ADB:Schweighauser, Johannes (Buchdrucker)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schweighauser, Johannes“ von Ludwig Sieber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 343–345, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schweighauser,_Johannes_(Buchdrucker)&oldid=- (Version vom 23. April 2019, 20:36 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 33 (1891), S. 343–345 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 117727482
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|343|345|Schweighauser, Johannes|Ludwig Sieber|ADB:Schweighauser, Johannes (Buchdrucker)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117727482}}    

Schweighauser: Johannes S., der Basler Buchdrucker und Buchhändler, gehörte als Sohn des Johann Konrad S. und der Sara Beck einer geachteten Familie an, deren Stammvater Konrad S. aus Oberwil (im jetzigen Kanton Baselland) infolge der Gegenreformation nach Liestal übersiedelte, dann einige Jahre als Kanzleibeamter zu Mülhausen im Elsaß verlebte und zuletzt 1641 in Basel seinen Wohnsitz aufschlug. Von dem Comes Palatinus Joh. Jac. Grasser zum Notar ernannt, genoß er wegen seiner geraden Gesinnung allgemeines Zutrauen. Die meisten seiner Nachkommen widmeten sich während mehr als eines Jahrhunderts der juristischen Laufbahn; so auch der Vater des Johannes S., Hans Konrad, der in Halle, Holland und Paris studirte, und nachdem er in seiner Vaterstadt die Doctorwürde erworben, die Stelle eines Dompropsteischaffners erhielt, aber kaum 35 Jahre alt starb. Sein Sohn Johannes wurde am 23. September 1738 geboren. Im J. 1753 bezog er die Universität, wurde am 3. Juni 1755 Baccalaureus und 1757 Magister. Bei Peter Ryhiner hörte er Vorlesungen über Logik und bei Anton Birr philologische Collegien. Zur Erlernung der französischen Sprache machte er nach altem Basler Brauche einen Aufenthalt im „Welschland“ und beabsichtigte alsdann das juristische Studium zu beginnen. Sein Herzenswunsch sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen. Auf den Rath seines Schwagers Joh. Jacob Thurneysen, dessen Vater Joh. Rudolf eine Buchhandlung sammt Druckerei betrieb, wandte sich S. der Kaufmannschaft zu. Nachdem er sich 1765 mit Maria Magdalena Preiswerk verehelicht hatte, übernahm er im darauf folgenden Jahre die J. R. Thurneysen’sche Buchdruckerei. Durch rege Thätigkeit und solide Geschäftsführung wußte S., obschon er die Typographie nicht förmlich erlernt hatte, die nun seinen Namen tragende Officin zu heben und ihr in weiten Kreisen Achtung zu verschaffen; aber sein Herz war gleichwohl nicht ganz und nicht ausschließlich beim Geschäfte. Weit eher zum Gelehrten, als zum Kaufmann geboren, widmete er alle seine Mußestunden mit Vorliebe historischen Studien. Mit unermüdlichem Fleiße sammelte er eine Menge von Materialien zur Geschichte zumal seiner Vaterstadt und der Schweiz. Seine Collectaneen und Excerpte, seit 1852 durch Schenkung seiner Nachkommen ein kostbarer Schatz der Basler Universitätsbibliothek, füllen eine ganze Reihe von Mappen, und was den Werth aller dieser Aufzeichnungen noch erhöht und ihre Verwerthung nicht wenig erleichtert, das ist die überaus schöne und deutliche Schrift, in der sie uns entgegentreten.

Besondere Erwähnung verdienen ferner drei stattliche Quartbände (sie gehören jetzt der vaterländischen Bibliothek der Lesegesellschaft), in denen alle biographischen und bibliographischen Notizen vereinigt sind, welche S. über die Basler Buchdrucker vom 15. bis zum Schluß des 18. Jahrhunderts zusammenzubringen vermochte. Der Werth dieser einzigartigen, freilich nicht druckfertigen Sammlung ist von Wilh. Wackernagel im Vorwort zu den Beiträgen zur Basler Buchdruckergeschichte von Stockmeyer und Reber (1840) gebührend hervorgehoben worden. Auch um einen großen Theil der umfangreichen Sammlung von Originalbriefen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, welche zu den werthvollsten Cimelien der Basler Bibliothek gehört, erwarb sich S. ein besonderes Verdienst durch die Herstellung eines Cataloges, der trotz gewissen Unvollkommenheiten den Forschern eine bequeme Orientirung über den ganzen Bestand darbietet und bis jetzt durch kein besseres Verzeichniß ersetzt ist. Diese vorzüglich erhaltene, in den letzten Decennien auch viel benutzte Sammlung, welche in 95 stattlichen Folianten nicht weniger als 9975 Originalbriefe berühmter Männer enthält, wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch einen Oheim Schweighauser’s, den gelehrten Alterthumsforscher Dr. jur. Joh. Werner Huber (1700–1755) mit unermüdlichem Eifer und sicherlich nicht ohne große Opfer angelegt. Nach seinem [344] Tode hatte sie, wie es scheint, das Glück, in den Besitz des gelehrten Buchdruckers überzugehen, der den seltenen Schatz voll zu würdigen wußte und darum auch die Mühe nicht scheute, sie durch ein übersichtliches Verzeichniß der in jedem Bande enthaltenen Briefe brauchbarer zu machen. Am 24. Juni 1806, kurz vor Schweighauser’s Tode, wurde die „Huberische Sammlung“ für die Universität erworben und bildet nun im Verein mit der Briefsammlung der Familie Amerbach, den Correspondenzen des Joh. Jac. Grynaeus, des Coelius Secundus Curio, des Joh. Buxtorf, des Joh. Heinrich Hottinger und mancher anderer ein Besitzthum, auf das Basel mit Recht stolz ist.

