheim aus dem Nachlasse der Dichterin in der „Allgemeinen Nationalbibliothek“ (Wien) veröffentlicht.

Als Dichterin nimmt B. P. eine besonders bemerkentswerthe, hervorragende Stellung ein und zählt unbedingt zu den ausgezeichnetsten lyrischen Talenten ihrer Zeit. Der schmerzliche Zug, welcher schon in den ersten ihrer stets formvollendeten Gedichte zu Tage tritt, erinnert vielfach an Lenau, dem sie ja auch mit einem empfindungsvollen Widmungsgedichte die allererste ihrer Gedichtsammlungen zugeeignet hat. Aber auch der Ausdruck echter Weiblichkeit tritt uns schon in dieser ersten Sammlung entgegen, die ein so außerordentlich reiches innerliches Leben offenbart. Eine anfangs erwiederte, dann aber verlorene Liebe gibt der Dichterin Veranlassung zu tiefpoetischen Ausbrüchen und später zu Klagen, die aber nicht bloß oberflächlich angestimmt werden, sondern einen tiefen Blick in das Herz und die Seele der Dichterin gestatten und das ganze Innere derselben erhellen. Eine große Leidenschaft ist hier gepaart mit dem feinsten poetischen Gefühl. Was übrigens die Dichterin im Leben erfahren, wie ihr nicht gestattet war „des Lebens Freuden harmlos zu genießen – In ahnungsloser Unbefangenheit“, davon gibt das tiefempfundene „Kein Gedicht“ den besten Beweis, ein Gedicht, das gewissermaßen eine poetische Darstellung der Jugendjahre der Dichterin genannt werden kann und des traurigen Dahinschwindens eines erhofften „Liebesfrühlings“. Ueberall wird der Dichterin überhaupt die innere Welt zum Objecte der Betrachtung, und die fortlaufend aneinander gereihten Gedichte können eine Art von Seelenbiographie der Verfasserin genannt werden. Warum sich die P. der Poesie zugewendet, erläutert sie tiefempfunden in dem Gedichte „Die Pythia“ („Ich dichte nicht in frohen [170] Stunden“), in dem sie zu dem Schlusse kommt: „So ward, was jemals ich gesungen – Den Blick gerichtet himmelwärts, – Mir nur erpreßt und abgedrungen – Vom wilden Ueberwinder Schmerz“. Von großer Kraft und reich an edlen Gedanken sind die Gedichte, welche die P. an den (uns unbekannten) Geliebten richtet, dessen Geist, auch nachdem das Geschick den Körper aus dem Leben hinweggeführt, sie, die ihn nie vergessen kann, umschwebt und dessen Macht nachstrahlt „ein erdenfreudig Licht herein in meine trübsten Stunden“. Eine ganze Reihe edel schöner Gedichte sind dieser Liebe gewidmet, die so schmerzlich endete und gerade dadurch wieder der Anlaß ward zu herrlichen poetischen Ausdrücken der Empfindung. R. M. Werner sagt über die erste Sammlung von B. Paoli’s Gedichten: „Es geht durch das ganze Buch die sengende Gluth echter Leidenschaft, es weht, um mit der Dichterin zu sprechen, der Samum des Schmerzes; alles erweckt den Eindruck vollster Wahrheit, alles erscheint durchaus erlebt. Einen ganz besondern Vorzug kann man aber darin erblicken, daß ausschließlich das Weib zu Worte kommt. B. P. hat auch nicht in einem einzigen Verse die Maske vor dem Gesicht, immer spricht das Weib, immer Erlebnisse, Erfahrungen, Gedanken mit der eigenthümlichen Färbung eines nach Selbstbefreiung ringenden Frauenherzens“. – Schon der Titel der zweiten Gedichtsammlung B. Paoli’s: „Nach dem Gewitter“ (1843), deutet die Stürme an, welche über dieses Frauenherz gezogen sind, und welches nun seine Poesie, von der allzuheftigen Leidenschaftlichkeit geklärt, vorlegt. Aber auch in dieser Sammlung, die manches Gedicht von einem später treulosen Geliebten enthält, und das innere Leben und Weben eines um das Lebensglück betrogenen Frauenherzens aufhellt, finden sich kräftige, warm empfundene Strophen. Im ganzen aber zeigt sich eine abgeklärtere Stimmung und eine ruhigere Auffassung des unabwendbaren Geschickes. Auch finden wir in den Liedern dieser 2. Sammlung ein Gottvertrauen ausgedrückt, das eine mildere Auffassung des Herben erklärlich macht.

Schon in dieser Sammlung und noch mehr in den späteren Sammlungen von B. Paoli’s Gedichten, deren letzte 1870 erschienen, finden sich auch epische Stücke, insbesondere einige Balladen, welche übrigens so manches lyrische Element aufweisen. Die Dichterin wählt manchmal fremde Stoffe, wie z. B. „Die Araberin“, „Die Sevillanerin“, „Erin’s Fall“, überall aber weiß sie auch hier poetische Wirkungen auszuüben, und Stücke wie „Mac Dugald“, die „Bilder aus der Vendée“, „Andreas Baumkircher“ u. A. erscheinen reich an dichterischen Schönheiten. – Die letzten aus dem Nachlasse veröffentlichten Gedichte der P. zeigen uns dieselbe Gewandtheit in der Behandlung von Vers und Reim, und die von der Dichterin Jahre hindurch gesammelte Lebenserfahrung erscheint hier in abgeklärten, ruhigen Stücken, welche nicht selten auf das Alter der Dichterin und „auf die Nacht, der sie entgegenschreitet“, hinweisen, aber eine Fülle von edlen Gedanken und ernsten dichterischen Betrachtungen bieten. Eine hübsche poetische Bearbeitung findet sich in der indischen Legende „Der gute König in der Hölle“, welche eigentlich dramatischen Anstrich hat. Von der Dichterin reichen Sprachkenntnissen ebenso wie von der Gewandtheit ihrer Uebertragung zeugen die ebenfalls aus dem Nachlasse veröffentlichten Uebersetzungen der Poesien von Nadaud, Banville, Chambrun, Béranger, Puschkin, Barett-Browning und die hübsch gefaßte italienische Spruchweisheit. Manche Perle findet sich auch in den eigenen Aphorismen und Sprüchen der Poetin, die auch zuerst aus ihrem Nachlasse dargeboten worden sind.

