ADB:Schießler, Sebastian Willibald

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Artikel „Schießler, Sebastian Willibald“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 187–188, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schie%C3%9Fler,_Sebastian_Willibald&oldid=3478510 (Version vom 17. Februar 2019, 00:12 Uhr UTC)
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Schießler: Sebastian Willibald S., österreichischer Schriftsteller, wurde am 17. Juli 1791 zu Prag von wohlhabenden Eltern geboren und erhielt eine sorgfältige Erziehung, in der auch die musikalische Ausbildung nicht fehlte, so daß er nicht nur ein trefflicher Clavierspieler, sondern auch in der Composition ein geschickter Dilettant war. Nachdem er in Prag seine akademischen Studien beendet hatte, trat er bei dem Feldkriegscommissariat in den Staatsdienst, in dem er bis zum Oberkriegscommissär aufrückte. Seine amtliche Laufbahn führte ihn in die verschiedensten Städte der österreichischen Monarchie, so u. a. nach Pilsen, Prag, Graz, Lemberg; überall zeigte er sich als pflichttreuen Beamten, humanen Vorgesetzten und als Mensch von vortrefflichstem Charakter, der seine volle Befriedigung erst in Werken der Barmherzigkeit für die Menschheit und besonders für die Kinderwelt zu finden glaubte. Spuren seines wohlthätigen Wirkens finden sich daher auch in allen Orten. in welche ihn sein Dienst führte. So rief er in Pilsen eine Kleinkinderbewahranstalt, die erste in Oesterreich, ins Leben und sicherte ihre Existenz durch Gründung eines Humanitätsvereins, an dessen Spitze sich Ferdinand Fürst Lobkowitz persönlich stellte. Auch war es S., der die in der Nähe Pilsens befindliche Heilquelle wieder der Vergessenheit entriß und der leidenden Menschheit zugänglich machte. In Lemberg entfaltete er zum Wohle der Kinder eine ähnliche Thätigkeit. Neben allen humanistischen Bestrebungen und neben der Erfüllung seiner amtlichen Obliegenheiten fand er auch noch Muße zur Bethätigung als Schriftsteller, und zwar auf den verschiedenartigsten Gebieten. Er bediente sich dabei mancherlei Verhüllungen, aber was er auch als Brennius, Justus Hilarius, Justina Hilaria, Freymuth, Hermann Waldenroth, Gustav Borgmann, Müller, Renatus Münster zur Bereicherung der Litteratur beigetragen haben mag: eine wesentliche Bedeutung hat er als Schriftsteller nicht erlangt. Schon während seiner Studienjahre schrieb er Romane im Geschmacke von Spieß, Cramer, Lafontaine, doch hat er diese später selbst als Jugendsünden wieder verworfen. Seine Dichtungen „Hirlanda. Legende in 11 Gesängen“ (1818); „Sinngedichte und Epigramme“ (1824); „Gedichte“ (III, 1826); seine Dramen „Der Jahrmarkt zu Gimpelfingen“ (1828); „Die Bestürmung Prags“ (1835) und die in seiner „Thalia. Almanach dramatischer Spiele“ (II, 1826–27) gesammelten Lustspiele, Possen und Burlesken enthalten wohl manchen gelungenen und wohlklingenden Vers und manches auch noch heute brauchbare Theaterstück, geben aber keine Berechtigung, dem Dichter irgend eine Bedeutung beizulegen. Verdienstvoller war dagegen Schießler’s Unternehmen, durch Sammlung geeigneter Theaterstücke („Neues deutsches Original-Theater, mit Beiträgen von Mehreren herausg. VIII, 1828–29“) dem Repertoire der deutschen Bühne manche schätzbare Bereicherung zuzuführen, und Karl Goedeke gewährt S. auch die Anerkennung, daß er der „für das deutsche Theater am meisten bemühte Autor Böhmens“ gewesen sei. Glücklich und erfolgreich wirkte S. auch auf dem Gebiete der Jugendlitteratur, und seine aus warmem Herzen geschriebenen Kinderschriften gehörten zu der Zeit, als Nieritz, Franz Hoffmann u. a. noch nicht in diesem Fache wetteiferten, zu den besten Erzeugnissen dieser Gattung. Einer gleichen Theilnahme erfreuten sich seine zahlreichen Andachts- und Gebetbücher, die er unter dem Pseudonym Renatus Münster in die Welt sandte. S. hatte damit ein Gebiet betreten, das ihm als Laien eigentlich verschlossen bleiben sollte; aber dennoch hatte er in diesen Schriften einen innigeren, herzlicheren Ton getroffen, als er denen gelingt, die durch alle Weihen dazu autorisirt werden. – S. lebte, nachdem er in den Ruhestand getreten war, in größter Zurückgezogenheit zu Graz und ist daselbst am 15. März 1867 gestorben.

[188] Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 29. Bd., S. 284 ff.