Ueber Schweighauser’s Thätigkeit als Buchdrucker und Verleger fehlt es an eingehenden Nachrichten und ein genaues Verzeichniß seiner Verlagswerke ist leider nicht mehr vorhanden; dagegen darf nicht unerwähnt bleiben, daß er einer altbaslerischen Tradition folgend es sich angelegen sein ließ, das Wohl des kleinen republikanischen Gemeinwesens im Verwaltungs- und im Gerichtswesen nach Kräften zu fördern und sich durch Uebernahme mannigfacher Beamtungen, deren Aufzählung unnöthig scheint, nützlich zu machen. Kaum 30 Jahre alt wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger in den Großen Rath berufen, und bald nachher finden wir ihn als Appellationsrichter und 1795 als Mitglied des Kleinen Rathes. „S., so schreibt ein geschichtskundiger Urenkel desselben, galt als ein Gegner der Revolution, wenn er auch die Schwächen der bestehenden Einrichtungen und die Nothwendigkeit einer Verbesserung der Zustände wohl fühlte; aber die Bundesgenossenschaft mit Frankreich, welchem die Führer der Bewegung sich täglich mehr unterwarfen, schreckte ihn ab, sich ihnen anzuschließen und die gewaltsamen Auftritte in der Landschaft, welche der Umwälzung vorangingen, die Feuersäulen, die aus den zerstörten Landvogteischlössern emporloderten, alles dies war nicht geeignet, den stillen, ruhigen Mann mit dieser Bewegung zu befreunden. Aber er war viel zu sehr Vaterlandsfreund, als daß er sich theilnahmlos gegen alles in den Schmollwinkel hätte setzen können; wenn er auch den politischen und verwaltenden Behörden während der Helvetik fern blieb, so nahm er doch als Richter regen Antheil an der Rechtsprechung.“ Am 31. Juli 1806 starb S. als der letzte Vertreter des Baslerischen Zweiges der in Baselland noch fortbestehenden Familie. Er hinterließ zwei Töchter, von denen die ältere, Sara (1766–1823) die Buchdruckerei und die Buchhandlung eine Zeitlang fortführte. Die jüngere Tochter, Maria Magdalena, wurde die Gattin des nachmaligen Bürgermeisters Dr. jur. Joh. Heinrich Wieland, der am Wiener Congreß die Schweiz mit hervorragendem Geschick und ausgezeichnetem Erfolg vertrat. Während sich in Basel die Umwälzung von 1798 vollzog, war Wieland Stadtschreiber in Liestal und blieb als Regierungsbeamter den Neuerungen fern; bald aber trat er auf die Seite der Einheitsfreunde und nahm an der Begründung und Einrichtung der helvetischen Republik thätigen Antheil. Die grundsätzliche Verschiedenheit der politischen Anschauungen that jedoch den herzlichen Beziehungen zwischen S. und seinem Schwiegersohn durchaus keinen Eintrag; das beweisen die zahlreichen Briefe, in denen Wieland zuerst von Liestal aus als Stadtschreiber und dann von Bern aus als helvetischer Senator und Finanzminister seinem Schwiegervater von allen wichtigen Ereignissen und in rückhaltloser Offenheit auch von seinen eigenen Handlungen Kenntniß gab.

Ungefähr seit dem Jahre 1820 war Wieland’s Sohn, August, Inhaber der Schweighauserischen Buchhandlung und Buchdruckerei; auf den Publicationen der Universität finden wir ihn bis in die dreißiger Jahre als Universitätsbuchdrucker bezeichnet. Am 3. August 1833 fiel Schweighauser’s Enkel im Kampf der Stadt gegen die Landschaft; aber die Leitung der Officin verblieb der Familie Wieland, bis anfangs der fünfziger Jahre das Geschäft in andre, nicht baslerische Hände [345] überging. Trotz dem Wechsel der Besitzer wurde jedoch der alte, geachtete Name der Firma, wenigstens soweit es die Druckerei betrifft, bis auf den heutigen Tag unverändert beibehalten.

Rede bei der Beerdigung des Hrn. Joh. Schweighauser, Statthalter des Stadt-Raths …, den 4. Angstmonats 1806 in dem Münster gehalten von Andreas La Roche, Diacon zu St. Peter, Basel 1806. – Karl Wieland, Ueber die Schweighauser in Basel (Basler Jahrbuch 1883, herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, S. 95 ff.). – Beiträge zur vaterländischen Geschichte, herausgegeben von der histor. Gesellschaft zu Basel, VI, S. 123 ff.