Was die unter dem Titel „Die Welt und mein Auge“ (1844) von der P. veröffentlichten drei Bände Novellen anbelangt, so zeigen sich diese als feinsinnige [171] Seelengemälde und erscheinen darin vorwiegend Frauengestalten psychologisch gezeichnet. Eine Art Roman, eine mehr tragische Familiengeschichte „Die Ehre des Hauses“, füllt den ersten Band, manche aus den übrigen Novellen dürfte mit dem wirklichen inneren und äußeren Leben der Dichterin selbst im Zusamenhange stehen. R. M. Werner nennt diese Novellen „zum großen Theile Beichten mit epischen Verbindungen, psychologische Analysen … Auch in den Novellen ist es hauptsächlich die Frau, ihr Lieben, Getäuschtwerden, Kämpfen, Zweifeln und Ringen, ihr Verhältniß zum Manne, zur Welt, ihre Schuld und Buße, was B. P. immer wieder zum Studium der Betrachtung lockt“.

So sehen wir in dieser Dichterin eine insbesondere auf lyrischem Gebiete hervortretende höchst bedeutende Erscheinung, wie deren die deutsche zeitgenössische Lyrik nur etwa noch in Annette v. Droste-Hülshoff aufweist, an welche die P nach deren Tode ein tiefempfundenes Gedicht gerichtet hat. Es ist sehr zu beklagen, daß die neueste Zeit Gedichte wie jene von Betty Paoli die zu den besten zählen, was individualisirende Lyrik des 19. Jahrhunderts geschaffen, in den Hintergrund gedrängt hat. Eine Gesammtausgabe – nicht nur Auswahl von B. Paoli’s Gedichten wäre heute noch gar wohl am Platze.

Es ist nahezu selbstverständlich, daß die deutschen Litteraturgeschichten von H. Kurz, Bd. IV, R. König, A. Stern, Rud. Gottschall’s Deutsche Nationallitteratur des 19. Jahrhunderts, Bd. III, Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter u. Prosaisten d. 19. Jahrhunderts, Bd. II, und andere Handbücher die Dichterin mehr oder wenig ausführlich in den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen. – An dieser Stelle sei noch einzelner Darstellungen gedacht, welche das Leben und Dichten Betty Paoli’s ins Auge fassen. Solche sind enthalten in: Album österr. Dichter, Neue Folge. Wien 1858. Betty Paoli von Leopold Kompert. Mit gebotenen Proben. – Solche finden sich auch in Scheyrer, Die Schriftsteller Oesterreichs. Wien 1858. – Wurzbach, Biogr. Lexikon d. Kaiserth. Oesterreich, V. Theil, 1859, unter „Glück“. – Alfred Marchand, Les poètes lyriques de l’Autriche. Paris 1889. Betty Paoli S. 183–190. – Richard M. Werner hat in der Oesterreichisch-ungarischen Revue, XXVII. Bd., 1900, eine sehr eingehende werthvolle Untersuchung und Behandlung der lyrischen und novellistischen Poesie Betty Paoli’s geboten, welche auch unter dem Titel „Betty Paoli“ als Separatabdruck (Preßburg 1898) erschienen ist. – Richard M. Meyer, Die deutsche Litteratur des 19. Jahrhunderts, 3. Aufl. Berlin 1906, S. 387. – Karl L. Leimbach, Die deutschen Dichter der Neuzeit u. Gegenwart, Leipzig, VIII. Bd. (1900) bietet unter der Besprechung auch eine Bibliographie der Werke Betty Paoli’s und ebenfalls eine Reihe von Proben ihrer Dichtungen. – Eine höchst beachtenswerthe, die Persönlichkeit Betty Paoli’s vortrefflich charakterisirende Arbeit ist Helene Bettelheim-Gabillon’s Aufsatz „Zur Charakteristik Betty Paoli’s“ 191–250 im „Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft“, X. Jahrg. 1900. – In demselben Jahrbuch, XII. Jahrg. 1902, findet sich ein mit Briefen der Paoli belegter Aufsatz Franz Ilwof’s: „Betty Paoli und Ernst Freiherr von Feuchtersleben“. – Außerordentlich pietätvoll hat Marie v. Ebner-Eschenbach ihre Skizze über Betty Paoli in der von Dr. Bettelheim herausgegebenen, hier früher erwähnten Ausgabe des Nachlasses, nebst Auswahl aus allen Gedichten Paoli’s (Stuttgart 1895) abgefaßt und manches Neue darin geboten. Diese Skizze ist zuerst in der Neuen Freien Presse v. 22. Juli 1894 als Feuilleton erschienen.
Anton Schlossar.

[167] *) Zu Bd. LII, S. 749.